SBB präsentieren Industrieplan für das neue Werk in Bellinzona

Andreas Meyer
SBB-Chef Andreas Meyer. (Copyright: SBB CFF FFS)

Bellinzona – Die SBB haben im Castello Sasso Corbaro in Bellinzona den Industrieplan für ihr neues Werk offiziell vorgestellt. Das „modernste, effizienteste und leistungsstärkste Werk Europas“, das Arbeiten an allen Rollmaterialtypen ausführen kann, wird 2026 eröffnet. Die SBB, der Kanton Tessin und die Stadt Bellinzona investieren 360 Millionen Franken in dieses Projekt.

Gemäss der aktuellen Projektierungsphase wird das neue SBB Werk eine Maximalfläche von rund 145’000 Quadratmetern haben und sich von Norden nach Süden auf über einen Kilometer erstrecken. Zur maximal bebauten Nutzfläche von rund 50’000 Quadratmetern gehört eine Werkhalle mit langen Gleisen. Für die über 200 Meter langen FLIRT- und Giruno-Züge wird es drei 250 Meter lange Gleise geben. Für Projekte sind 6500 Quadratmeter, für die Komponentenbearbeitung über 8000 Quadratmeter und für die Logistik rund 8500 Quadratmeter Fläche vorgesehen. Insgesamt sind bis zu 5500 Meter Gleis und 25 Weichen möglich.

Da sich das Projekt in der Studienphase befindet, wird es noch Änderungen am Projekt geben; diese werden aber weder die Leistung noch die Effizienz des Werks beeinträchtigen. Konkret soll das Projektteam in der aktuellen Planungsphase weitere kreative und wirtschaftliche Anstrengungen unternehmen, um die für das modernste Werks Europas angestrebten Effizienzziele zu erreichen, schreiben die SBB in einer Medienmitteilung.

Flexible und modulare Anlage
Die im neuen Werk geplanten Leistungen stützen sich auf die Digitalisierung und die Automatisierung. Sie sind auf die 29 neuen Giruno-Triebzüge, die ab Dezember 2019 schrittweise auf der Nord-Süd-Achse eingeführt werden, die 50 TILO-Züge, die 19 ETR 610 sowie diverse alte und neue Lokomotiven ausgerichtet. Die Lokomotiven der alten Generation werden noch bis 2035 unterhalten und danach endgültig verschrottet. Weil die Anlage modular und somit flexibel ist, kann sie auch andere Rollmaterialtypen aufnehmen. So ist die Anlage nicht nur SBB intern für die anderen Unterhaltszentren, sondern auch für Drittmärkte geöffnet.

Neben der Fahrzeugflotte sollen auch rund 20 Komponentengruppen und -Untergruppen bearbeitet werden. Dazu gehören Aussentüren und Stromabnehmer sowie Schreiner- oder Polsterarbeiten. In den Jahren 2026 bis 2030 soll die leichte Instandhaltung rund 20 Prozent des Gesamtstundenbetrags ausmachen. Die restlichen Stunden verteilen sich auf die modulare und schwere Instandhaltung, auf Projektarbeiten und auf die Komponentenbearbeitung.

Transformationsphase bis 2026
Bis zur Inbetriebnahme des neuen Werks Castione-Arbedo erfolgt für die Mitarbeitenden des aktuellen Werks in Bellinzona die wichtige Transformationsphase. In dieser Phase muss die SBB die Tätigkeiten im aktuellen Werk weiterführen und dabei ‒ wie in allen übrigen SBB-Werken ‒ die Effizienzziele erreichen. Ein Team von Change-, HR- und Bildungsspezialisten ist für diese Phase zuständig; auch Mitarbeitende und Vertreter der Sozialpartner werden miteinbezogen. Das Team hat die wichtige Aufgabe, die nötigen Profile zu definieren, den Schulungsbedarf zu klären und die Informations- und Kommunikationspläne vorzubereiten, um den Kontakt zwischen allen Beteiligten sicherzustellen. Ab 2023 starten die Ausbildungen der Mitarbeitenden, damit sie das Gelernte gleich praktisch umsetzen können. 2026 startet das neue Werk mit 200 bis 230 Vollzeitstellen.

Ökologisch nachhaltiges Projekt
Gleichzeitig zur Transformationsphase erfolgen die verschiedenen Umsetzungsphasen des Projekts. Die Ende Juni abgeschlossene Studie für die Kompensation der Fruchtfolgeflächen (FFF) identifizierte für die insgesamt 7,4 Hektar grosse Fläche mehr als 8 Hektare Ersatzfläche sowie weitere 5 Hektaren Reserve. Demnächst beginnen die Diskussionen mit den Eigentümern der aus der SBB Studie hervorgegangenen Kompensationsgrundstücken.

Bis 2022 wird das Vorprojekt ausgearbeitet, danach folgen das Plangenehmigungsverfahren sowie der Grundstückerwerb. Die Bauarbeiten für das neue Werk beginnen 2023 und dauern bis 2026; eine schrittweise Teilinbetriebnahme des Gebäudes ab 2025 ist nicht ausgeschlossen. Dank photovoltaischen Zellen wird das neue SBB Werk ökologisch nachhaltig und CO2-neutral. (SBB/mc/pg)

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