MEM-Industrie: Trendwende in den Betrieben noch nicht angekommen

Swissmem
(Foto: Swissmem)

Zürich – Die Lage der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) zeigt ein diffuses Bild. Erfreulich ist die Entwicklung der Auftragseingänge. Sie stiegen in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zur Vorjahresperiode um +12,4 Prozent an, wie der Branchenverband Swissmem mitteilt. Auch die Erwartungen der Unternehmer für die kommenden zwölf Monate haben sich im Verlauf des Jahres verbessert. Dem gegenüber reduzierten sich die Umsätze von Januar bis September 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent. Die Güterexporte legten nur unwesentlich zu (+0,4%).

In den ersten drei Quartalen 2016 stiegen die Auftragseingänge in der MEM-Industrie im Vergleich zur Vorjahresperiode um +12,4 Prozent. Insbesondere das zweite (+18,5%) und das dritte (+18,4%) Quartal weisen kräftige Zuwächse auf. Allerdings verbirgt sich hinter dieser erfreulichen Entwicklung aufgrund schlechter Vorjahresquartale ein Basiseffekt. Dennoch hat der Auftragseingangs-Index im dritten Quartal 2016 einen Stand erreicht, der – im Vergleich mit den jeweiligen Werten im dritten Quartal – seit 2008 nie mehr so hoch war. Auch die Erwartungen der Unternehmer für die kommenden 12 Monate haben sich sowohl bei den Grossunternehmen wie auch bei den KMU in diesem Jahr laufend verbessert. Gemäss der jüngsten Swissmem-Befragung rechnen 42 Prozent der Unternehmer mit zunehmenden Aufträgen aus dem Ausland. Lediglich 12 Prozent befürchten einen Auftragsrückgang.

Negative Umsatz- und verhaltene Exportentwicklung
Die Zeitspanne zwischen Auftragseingang und dessen Niederschlag in den Umsätzen beträgt in der MEM-Industrie durchschnittlich sechs bis neun Monate. Es überrascht deshalb nicht, dass die Umsätze in den ersten neun Monaten 2016 im Vergleich zur Vorjahresperiode um -3,4 Prozent gesunken sind. Dieser Rückgang ist die Konsequenz des schwachen Auftragseinganges im Vorjahr. Vom Umsatzrückgang sind Grossfirmen und KMU gleichermassen betroffen.

Die Exportentwicklung zeigt ebenfalls, dass die erwartete Erholung erst zögerlich eingesetzt hat. Die Güterausfuhren der MEM-Industrie betrugen in den ersten drei Quartalen 47,1 Milliarden Franken. Sie lagen damit nur +0,4 Prozent über dem Ergebnis der Vorjahresperiode. In den einzelnen Subbranchen entwickelten sich die Exporte unterschiedlich. Die Ausfuhren von Präzisionsinstrumenten stiegen um +5,2 Prozent und jene von Elektrotechnik/Elektronik um +2,0 Prozent. Bei den Metallen liegt der Zuwachs bei +2,2 Prozent. Hingegen sanken die Exporte im Maschinenbau um -1,4 Prozent.

Auch die einzelnen Absatzregionen zeigen ein uneinheitliches Bild. Die Exporte nach Asien reduzierten sich in den ersten neun Monaten um -6,3 Prozent. Dem gegenüber nahmen die Ausfuhren in die EU, dem mit Abstand wichtigsten Markt, um +3,5 Prozent zu. Auch die Exporte in die USA erhöhten sich um 4,2 Prozent. Damit setzte sich die hohe Wachstumsdynamik im US-Markt weiter fort. Ob es unter dem neuen US-Präsidenten tatsächlich zu protektionistischen Massnahmen kommt, wird sich erst weisen.

Frankenschock noch nicht definitiv überwunden
Insgesamt zeigt die Lage der Schweizer MEM-Industrie ein diffuses Bild. Die Auftragseingänge und die Einschätzungen der Unternehmer deuten auf eine Erholung hin. Die aktuellen Umsatz- und Exportzahlen belegen aber, dass der positive Trend noch nicht in den Betrieben angekommen ist. Zudem führen die jüngsten Restrukturierungsankündigungen zu einer gewissen Verunsicherung. Die Umsätze dürften aufgrund des anziehenden Bestellungseinganges im Verlauf des nächsten Jahres wieder ansteigen. Die Frage bleibt jedoch, ob die Firmen damit etwas verdienen. Der Franken ist gegenüber dem Euro nach wie vor deutlich überbewertet. In den letzten Wochen hat er sogar wieder an Wert zugelegt.

Ob es in naher Zukunft zu einer nachhaltigen Erholung in der Schweizer MEM-Industrie kommt, hängt primär von der künftigen Entwicklung des Wechselkurses sowie vom konjunkturellen Verlauf in den wichtigsten Absatzmärkten ab. Sehr wichtig ist, dass es zu keiner weiteren Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro kommt. Vielmehr wäre eine Abwertung des Schweizer Frankens notwendig, damit die Unternehmen wieder akzeptable Margen erwirtschaften können. Die Konjunkturprognosen in den Hauptmärkten der Schweizer MEM-Industrie zeigen für 2017 nur ein verhaltenes Wachstum. Es wird entscheidend sein, dass keine neuen weltpolitischen oder wirtschaftlichen Verwerfungen erfolgen, welche dieses bescheidene Wachstum abwürgen könnten. (Swissmem/mc/pg)

Swissmem

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.