Neuaufstellung der Gesundheitsversorgung im Oberengadin – Letzte Chance fürs Spital Oberengadin

Neuaufstellung der Gesundheitsversorgung im Oberengadin – Letzte Chance fürs Spital Oberengadin
Selina Nicolay, Stiftungsratspräsidentin der SGO (Bild: zVg)

Samedan – Die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) befindet sich in Nachlassstundung und wird danach liquidiert. Damit die Akut- und Langzeitpflege im Oberengadin über den 1. April 2026 gewährleistet bleibt, ist eine Neuaufstellung der Gesundheitsversorgung notwendig. Die Gemeinden der Gesundheitsversorgungsregion Oberengadin legen der Bevölkerung dafür eine neue Trägerschaft sowie drei Leistungsvereinbarungen zur Abstimmung vor.

Die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO) betreibt heute das Spital Oberengadin, die Alterszentren «Du Lac» und «Promulins» sowie die Spitex. Dazu kommen Beratungsstellen und – gemeinsam mit der Klinik Gut AG – der Rettungsdienst Oberengadin (REO).

Mindestens sieben der elf Gemeinden und die Hälfte der Stimmbevölkerung müssen zustimmen

Nach zwei gescheiterten Abstimmungen ist die SGO voraussichtlich Ende März 2026 zahlungsunfähig. Damit die Gesundheitsversorgung im Oberengadin weiterhin gewährleistet bleibt, braucht die Region eine neue Trägerstruktur, die Verantwortung, Finanzierung und Steuerung verbindlich regelt. Vorgesehen ist dafür die Gründung der öffentlich-rechtlichen Anstalt «Sanadura». Sie ist die Voraussetzung für die Neuaufstellung der Gesundheitsversorgung und soll die Akut- und Langzeitpflege im Oberengadin über den 1. April 2026 hinaus langfristig sicherstellen. «Sanadura» kann die erforderlichen Leistungen einkaufen oder – wo sinnvoll – selbst erbringen. Sie kommt zustande, wenn mindestens sieben der elf Gemeinden der Gesundheitsversorgungsregion (GVROE) dem Gesetz zustimmen und diese Gemeinden zusammen mindestens die Hälfte der Stimmbevölkerung in der GVROE vertreten. Mit der neuen Anstalt entfällt die heutige Einstimmigkeitserfordernis.

«Wird die Gründung der öffentlich-rechtlichen Anstalt «Sanadura» abgelehnt, kommt es zur endgültigen Schliessung und Liquidation aller SGO-Betriebe», hält Selina Nicolay, Stiftungsratspräsidentin der SGO, fest. Das Spital in Samedan würden geschlossen. Die Alterszentren «Du Lac» und «Promulins» sowie die Spitex könnten von der SGO nicht mehr weiterbetrieben werden. Wie die Gemeinden die Gesundheitsversorgung danach organisieren würden, ist offen.

Leistungsvereinbarung «Spital»: Versorgung vertraglich absichern

Die SGO stellt den Spitalbetrieb Ende März 2026 ein und wird nach der Nachlassstundung liquidiert. Die «Sanadura» wird kein eigenes Spital betreiben. Mit der Leistungsvereinbarung «Spital» zwischen den Trägergemeinden und der «Sanadura» wird sichergestellt, dass die neue Trägerschaft einen Dienstleistungsvertrag mit der Stiftung Kantonsspital Graubünden (KSGR) und deren Tochterunternehmen Klinik Gut AG abschliessen kann. Vorerst bis Ende Jahr 2026: Im laufenden Jahr wird eine mehrjährige Leistungsvereinbarung erarbeitet. Diese kommt im Herbst 2026 zur Abstimmung.

Mit der Sicherstellung der Akutversorgung durch KSGR und Klinik Gut werden Synergien genutzt, das medizinische Leistungsangebot auf die Bedürfnisse der Region ausgelegt und die Komplexität reduziert. Dazu soll eine eigene juristische Einheit gegründet werden: die Spital Oberengadin AG.

