Schweizer Handel mit Ägypten seit jeher bescheiden

Ägypten
Dramatische Einbussen haben Reiseziele wie Sharm-el_Sheik in Ägypten zu verzeichnen.

Die meisten Schweizer Touristen in Ägypten halten sich an Badeorten wie Sharm-el-Sheik oder Hurghada auf.

 Kairo – In Ägypten halten die Spannungen zwischen Gegnern und Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi weiterhin an. Dies hat Folgen für die Wirtschaft, den Tourismus und nicht zuletzt auch für die Schweizer Staatsbürger, die im Land der Pharaonen leben. Der Handel mit der Schweiz ist seit jeher bescheiden.

Aktuell sind es 1508 Schweizerinnen und Schweizer, die sich dauerhaft in Ägypten niedergelassen haben, wie das Aussendepartement (EDA) auf Anfrage erklärt. Dazu kommen 213 ausländische Familienangehörige dieser Ausgewanderten. Und bei 893 auf der Online-Plattform Itineris eingeschriebenen Personen besteht die Absicht, das nordafrikanische Land bald zu bereisen. Der Schweizer Touristenstrom schwäche sich im Juli traditionellerweise etwas ab, so das EDA.

Die meisten Touristen befinden sich an Badeorten am Roten Meer
Beim Schweizer Reiseveranstalter Hotelplan etwa sind es derzeit 310 Kunden, die ein ägyptisches Ferienangebot beanspruchen. Sämtliche dieser Personen befinden sich in den Badeorten am Roten Meer, wie Hotelplan-Sprecherin Anja Dobes sagt. Alle rund 300 Gäste der Veranstaltermarken von TUI Suisse (TUI Schöne Ferien, 1-2-FLY, Vögele Reisen, Spinout SportTours), die sich zurzeit mehrheitlich an den Badeorten am Roten Meer befinden, sind wohlauf. Nach Auskunft der Reiseleitung ist es derzeit in den touristischen Regionen am Roten Meer und in Oberägypten (z.B. Luxor, Assuan etc.) ruhig. Die gebuchten Leistungen würden ordnungsgemäss erbracht, teilt TUI Suisse mit. Die Zahl der Umbuchungen oder Stornierungen von gebuchten Reisen könne an einer Hand abgezählt werden.

Nur wenige Stornierungen bei Reiseveranstaltern
Kuoni seinerseits zählt aktuell 190 Ägypten-Reisende in seinen Reihen. Auch sie halten sich laut Sprecher Julian Chan alle in den Feriendestinationen Sharm el Sheikh und Hurghada auf. Reisen in die Hauptstadt Kairo seien abgesagt worden, erklärt Chan weiter. Gleich wie Hotelplan-Sprecherin Dobes gibt er aber an, dass auch bei seinem Reiseanbieter grundsätzlich nur wenige Buchungen storniert wurden.

Was die dauerhaft wohnhaften Schweizerinnen und Schweizer in Ägypten betrifft, so sind laut EDA viele von ihnen zeitweilig ausser Landes gereist. Zum einen hätten sie sich in die Sommerferien verabschiedet, zum anderen seien sie wegen dem am Dienstag beginnenden islamischen Fastenmonat Ramadan ins Ausland gegangen.

Wirtschaftlich Verlangsamung nach Revolution
Wirtschaftlich gesehen hat sich das 85-Millionen-Einwohner-Land in den letzten Jahren ausgesprochen dynamisch entwickelt. Auch ist es Ägypten gelungen, seine Volkswirtschaft zu diversifizieren und aus der Abhängigkeit von einzelnen Sektoren wie etwa dem Tourismus zu lösen. Die Revolution vom 25. Januar 2011 mit dem Sturz des Diktators Hosni Mubarak setzte dieser Entwicklung jedoch ein jähes Ende. Die politischen Veränderungen vor nunmehr knapp zweieinhalb Jahren haben zu einer merkbaren Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivitäten geführt, wie die Schweizer Botschaft in Kairo schreibt.

BIP-Wachstum von 2,2 % – Tourismusbranche leidet
Während das Bruttoinlandprodukt (BIP) von 2009 auf 2010 um beeindruckende 5,1% stieg, wurde zwischen 2011 und 2012 noch ein Wachstum von 2,2% verzeichnet. Insbesondere der Tourismus als wichtigster Devisenquelle des Suez-Kanal-Landes leidet unter der aktuellen Krise.

So sind die Hoffnungen der ägyptischen Tourismusbehörden zuletzt durch die Ereignisse um die Entmachtung Mursis stark gedämpft worden. Dies schmerzt umso mehr, als das Jahr 2013 eigentlich gut begonnen hatte und man möglicherweise auf dem Weg war, sich dem Besucherrekord aus dem Jahr 2010 mit 14 Millionen Touristen wieder anzunähern.

Bescheidenes Handelsvolumen
Der Handel zwischen der Schweiz und Ägypten hält sich derweil auf einem relativ tiefen Niveau, obwohl das Land am Nil nach Südafrika der zweitgrösste afrikanische Abnehmer von Schweizer Exporten ist. Im vergangenen Jahr erreichten die Ausfuhren 657 Mio CHF, 10,7% mehr als 2011. Gleichzeitig importierte die Schweiz Güter im Wert von 53 Mio CHF aus Ägypten. Dies waren 5,7% weniger als im Jahr davor.

Schweizer Unternehmen liefern hauptsächlich Maschinen sowie Chemie- und Pharmaprodukte. Umgekehrt finden vorwiegend Textil-, Öl- und Landwirtschaftserzeugnisse ihren Weg in die Schweiz. (awp/mc/pg)

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