Sika soll Erben 2,25 Mrd CHF bieten

Paul J. Hälg
Sika-VRP Paul J. Hälg. (Foto: Sika)

Sika-VRP Paul J. Hälg. (Foto: Sika)

Baar – Im Streit um die Macht beim Bauchemie-Konzern Sika hat der Verwaltungsrat den Erben der Gründerfamilie Burkard angeboten, deren Aktien zu übernehmen. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte entsprechende Medienberichte.

Es treffe zu, dass der Verwaltungsrat der Familie ein Angebot gemachte habe, sagte Sika-Sprecher Dominik Slappnig. Er bestätigte damit einen Bericht der «SonntagsZeitung». Zur Höhe des Angebots äusserte er sich nicht. Das Angebot umfasse aber eine Prämie, sagte er weiter.

Die «SonntagsZeitung» hatte unter Berufung auf «zwei bestens informierte Quellen» von einem Kaufpreis von 2,25 Mrd CHF berichtet. Das wären 500 Mio weniger als der französische Konzern St-Gobain der Schenker-Winkler-Holding (SWH) bietet, in der die Erben organisiert sind. Die fünf Erben müssten damit auf je auf 100 Mio CHF verzichten.

Dank Sonderprivilegien kontrolliert die Familie Burkard mit einem Kapitalanteil von rund 16% knapp 53% der Stimmen an Sika. Diese Kontrollmehrheit will die Familie an Saint-Gobain verkaufen, wogegen sich der Verwaltungsrat und das Management von Sika wehren. Mit dem Fall beschäftigen sich mittlerweile Gerichte.

SWH: «Nicht akzeptierbar»
Die Besitzer-Familie Burkard hat aber keine Kenntnis von einem angeblichen Alternativvorschlag zum geplanten Deal mit den Franzosen. Doch Angebot hin oder her – die Erben des Firmengründers würden ohnehin nicht Hand zu einer Lösung bieten.

«Es gibt einen bestehenden Vertrag mit Saint-Gobain», erklärte Andreas Durisch, Medienbeauftragter der SWH, gegenüber AWP. Jede Lösung, die Saint-Gobain nicht einschliesse, sei «nicht akzeptierbar». «Es gibt keine Diskussion und keine Verhandlungsmöglichkeiten», betonte der SWH-Sprecher.

Einheitsaktie geplant
Dem Blatt zufolge bietet der Verwaltungsrat der Familie zudem an, vorerst einen Teil der Aktien zu behalten. So könnten die Erben vom voraussichtlichen Kursanstieg profitieren und würden letztlich in der Summe wohl keine Einbusse erfahren.

Gemäss den im Bericht zitierten Insidern wäre die Finanzierung des Kaufpreises kein Problem. Sika verfügte Ende 2015 über flüssige Mittel von fast 899 Mio CHF, der Rest würde über Kredite finanziert. Laut dem fertig ausgestalteten Plan würde Sika in einem zweiten Schritt die Einheitsaktie einführen.

Im dritten Schritt würden die in Einheitsaktien umgewandelten Papiere an der Börse abgestossen oder paketweise an grosse Investoren verkauft. Bereits gebe es Interessenten, so die «Sonntagszeitung».

Aktien gesucht
An der Börse wird die Nachricht wohlwollend aufgenommen: Die Sika-Papiere steigen am Montag bis 09.25 Uhr um 1,2% auf 3386 CHF. Damit folgen die Aktien dem gewohnten Muster, sind sie doch in den letzten Monaten jeweils bei jeder Nachricht gestiegen, die den Verkauf nach Frankreich etwas weniger wahrscheinlich hat erscheinen lassen.

Doch die anfängliche Euphorie hält sich in Grenzen, sind doch die Valoren von ihrem anfänglichen Kursplus von knapp 3% bereits wieder etwas zurückgekommen. Der Grund dafür liegt auf der Hand und wird vom Vontobel-Analyst Christian Arnold auf den Punkt gebracht: «Leider gibt es einen gültigen Vertrag zwischen der Familie und Saint-Gobain.»

Zudem: Die Familie Burkard hätte nicht nur eine tiefere Offerte anzunehmen, sondern sähe sich wohl auch einem Rechtsstreit mit Saint-Gobain ausgesetzt oder müsste eine Strafe zahlen, so Arnold. (awp/mc/upd/ps)

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