Die Spital Oberengadin AG wird als Mieterin den Spitalstandort in Samedan weiterbetreiben. Das Leistungsangebot beinhaltet weiterhin die Sicherstellung einer breiten 24h-Notfallversorgung, eine IMC (spezialisierte Überwachungsstation) mit Überwachungsbetten und der Betreuungsmöglichkeit von schwerer erkrankten oder schwerer verletzten Patientinnen und Patienten, die Geburtshilfe, ambulante spezialärztliche Angebote (z.B. Sprechstunden Dialyse, Onkologie) sowie eine Grundversorgung für notfallmässige und planbare Behandlungen.

Damit wird die medizinische Versorgung für die Region vorerst bis Ende 2026 verbindlich geregelt. Mit der im laufenden Jahr zu erarbeitenden Leistungsvereinbarung kann der Spitalstandort im Oberengadin langfristig gestärkt werden.

Wird die Leistungsvereinbarung abgelehnt, kann kein Dienstleistungsvertrag mit der KSGR-Gruppe abgeschlossen werden. Das Spital Oberengadin in Samedan wird endgültig geschlossen.

Zwei Leistungsvereinbarungen für die Sicherung der Langzeitpflege

Bis Ende Jahr 2026 soll «Sanadura» die Betriebe beider Alterszentren und der Spitex weiterführen. So wird sichergestellt, dass Bewohnende und Klientinnen und Klienten eine unterbruchsfreie Langzeitpflege, sowie Mitarbeitende eine Anschlusslösung erhalten. Die Vorlage sieht vor, dass «Sanadura» die Betriebe selbst führen oder an Dritte auslagern kann. Aktuell wird mit möglichen Drittanbietern geprüft, ob eine Auslagerung betrieblich und wirtschaftlich möglich und sinnvoll ist. Ziel ist eine tragfähige Lösung, die eine zuverlässige Betreuung und stabile Abläufe gewährleistet.

Werden die beiden Leistungsvereinbarungen «Alterszentren» und «Spitex» abgelehnt, wäre die Finanzierung für die Beschaffung der notwendigen Leistungen oder den Betrieb der Alterszentren und/oder Spitex nicht mehr möglich. Die Alterszentren und/oder Spitex können nicht mehr weiterbetrieben werden. Die Langzeitpflege wäre nicht mehr sichergestellt.

Finanzbedarf

Der Finanzbedarf unterscheidet sich von vorhergehenden Vorlagen grundlegend, weil für die Neuaufstellung der Gesundheitsversorgung im Oberengadin eine neue Trägerschaft gegründet werden muss. Er setzt sich wie folgt zusammen:

  • Dotationskapital: Die neue Trägerschaft «Sanadura» wird mit einem Startkapital von 2.5 Mio. Franken ausgestattet. 
  • Betriebsbeiträge: Laufende Betriebsaufwände der «Sanadura» (0.5 Mio. Franken), Kosten für die Leistungsvereinbarung Spital (6.5 Mio. Franken) sowie für die Erhöhung der Defizitgarantien zu den bestehenden Leistungsvereinbarungen für Alterszentren (1.2 Mio. Franken) und Spitex (0.35 Mio. Franken). Total 8.55 Mio. Franken.
  • Darlehensbeiträge: Darlehensbeiträge ermöglichen die benötigte Liquidität, um in der Anfangsphase die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu decken, bis Erträge eingehen. Die Darlehen betragen für das Spital 3.5 Mio. Franken und für die Alterszentren 4 Mio. Franken und die Spitex 1 Mio. Franken und sind auf zwei Jahre befristet. Total 8.5 Mio. Franken.

Informationsveranstaltung 21. Januar 2026

Die Gemeinden der Gesundheitsversorgungsregion Oberengadin informieren am Mittwoch, 21. Januar 2026, 20 Uhr im Kongress- & Kulturzentrum Rondo in Pontresina über die Abstimmungsvorlage zur Neuaufstellung der Gesundheitsversorgung im Oberengadin.

Abstimmungstermine

Die Stimmberechtigten entscheiden am 4. Februar 2026 an den Gemeindeversammlungen und St. Moritz am 8. März 2026 an der Urne über die Vorlagen. (SGO/mc/hfu)


Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin (SGO)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert