Syngenta-VRP bekräftigt Ablehnung der Monsanto-Offerte

Michel Demaré
Michel Demaré. (Screenshot)

Syngenta-VRP Michel Demaré. (Screenshot)

Basel – Der Agrochemiekonzern Syngenta hat am Dienstag seine ablehnende Haltung gegenüber der „unaufgeforderten und unerwünschten“ Übernahmeofferte des US-Rivalen Monsanto bekräftigt. Sie sei nicht im besten Interesse von Syngenta, ihren Aktionären und der Interessengruppen, sagte Verwaltungsrats-Präsident Michel Demaré in einem vom Unternehmen produzierten Video-Interview. Syngenta ist allerdings weiterhin bereit, ein besseres Angebot von Monsanto oder von einem anderen Interessenten zu prüfen.

Der Verwaltungsrat sei einstimmig zum Schluss gekommen, dass das Angebot von Monsanto den Aussichten von Syngenta zu wenig Rechnung trage, wiederholt Demaré in seinem Statement den bekannten Standpunkt. Es unterschätze auch die „signifikanten“ Abwicklungsrisiken sowie den potentiellen substantiellen Schaden für das integrierte Geschäftsmodell von Syngenta.

Monsanto schlage eine sehr komplexe Transaktion vor, die eine „sehr, sehr lange Zeit“ beanspruchen würde – und das ohne Garantie eines Abschlusses. „Somit ist klar, dass es von Seiten des Verwaltungsrates total verantwortungslos wäre, zu den jetzt vorgeschlagenen Bedingungen zu verhandeln“, meint Demaré.

Simplifizierende Einstellung
Bezüglich Antitrust-Bedenken habe Monsanto eine „allzu simplifizierende“ Einstellung, meint Demaré. Denn die Behörden würden heute mehr und mehr ihr Augenmerk auf vertikale Aspekte legen, also auf möglicherweise entstehende Konglomerate. Das würde sich in langwierigen Überprüfungen in vielen Ländern reflektieren, nicht nur in den USA und Europa, sondern auch in China, Brasilien, Russland, Kanada, Indien und anderen Ländern.

Die Untersuchungen dürften daher sehr zeitaufwändig werden und könnten weitere Auflagen nach sich ziehen. Auch eine komplette Zurückweisung der Transaktion liege im Bereich des Möglichen, so Demaré. Die Risiken seien daher real und nicht nur theoretischer Natur. Man habe sich bis dato drei Mal mit Monsanto getroffen und den Amerikanern die Gelegenheit gegeben, mit besseren Lösungsvorschlägen bezüglich Antitrust aufzuwarten. „Aber das haben sie nicht getan“, so Demaré.

Break-up-Gebühr zu tief
Monsanto zufolge dürfte es wahrscheinlich bis zu 18 Monate dauern, alle regulatorischen Zustimmungen zu erhalten. Die neue Gesellschaft wäre somit bestenfalls 2017 operativ. Sollten die Wettbewerbs-Behörden aber die Transaktion abweisen, würde das eine „enorme“ Wertzerstörung für die Syngenta-Aktionäre nach sich ziehen, argumentiert Demaré.

„Wie können wir einerseits mit einem integrierten Angebot für unsere Kunden fortfahren und anderseits genau dieses Angebot weltweit auseinanderbrechen?“, fragt er. Die kommerziellen und organisatorischen Konsequenzen wären „enorm“. Die vorgeschlagene Break-up Gebühr von 2 Mrd USD oder von 20 CHF je Aktie genüge daher „nicht im geringsten“, um dieses Risiko abzudecken.

Aktien-Komponente
Demaré verweist zudem auf die Aktien-Komponente von 55% der Monsanto-Offerte. Syngenta-Aktionäre wären somit künftig abhängig von der Leistung Monsantos und den Fähigkeiten der Amerikaner, ein integriertes Geschäft von Grund auf neu aufzubauen.

Demaré glaubt auch nicht, dass das von Syngenta propagierte integrierte Geschäftsmodell von einem Zusammenschluss mit Monsanto profitieren kann. So sei Syngenta ein „wirklich globales“ Unternehmen mit einem breiten Angebot und auf jedem Kontinent präsent. Im Vergleich dazu sei das Saatgutgeschäft von Monsanto zwar viel grösser, aber gleichzeitig auch viel enger aufgestellt.

Deswegen würde ein Zusammengehen nur in zwei von acht Saatgütern Grössenvorteile bringen, in Maissaatgut und Soja. Und nur auf dem amerikanischen Kontinent, wo Monsanto ihre Stärke habe. „Wir denken, dass es sich bei Monsantos Vorschlag […] nicht um eine wirklich integrierte Strategie handelt“, fügte Demaré an.

Gute Aussichten billig einkaufen
Der Aktienkurs von Syngenta lag vor der Offerte von Monsanto auf einem sehr tiefen Niveau. Demaré spricht von einer „kurzfristigen Belastung“ durch die Währungsschwäche in den Schwellenländern und die tiefen Preise für Mais, Soja und Co. Diese hätten den Aktienkurs „wahrscheinlich etwas unfairerweise“ belastet. Vor allem verwies Demaré auf die „hervorragende“ Pipeline der Basler; der Verwaltungsrat sei „sehr enthusiastisch“ mit Blick auf die Pipeline im Pflanzenschutzportfolio. In Verbindung mit den lancierten Effizienzprogrammen zeigte er sich zuversichtlich, das Wachstumsziel sowie die EBITDA-Margenziele von 24-26% bis 2018 zu erreichen.

„Monsanto will diese guten Aussichten billig kaufen“, warnte Demaré. Und dies zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren, fügte er an. Der Syngenta-Verwaltungsrat sei allerdings weiterhin bereit, ein besseres Angebot von Monsanto oder von einem anderen Interessenten zu prüfen.

Ein „ernsthafter“ Vorschlag zum Kauf von Syngenta müsse aber „zu vollem und fairem Wert“ geschehen und es müsse eine hohe Gewissheit bestehen, dass die Transaktion vollzogen werden könne. Gefordert sei auch eine „volle Kompensation“ für den Fall, dass die Transaktion fehlschlagen sollte.

Plädoyer für Basel
Auch der von Monsanto vorgeschlagenen Verlegung der beiden Hauptsitze nach Grossbritannien kann Demaré nichts abgewinnen. Er sehe keine Vorteile aus einem solchen Schritt. So sei Syngenta doch seit über 250 200 Jahren in Basel ansässig, tief verwurzelt und verfüge über gute Verbindungen zu Behörden und Politik. Syngenta profitiere auch von „sehr kompetitiven“ Steuerraten. Es sei daher „schwer verständlich“, warum ein Set-up in Grossbritannien konkurrenzfähiger sein sollte. (awp/mc/pg)

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