Zur Rose wartet weiter auf das digitale Rezept in Deutschland

Zur Rose wartet weiter auf das digitale Rezept in Deutschland
Zur Rose-Hauptsitz in Frauenfeld. (Foto: Zur Rose Group)

Steckborn – Die Online-Apotheke Zur Rose ist 2021 tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Vor allem die Kosten zur Vorbereitung auf die Einführung des digitalen Rezepts in Deutschland drückten das Ergebnis. Und die Einführung kam nun nicht wie ursprünglich erwartet zu Beginn des Jahres 2022.

«Die Verschiebung des E-Rezepts war ein schwerer und unerwarteter Schlag für uns», sagte Gruppen-Chef Walter Oberhänsli am Donnerstag vor den Medien. Nicht nur schrieb die Gruppe einen hohen Verlust, sie musste damit auch ihre Zielsetzung nach unten anpassen.

Mit Blick auf die erwartete Einführung des E-Rezepts hatte Zur Rose die Marketing-Ausgaben im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Dazu kamen einmalige Kosten für Akquisitionen und Restrukturierungen, was beim Betriebsergebnis (EBITDA) zu einem Minus von 143 Millionen führte. Der Reinverlust lag gar bei 226 Millionen Franken.

Auf unbestimmt im Warteraum
Die Verluste hatte Zur Rose im Hinblick auf das Wachstum allerdings in Kauf genommen. Schwerer wiegen dürfte also, dass es noch immer keinen genauen Fahrplan zum E-Rezept gibt und Zur Rose in der Folge die bisherigen Finanzziele anpassen musste.

Zwar rechnet das Unternehmen mit einer Einführung noch im laufenden Jahr und Finanzchef Marcel Ziwica zeigte sich vor den Medien zuversichtlich, dass der deutsche Markt für digitale Rezepte noch 2022 an Fahrt gewinnen werde. Im Ausblick ist der Einfluss des E-Rezepts aber wegen der Ungewissheiten nicht enthalten.

Die bisher auf Wachstum ausgelegte Gruppe befindet sich damit nun wie in einem Warteraum: Wegen der Unsicherheiten um das E-Rezept wird für 2022 erstmals seit langem kein Umsatzwachstum erwartet. Zudem wurde die angepeilte Gewinnschwelle beim EBITDA auf 2024, also um ein Jahr nach hinten, verschoben.

Börse sieht derzeit vor allem das Negative
Marktexperten bemängeln denn auch gerade den Ausblick. Der Broker Baader Helvea etwa befürchtet, dass Zur Rose ohne Umsatzwachstum im laufenden Jahr Marktanteile verlieren und sich somit die Ausgangslage im Hinblick auf das E-Rezept verschlechtern könnte.

Zur Rose selbst glaubt aber weiter an eine starke Ausgangslage im Hinblick auf das E-Rezept und hält an den mittelfristigen Zielen fest. CEO Oberhänsli rechnet somit noch immer mit einer Verdoppelung des Umsatzes auf 4 Milliarden Franken in den kommenden Jahren. Allerdings sei ungewiss geworden, wann das Ziel genau erreicht werde.

An der Börse scheinen derzeit aber vor allem die negativen Nachrichten ins Gewicht zu fallen. Bis um 13.25 Uhr verlieren die Zur Rose-Aktien fast 12 Prozent auf rund 114 Franken. Damit knüpfen sie an die zuletzt negative Entwicklung an und die Höchstkurse vom Februar 2021 bei über 500 Franken wirken wie ein ferner Traum. (awp/mc/ps)

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