Starrag will nach schwachem Semester Kosten weiter senken

Christian Walti
Starrag-CEO Christian Walti. (Foto: Starrag)

Rorschacherberg – Der Werkzeugmaschinen-Hersteller Starrag konnte sich im ersten Halbjahr 2020 der Corona-Krise ebenso wenig entziehen wie andere Unternehmen. So gaben Auftragseingang und Umsatz deutlich nach. Unter dem Strich resultierte nur ein knapp positives Ergebnis. Wegen der weiterhin trüben Aussichten wird nun Personal abgebaut.

Während der Umsatz um knapp 28 Prozent auf 155,4 Millionen Franken nachgab, brach der Auftragseingang gar um knapp die Hälfte auf 88,8 Millionen zusammen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Die zurückhaltende Investitionsbereitschaft der Kunden in allen Abnehmerindustrien habe sich substanziell auf die Neubestellungen ausgewirkt. Und der Umsatz liege wegen der Covid-bedingten Verzögerungen in der Auftragsabwicklung und des tieferen Auftragseingangs 2019 ebenfalls deutlich unter dem Vorjahreswert.

Der Rückgang der Neubestellungen betraf in erster Linie die Marktregion Europa, gefolgt von Asien. Dagegen konnte der Auftragseingang von Kunden aus Nordamerika etwas gesteigert werden. Nach Abnehmerindustrien betrachtet ergab sich der stärkste Rückgang in den beiden mit Abstand bedeutendsten Bereichen Industrial und Aerospace

Weiteres Massnahmenpaket
Der Rückschlag kommt wenig überraschend, hatte doch das Unternehmen Ende März den Verzicht auf die ursprünglich vorgesehene Ausschüttung einer Dividende bekanntgegeben. Ausserdem wurden Massnahmen in Aussicht, um die Kostenstruktur flexibel zu gestalten und sie an die auch in den nächsten Monaten noch erschwerte Auftragsakquisition anzupassen.

Konkret wird nun ein „umfassendes Massnahmenpaket“ zur Senkung der Kosten und weiteren Konzentration auf das Kerngeschäft angekündigt. Um die Kapazitäten möglichst flexibel an die tiefere Nachfrage anzupassen, stünden der Abbau von Zeitkonten und der gezielte Einsatz von Kurzarbeit im Vordergrund, heisst es.

Neben der Auflösung befristeter Arbeitsverhältnisse soll zudem die natürliche Fluktuation genutzt werden. Als Folge dieser und auch bereits früher eingeleiteter Massnahmen werde der Personalbestand Ende 2020 rund 10 Prozent unter dem Vorjahr liegen. Weiter will das Unternehmen auch die Kosten etwa für Messen und Reisen senken.

Sparziel von 20 Millionen
Mit diesem Programm sollen im laufenden Geschäftsjahr zusätzlich insgesamt 20 Millionen Franken eingespart werden, wovon rund 8 Millionen bereits im ersten Halbjahr wirksam wurden. Weiter wurde beschlossen, die fixen Vergütungen des Verwaltungsrats um 20 Prozent und diejenigen der Geschäftsleitung um 10 Prozent und darüber hinaus auch die variablen Entschädigungen zu kürzen.

Der drastische Umsatzrückgang im ersten Halbjahr ist auch an den Gewinnziffern ablesbar. So lag der operative Gewinn (EBIT) mit 0,6 Millionen Franken unter dem bereits geringen Vorjahreswert von 0,9 Millionen Franken. Im Vorjahr wurden allerdings noch Restrukturierungskosten von beinahe 8 Millionen Franken belastet. Das Reinergebnis blieb mit 0,5 Millionen Franken ebenfalls nur knapp über der Gewinnschwelle. Die Bilanz sei aber weiterhin solide und die Nettoverschuldung tief.

Im Ausblick auf das Gesamtjahr 2020 heisst es, dass im Vergleich zum Vorjahr sowohl bei Auftragseingang und Umsatz als auch bei den Ergebnissen wesentlich tiefere Werte zu erwarten seien. Die Erwartungen in den Abnehmerindustrien seien getrübt, was sich auf deren Investitionsneigung auswirke. Dies gelte für alle Bereiche und Regionen. Mit einer Erholung sei aller Voraussicht nach nicht vor 2021 zu rechnen.(awp/mc/pg)

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