Roche: Avastin bleibt in zwei Studien unter Erwartung

Roche-CEO Severin Schwan.

Basel – Das Krebsmedikament Avastin des Pharmakonzerns Roche ist in zwei Studien zur Behandlung von Eierstockkrebs offenbar unter den Erwartungen geblieben. Avastin habe das Leben von Patientinnen mit Eierstockkrebs nicht verlängert, das Fortschreiten der Krebserkrankung jedoch für einige Monate verzögert, schreibt «The Wall Street Journal» (WSJ, Ausgabe 30.12.) auf der Basis von im «New England Journal of Medicine» (NEJM) veröffentlichten Studienergebnissen.

Der Pharmakonzern dürfte daher auf der Grundlage von zuvor an Krebskongressen präsentierten Daten bei der US-Gesundheitsbehörde FDA kaum ein Zulassungsgesuch für Avastin bei Eierstockkrebs stellen, heisst es weiter. «Derzeit ist die Wahrscheinlichkeit gering», sagte eine Sprecherin der Roche-Geschäftseinheit Genentech gegenüber «WSJ». «Wir werden weitere Daten erheben», hiess es weiter. Zusätzliche Studiendaten werden gemäss der Sprecherin im kommenden Jahr oder 2013 erwartet.

Breit angelegte Studie
Gemäss «WSJ» habe die eine Studie für Avastin in Kombination mit Chemotherapie eine Verzögerung des Fortschreitens des Eierstockkrebses um einen bis vier Monate gezeigt. Hingegen habe sich keine statistisch relevante Verlängerung des Überlebens ergeben. Die andere Studie habe eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um 1,5 Monate im Vergleich mit der Standardtherapie ergeben. Die Daten der zweiten Studie seien noch nicht definitiv. Im Artikel des NEJM wird für eine Studie mit Avastin bei Eierstockkrebs mit 1’528 Patientinnen aus elf Ländern der Schluss gezogen, dass Avastin das progressionsfreie Überleben verlängert habe. Die Vorteile hinsichtlich progressionsfreies Überleben und Gesamtüberleben seien bei Patientinnen mit einem hohen Risiko für ein Fortschreiten der Krebserkrankung grösser gewesen, so der Artikel weiter.

Das progressionsfreie Überleben betrug gemäss NEJM-Artikel nach 36 Monaten 20,3 Monate bei der Standardtherapie gegenüber von 21,8 Monate mit Avastin und Chemotherapie. Nach 42 Monaten habe das progressionsfreie Überleben mit Standardtherapie bei 22,4 Monaten gelegen bzw. bei 24,1 Monaten bei einer Behandlung mit Avastin und Chemotherapie. Bei Patientinnen mit einem hohen Risiko eines Fortschreitens der Eierstockerkrankung betrug nach 42 Monaten die progressionsfreie Überlebenszeit mit Standardtherapie 14,5 Monate gegenüber von 18,1 Monaten bei einer Behandlung mit Avastin/Chemotherapie; der Medianwert lag bei 28,8 bzw. 36,6 Monaten, ist dem NEJM-Artikel weiter zu entnehmen.

EU-Zulassung seit wenigen Tagen

In Europa hat Avastin in Kombination mit Chemotherapie am 23.12.2011 von der EU-Kommission die Zulassung zur Behandlung von Eierstockkrebs erhalten. Im Details wurde das Krebsmedikament für die Erstlinien-Therapie von neu diagnostiziertem, fortgeschrittenem Eierstockkrebs nach einem chirurgischen Eingriff registriert. (awp/mc/ps)

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