UBS-Ökonomen sehen keine Alternative zur Kooperation mit EU

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Zürich – Die Aussichten für die Schweizer Konjunktur präsentieren sich in den Augen der Ökonomen der UBS in den nächsten Quartalen zwar rosig. Allerdings sehen die Experten auch Wolken am Horizont aufziehen. Sorgen bereiten ihnen vor allem die gescheiterten Verhandlungen über das Rahmenabkommen mit der Europäischen Union (EU).

Unmittelbar erachte er die Auswirkungen des im Mai erfolgten Verhandlungsabbruchs auf die Schweizer Wirtschaft zwar noch als gering. Denn die bereits bestehenden bilateralen Verträge blieben vorerst ja noch in Kraft, sagte Allessandro Bee an einer Telefonkonferenz am Donnerstag zum veröffentlichten «Outlook Schweiz».

Abhängig von Arbeitskräften
Langfristig ortet Bee aber angesichts der Abhängigkeit der Schweiz von der EU bei den Themen Export, Arbeitskräfte und Energie ein grosses Risiko für die hiesige Wirtschaftsentwicklung. Zumal die bilateralen Verträgen mit der Zeit erodieren könnten.

Kopfzerbrechen bereitet Bee insbesondere das Thema Arbeitskräfte. Ohne Arbeitskräfte aus der EU werde die Schweizer Wirtschaft die Herausforderungen, die sich am Arbeitsmarkt aufgrund der Überalterung der Gesellschaft ergeben, nicht meistern können, meinte Bee weiter.

Den hiesigen Energiemarkt wiederum sieht Bee aufgrund des Bekenntnisses zum Netto-Null-Ziel zumindest in einer Übergangsphase und in den Wintermonaten auf signifikante Stromimporte aus der EU angewiesen.

Bei den Exporten rechnet Chefökonom Daniel Kalt zwar in den nächsten Jahren mit einer Abnahme der Abhängigkeit der Schweiz von der EU. Diese bleibe aber der mit Abstand der wichtigste Handelspartner, so Kalt weiter. Eine engen Kooperation mit der EU bleibe somit eine wirtschaftspolitische Priorität.

Inflationsanstieg vorübergehend
Kurzfristig stufen die UBS-Experten die Aussichten der Schweizer Wirtschaft noch rosig ein. Sie werde in den nächsten Quartalen von einem «Post-Corona-Aufschwung» profitieren. Für 2021 rechnen sie wie bis anhin mit einem BIP-Wachstum von 3,4 Prozent und für 2022 mit 3 Prozent.

Den durch Ölpreisanstieg und Lieferengpässe bedingten jüngsten Inflationsanstieg bewertet Kalt nur als «vorübergehend». Die Inflationsraten in der Schweiz dürften gemäss Kalt sowohl 2021 als auch 2022 bei nur gerade 0,4 Prozent liegen. Aufgrund dessen stellen für Kalt Zinserhöhungen der SNB bis mindestens 2024 kein Thema dar. (awp/mc/pg)

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