Petroplus: Verhandlungen mit Banken dauern an

Jean-Paul Vettier

Petroplus-Raffinerie Cressier NE.

Zug – Der Raffinerie-Betreiber Petroplus ist weiterhin in Verhandlungen mit Banken zur Lösung des Finanzierungsengpasses. Weitere Hoffnungen des Managements ruhen auf der Unterstützung durch die französische Regierung und weiteren Lösungsansätzen wie eine Zusammenarbeit mit einem Rohölproduzenten. Derweit laufen die vorgesehenen Schliessungen von Raffinerien weiter.

Die Verhandlungen mit Banken werden fortgesetzt und für die kommenden Tage sind gemäss einer Mitteilung von Petroplus vom Donnerstag weitere Treffen mit den kreditgebenden Banken im Rahmen der revolvierenden Kreditlinie angesetzt. Ziel sei die Sicherung der nötigen Finanzierung und eine Liquiditätsvereinbarung, die es dem Unternehmen erlaube, die derzeitigen und zukünftigen Verpflichtungen zu erfüllen, heisst es weiter. «Die Verhandlungen schliessen eine Überprüfung strategischer Optionen zur Sicherung alternativer Liquiditätsquellen ein», so die Mitteilung. Der Zugang zu allen Kreditlinien im Rahmen der bisherigen revolvierenden Kredit-Arrangements sei gesperrt und der Zugang zu entsprechenden Bankkonten eingeschränkt und abhängig vom Ausgang der laufenden Verhandlungen, heisst es im «Update» weiter.

Frankreich sichert Unterstützung zu
Die französische Regierung wolle alles Mögliche dazu beitragen, um mit den Banken eine Lösung zur Wiederaufnahme der Kredittätigkeit zu finden. Dies erklärte gemäss Berichten mehrerer Nachrichtenagenturen Petroplus-CEO Jean-Paul Vettier nach einem Treffen mit dem französischen Premierminister François Fillon am Donnerstag. Die Lage für Petroplus sei im Moment sehr heikel. Gemäss dem CEO hat der Raffineriebetreiber in den ersten neun Monaten des Jahres 2011 rund 415 Mio USD verloren. Man spiele deshalb auch andere Lösungsansätze durch, so z.B. eine Zusammenarbeit mit einem Ölproduzenten, welcher sowohl Rohöl als auch eine Kreditlinie liefern würde. Damit könnten die zurückgezogenen Kreditfazilitäten der Banken substituiert werden, so Vettier weiter.

Raffinerie-Schliessungen gehen weiter

Derweil wird Frankreich die Raffinerie Petit Couronne weiter herunter gefahren und auch im belgischen Antwerpen soll mit der Schliessung demnächst begonnen werden, teilt Petroplus am Donnerstag mit. Petit Couronne werde derzeit bestreikt, was die Auslieferung von Produkten erschwere. In der Schweizer Raffinerie in Cressier würden die Rohölvorräte noch bis kurz nach Mitte Januar reichen. In Ingoldstadt/DE werden gemäss Mitteilung 60’000 Barrel Rohöl täglich verarbeitet, in Coryton/GB sind es derzeit 100’000. Die maximale tägliche Verarbeitungsmenge aller fünf Raffinerien beträgt 667’000 Barrel.

Aktie weiter massiv unter Druck
Ende Dezember hatten die kreditgebenden Banken von Petroplus eine Kreditlinie im Volumen von rund 1 Mrd USD eingefroren. Dadurch kann der Raffinerie-Betreiber keine neuen Rohölvorräte mehr einkaufen und fährt die Raffinerien nach und nach herunter. Petroplus sieht sich schon seit längerem schwierigen Marktbedingungen gegenüber und schreibt seit 2008 rote Zahlen. An der Börse verliert die Petroplus-Aktie bis um 16.07 Uhr um 18,4% auf 1,46 CHF. Kurz vor der Publikation des Updates notierte der Titel noch auf einem Niveau von rund 1,80 CHF.  (awp/mc/upd/ps)

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