Oerlikon reagiert mit Kostensenkung und Stellenabbau auf Corona-Krise

Roland Fischer
Oerlikon-CEO Roland Fischer. (Foto: Oerlikon)

Pfäffikon – Oerlikon hat im ersten Quartal 2020 schwer unter der Corona-Krise gelitten. Der Industriekonzern plant als Reaktion Kostensenkungen und einen Stellenabbau im Bereich Oberflächentechnik.

Während sich der Bereich Kunstfaser (Manmade Fibers) bald wieder erholen dürfte, trifft die Krise „Surface Solutions“ etwas später. Sie wird das Geschäft hier aber nachhaltiger bremsen.

Oerlikon beschleunigt daher nun eine bereits vor der Krise eingeleitete Restrukturierung des Bereichs Oberflächentechnik. Dabei sollen bis zu 10 Prozent der Stellen abgebaut werden; das sind rund 800 Arbeitsplätze.

Insgesamt sank der Konzernumsatz im ersten Quartal um 15 Prozent auf 529 Millionen Franken und der Auftragseingang lag mit 477 Millionen gar 30 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das Betriebsergebnis auf Stufe EBITDA ging um 38 Prozent auf 58 Millionen zurück.

Verzögerungen bei Manmade Fibers
„Das Segment Manmade Fibers wurde im ersten Quartal durch den Produktionsausfall in China und Verzögerungen bei den Genehmigungen für Projekte hart getroffen“, sagte Oerlikon-CEO Roland Fischer am Dienstag zu AWP. Bei Manmade betrug das Umsatzminus im ersten Quartal 19 Prozent auf 205 Millionen Franken und der Betriebsgewinn halbierte sich auf 18 Millionen.

Die Produktion in China stand ab Ende Januar und im Februar still, während die Produktion in Deutschland voll weiterlief. Die Nachfrage nach Ausrüstung und Ersatzteilen in Nordamerika und Europa sei geringer ausgefallen.

„Wir haben hier aber den Boden gesehen und werden die für das Gesamtjahr geplanten Zahlen schaffen“, ist der Oerlikon-Chef überzeugt. Die strategischen Investitionen der chinesischen Kunden in Filamentanlagen würden eine gute Visibilität bieten.

Für eine „kleine Sonderkonjunktur“ würde die derzeitige Nachfrage für die Meltdown-Technologie von Oerlikon sorgen. Diese werden zur Produktion von Vliesstoffen verwendet, wie sie etwa für chirurgische Gesichtsmasken nötig sind.

Surface wird länger leiden
Bei der Oberflächentechnik habe die Corona-Krise erst ab März deutlich negative Auswirkungen gehabt. Entsprechend rechnet Fischer hier mit dem Höhepunkt der Beeinträchtigungen erst im laufenden zweiten Quartal und geht auch nur von einer schrittweisen Erholung aus.

Bei Surface Solutions ging der Umsatz um 12 Prozent auf 325 Millionen Franken zurück und das EBITDA um 36 Prozent auf 39 Millionen. Die Schwäche im Automobilsektor sei durch die Corona-Krise noch verstärkt worden und der Shutdown in China habe in der Lieferkette zu Unterbrüchen geführt.

Mit Blick auf die Hauptmärkte bleibt Fischer vorsichtig. „In China erholt sich die Automobilindustrie schnell“, betonte er. In Europa sei die Erholung aber unsicherer. „Auch hier fahren die Zulieferer ihre Produktion langsam wieder an, aber auf einem tieferen Niveau.“

Die Luftfahrtindustrie stehe derweil vor langanhaltenden strukturellen Problemen, sagte der Oerlikon-Chef weiter. Dadurch werde die Erholung verzögert und geringer ausfallen.

Jahresausblick zurückgezogen
„Da wir die Dauer und das Ausmass der Ausbreitung des Virus nicht voraussagen können, ziehen wir die Prognose für das Jahr 2020 zurück“, sagte Fischer. Anfang März hatte das Management noch eine flache Umsatzentwicklung und eine Marge von bis zu 14,5 Prozent in Aussicht gestellt.

Oerlikon bringe sich währenddessen für die erwartete Erholung in Stellung. Das Unternehmen verfüge über eine solide Kapitalstruktur, starke Liquidität und eine nettoschuldenfreie Bilanz. Das Mittelfristziel einer EBITDA-Marge von 16 bis 18 Prozent gelte nach wie vor.

Mit den Zahlen hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten teilweise übertroffen, der tiefe Auftragseingang wurde jedoch als schlechtes Signal gewertet. Die Oerlikon-Aktien notierten zu Handelsschluss 0,1 Prozent höher. (awp/mc/ps)

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