Lastminute.com wächst dank Übernahme markant

Francesco Signoretti
Francesco Signoretti, stellvertretender CEO lastminute.com group. (Foto: lastminute.com)

Francesco Signoretti, CEO lastminute.com group. (Foto: lastminute.com group)

Chiasso / Amsterdam – Die Online-Reiseagentur Lastminute.com war das Geschäftsjahr 2015 ein Transformationsjahr. Dank der Übernahme von Lastminute.com stiegen die Umsätze stark an. Im Jahresverlauf wurde die übernommene Plattform integriert und anstelle von Bravofly Rumbo als neuer Gruppenname installiert. Unter dem Strich musste die Gruppe einen Verlust verbuchen. Auf einen Ausblick wird vorerst verzichtet.

Das Brutto-Reisevolumen legte 2015 um 80% auf 2,35 Mrd CHF zu und der Umsatz stieg um 70% auf 249,7 Mio EUR, wie die Gruppe am Dienstag mitteilt. Auf operativer Basis lag der bereinigte EBITDA mit -0,5 Mio EUR im negativen Bereich, und unter dem Strich ergab sich ein Reinverlust von 17,9 Mio EUR, nachdem im Vorjahr noch ein Reingewinn von 7,2 Mio resultiert hatte.

Bereits Mitte Februar hatte Lastminute.com vorangekündigt, dass das Umsatzziel für 2015 von 255 Mio nicht erreicht werde und dass unter dem Strich rote Zahlen zu erwarten seien. Als Gründe wurden die beschleunigte Integration von lastminute.com sowie die negativen Auswirkungen der Terroranschläge in Paris genannt.

«2015 haben wir innerhalb von neun Monaten die gesamte Gruppe umstrukturiert», wird CEO Fabio Cannavale in der Mitteilung zitiert. Die Gruppe verfüge nun über die angemessene Grösse, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

Meta-Suchgeschäft wächst organisch
Durch die erstmalige Konsolidierung von lastminute.com für 10 Monate veränderte sich die geographische Ausrichtung der Gruppe stark. In Frankreich und Deutschland verdoppelten sich die Umsätze auf 60,3 Mio bzw. 17,2 Mio. Grossbritannien ist mit einem Umsatz 53,8 Mio neu die zweitgrösste Region. Von den angestammten Märkten wies Italien ein Wachstum von 30% auf 52,4 Mio aus, und in Spanien resultierte ein Minus von 5% auf 32,4 Mio. In den «übrigen Märkten» erhöhten sich die Erträge um 22% auf 33,6 Mio.

Auch bei den Segmenten verschob sich das Gewicht innerhalb der Gruppe deutlich. Das Geschäft mit Flugreisen macht noch gut die Hälfte der Umsätze aus, war aber 2014 mit knapp 75% noch deutlich gewichtiger. Mit Freizeit und Reisen erwirtschaftete das Unternehmen 41% der Umsätze. Auf die Meta-Search-Sparte entfallen rund 8%, wobei dieser Bereich mit einem Plus von 53% organisch stark gewachsen sei, so die Meldung.

Mittelfrist-Ziele werden überprüft
Das Reinergebnis sei 2015 neben Integrationskosten auch von einem zusätzlichen Marketing-Aufwand für eine TV-Kampagne von 15,4 Mio EUR belastet gewesen, heisst es weiter. Auf der Kostenseite habe die vereinfachte IT-Architektur bereits 2015 Einsparungen von 9 Mio EUR ermöglicht, und auch 2016 sollen die Kosten dadurch zusätzlich um 8,2 Mio sinken. Von dem bereits eingeleiteten Umstrukturierungsprogramm verspricht sich die Gruppe zudem jährliche Einsparungen von 17 Mio, wovon 15,8 Mio bereits im laufenden Jahr. Aufgrund der Verluste reduzierte sich die Nettofinanzposition auf 68,1 Mio EUR von 89,9 Mio per Ende 2014.

Ins laufende Jahr 2016 sei man «gut gestartet», allerdings wird vorerst auf eine konkrete Prognose verzichtet. Eine Zielsetzung soll erst nach Abschluss des ersten Quartals veröffentlicht werden, heisst es. Überprüft würden bis dahin zudem die mittelfristigen Ziele, wonach 2017 ein Umsatz von 330 Mio EUR bei einer EBITDA-Marge von über 18% erwirtschaftet werden soll. Die Erholung der Rentabilität werde Ergebnisse ermöglichen, die den Erwartungen entsprechen, heisst es dazu.

An der Börse wurden die Aktien am heutigen Montag bis 10.15 Uhr noch nicht gehandelt. Der gestellte Kurs von 9,24 CHF liegt 3,3% unter dem Vortagesschlusskurs und nur knapp über dem in der vergangenen Woche markierten bisherigen Rekordtief von 9,13 CHF. Die heutigen Zahlen sind dabei am unteren Ende der Analystenerwartungen ausgefallen. (awp/mc/upd/ps)

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