SMG Forum: „The right timing“ – nicht zu früh und nicht zu spät agieren

Alice Šáchova
Alice Šáchova, Präsidentin Schweizerische Management Gesellschaft SMG. (Foto: SMG)

Zürich – Einzigartige Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Wirtschaft trafen sich zum 54. Forum der Schweizerischen Management Gesellschaft (SMG). Die Konferenz mit knapp 300 Teilnehmern widmete sich dieses Jahr dem Thema „The right timing“ und hinterfragte, weshalb das richtige Timing über Erfolg und Misserfolg entscheiden kann.

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, zitierte Alice Šáchová, Präsidentin der SMG, den ehemaligen Kreml-Chef Michail Gorbachov. Es gebe Unternehmen wie  Karstadt oder Kodak, welche die Zeichen der Zeit nicht erkannt hatten. Man könne auch zu früh sein, wie die in den Sand gesetzte Milliardeninvention von AT&T zum Bild-Telefon gezeigt hat. Daher gelte es, nicht zu früh und nicht zu spät zu sein. Das richtige Timing ist entscheidend sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben. Es kann Erfolg oder Ruin bringen. Alice Šáchová: „Wir müssen die Vielfalt der Techniken verstehen, ohne die Mitarbeiter auf der Strecke zu lassen.“

Jean-Claude Biver: „Dabei sein, um auch wieder aussteigen zu können“
Jean-Claude Biver ist es auch schon gelungen, stillgelegte und totgeglaubte Marken wie Blancpain und Hublot zu unglaublichen Höhenflügen zu führen. Jetzt setzt er auf die digitale Entwicklung. Die Schweizer Uhrenindustrie habe den Trend der Smartwatches verschlafen, war immer wieder zu lesen. Mit der jüngst lancierten Tag Heuer Connected Modular 45 hat Jean-Claude Biver im Frühjahr erneut einen Geniestreich gelandet und hält der Dominanz des Technologiekonzerns Apple entgegen: „Die Technologie der Smartwatch hat Zukunft. Daran glaube ich. Daher müssen wir unbedingt mitmachen und im Rennen dabei sein. Da sehen wir, wo es hin geht. Wenn es keine Zukunft dafür gibt, können wir wieder aussteigen.“ Biver hat dafür Intel und Google ins Boot geholt  und die einzige Schweizer Digitaluhr zum grössten Erfolg gebracht.

Auf seine Zukunft angesprochen, sagte der 68-jährige Manager: „Das beste, was ich im Leben machen kann, ist das Weitergeben. Wenn das Leben nur für mich war, ist es doch unnütz. In den nächsten 30 Jahren versuche ich daher, so viel wie möglich weiterzugeben.“

Julia Kirby: „Bereit sein für Künstliche Intelligenz“
Fast die Hälfte aller US-Bürger könnten ihren Job aufgrund des technologischen Fortschritts verlieren. Die anwesenden Schweizer Manager zeigten zu den möglichen Konsequenzen auf Schweizer Arbeitsplätze eine etwas positivere Haltung. Durch den beschleunigten Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz (KI) sind viele Bereiche bedroht. Wie sollen wir darauf reagieren? „Aufhalten können wir diese Entwicklung nicht – jedoch unsere Zukunft möglichst mitgestalten“, sagt Julia Kirby, Editor der Harvard Business Review. Die grosse Angst vor Stellenverlust schwächt sie ab: „Auch wenn Jobs verloren gehen, werden neue geschaffen. Wenn Künstliche Intelligenz kommt, ändern sich aber die Ansprüche. Die verschiedenen Ansprüche definieren die neuen Jobs.“ Sie hebt aber auch den Warnfinger: „Wenn die Konkurrenz in künstliche Intelligenz investiert, sollten Manager genauer hinsehen.” Goldman Sachs investiert zum Beispiel konkret in die Künstliche Intelligenz, um bestehende Prozesse zu verbessern, smarter im Business zu werden und den Kunden besser zu dienen.

Daimler vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister
Bisher lag die Existenz von vollautomatisierten Autos und solchen, die ganz ohne Fahrer auskommen, noch in weiter Ferne. Der Daimler-Konzern ist Anfang April eine Entwicklungskooperation mit Bosch eingegangen und gibt Vollgas. Bereits Anfang des kommenden Jahrzehnts könnten solche komplett fahrerlose Systeme marktreif sein.

Die Transformation der Mobilität stellt neben technischen auch grosse Anforderungen im Bereich Recht und Ethik. Daimler führt für das autonome Fahren der Zukunft einen regelmässigen Nachhaltigkeitsdialog, erklärt Renata Jungo Brüngger, Vorstandsmitglied der Daimler AG und dort zuständig für Integrität und Recht: „Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion zum autonomen Fahren und gute gesetzliche Grundlagen. Es müssen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in einem Diskurs einbezogen werden, um eine gute Lösung für die Zukunft zu schaffen.“

Start-up von Yvonne Reichmuth kleidet schon Hollywood-Grössen ein
YVY-Gründerin Yvonne Reichmuth hat in einem komplett übersättigten Markt ihre Chance gefunden. Um sich von der endlosen Zahl von Modellabes abzuheben hat sie einige Erfolgsfaktoren gefunden wie Spezialisierung auf das Material Leder, ein eigener Style mit einem hohen Wiedererkennungswert, die Saisonale Unabhängigkeit und vor allem Celebrity sells: Stars verkaufen immer noch gut. Sie hat Weltstars wie Monica Bellucci, Kristen Stewart, Katy Perry oder Taylor Swift dazu gebracht, ihre Kollektion zu tragen. Dabei hat YVY ein eigener Showroom in Los Angeles stark geholfen. Rückblickend sagt Yvonne Reichmuth: „Das Entwerfen der Kleidungsstücke ist nur ein kleiner Teil der Arbeit. Alles andere lerne ich unterwegs dazu.“

Dabbawala: Wenn Analphabeten 200’000 Menschen täglich Essen ausliefern
Ein Kollektiv von Analphabeten wird zur Inspirationsquelle der Harvard Business School und diversen multinationalen Unternehmen. Dem Kollektiv gelingt es in Mumbai, täglich binnen drei Stunden rund 200’000 Lunchboxen von den jeweiligen Privathaushalten ins Büro zu liefern. Dies pünktlich auf die Minute, mit einer Fehlerquote von weniger als 1:16’000’000 und überhaupt keiner Technologie. Raghunath Medge berichtete über ein einzigartiges Logistik- und Organisationsmodell, welches weltweit für Aufsehen sorgt. Das Erfolgsgeheimnis ist das Gedächtnis der Mitarbeitenden, die bedingungslose Hingabe für den Kunden und die Beteiligung aller Mitarbeitenden am Unternehmen.

Unternehmensnachfolge: Wann ist es Zeit, zu übergeben?
Die Unternehmensnachfolge stellt für alle Entrepreneurs eine der zentralen strategischen Aufgaben überhaupt dar. Erfolgreiche Nachfolgeregelungen sind jedoch nicht nur für das Unternehmen selbst zentral, sondern auch von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Denn gemäss einer Studie der Credit Suisse plane konkret jedes fünfte KMU in der Schweiz eine Unternehmensnachfolge bis zum Jahr 2021. Diese 70’000 bis 80’000 Unternehmen haben mehr als 400’000 Arbeitsplätze, was rund 10 Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz entspricht.

Albert M. Baehny und Franz Julen haben diese Herausforderung schon erfolgreich gemeistert. Julen hat beim Franchise-Unternehmen Intersport, das mit 13 Franchise-Nehmer genossenschaftlich organisiert ist, 17 Jahre an der Spitze gestanden. Er hat anhand von verschiedenen Erlebnissen gespürt, dass es Zeit zum Loslassen ist. „Vor einem solchen Entscheid muss man aufs Herz hören und so das beste für sich und die Firma tun“, sagte Franz Julen. Er machte einen konsequenten Schnitt und verzichte auf das Verwaltungsratspräsidium oder den Beraterstatus.

Albert M. Baehny hat bei Geberit den CEO-Posten mit dem Verwaltungsratspräsidium eingetauscht. Er war sich bewusst, dass seine Zeit von Beginn weg limitiert ist. Für seinen Nachfolger hat er vier Anforderungen definiert – Talent als Basis, offen für Neues, unter Druck gewohnt und ein guter Charakter, der die Geberit-Kultur weiter zu fördern und zu entwickeln. „Wenn man Nachfolge will und den Prozess frühzeitig startet, dann ist es eine schöne Aufgabe“, so Baehny. (SMG/mc/hfu)

Die Schweizerische Management Gesellschaft
Die 1961 aus dem Betriebswirtschaftlichen Institut (BWI) der ETH hervorgegangene Schweizerische Management Gesellschaft (SMG) ist die bedeutendste Vereinigung von über 1200 führenden Entscheidungsträgern der Schweizer Wirtschaft. Durch ihre Netzwerk- und Plattformfunktion dient die SMG im Rahmen ihrer Veranstaltung als Impulsgeberin für Unternehmer, Führungskräfte aus dem C-Level-Management und Verwaltungsräte, die sich mit strategischen und operativen Führungsfragen auseinandersetzen. www.smg.ch

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