Schweizer Scale-ups wachsen zu bedeutenden Unternehmen heran, doch das Kapital kommt zunehmend aus dem Ausland

Schweizer Scale-ups wachsen zu bedeutenden Unternehmen heran, doch das Kapital kommt zunehmend aus dem Ausland
Joanne Sieber, CEO Deep Tech Nation (Bild: Deep Tech Nation)

Zürich – Schweizer Scale-ups sind zu einem wichtigen Teil der Schweizer Wirtschaft geworden: Sie schaffen hochqualifizierte Arbeitsplätze, entwickeln innovative Produkte auf der Basis von Spitzenforschung und sind weltweit erfolgreich. Doch mit ihrem Wachstum verlagern sich zunehmend Eigentumsverhältnisse und finanzielle Wertschöpfung ins Ausland. Das zeigt der heute veröffentlichte «Swiss Scale-Up Report 2026».

Die 265 identifizierten Schweizer Scale-ups erreichen zusammen einen geschätzten Gesamtwert von über 26 Milliarden Franken. Aus jungen Startups sind Unternehmen mit wachsender wirtschaftlicher Bedeutung geworden, die Zehntausende Fachkräfte beschäftigen und den Grossteil ihres Umsatzes im Ausland erzielen. Damit entwickeln sich Scale-ups zu einem immer wichtigeren Teil der Schweizer Wirtschaft und zu einem zentralen Motor für Innovation, tief verankert in der hiesigen Wissenschafts- und Technologielandschaft.

Bei der Finanzierung der Wachstumsunternehmen zeigt sich eine deutliche Verschiebung: 2025 stammten nur 13 Prozent des Wachstumskapitals von Schweizer Investoren. Zwischen 2019 und 2022 waren es im Schnitt noch 27 Prozent. Mit dem Kapital verschiebt sich auch das Eigentum: Je wertvoller die Unternehmen werden, desto grösser ist der Anteil des geschaffenen Werts, der im Ausland gehalten wird.

Das sind zentrale Ergebnisse des «Swiss Scale-Up Report 2026», herausgegeben von Deep Tech Nation Switzerland, Swisscom Ventures, SIX Swiss Exchange und startupticker.ch, mit Beiträgen von Swisspreneur und der Swiss Startup Association.

«Scale-ups sind längst keine Nische mehr im Startup-Ökosystem», erklärt Joanne Sieber, CEO von Deep Tech Nation Switzerland. «Sie sind wirtschaftlich hochrelevant, schaffen anspruchsvolle Jobs und verwandeln Schweizer Forschung in globale Unternehmen mit beachtlichem Marktwert. Wir müssen dafür sorgen, dass die Schweiz diese Unternehmen nicht nur aufbaut, sondern auch stärker am finanziellen Erfolg ihres Wachstums teilhat.»

Hochqualifizierte Arbeitsplätze bleiben in der Schweiz verankert

Die 75 in der Studie befragten Scale-ups beschäftigen weltweit rund 6’500 Mitarbeitende, davon etwa 3’700 in der Schweiz. Rund 2’700 Vollzeitstellen entfallen auf Forschung und Entwicklung (F&E). Hochgerechnet auf die Gesamtheit der Schweizer Scale-ups beschäftigen diese rund 18’000 Personen im F&E-Bereich. Eine eindrucksvolle Zahl im Vergleich zu den 59’000 Personen, die in der Schweiz insgesamt im F&E-Bereich tätig sind. Das unterstreicht ihre überproportionale Bedeutung für den Erhalt der Innovationskraft der Schweiz.

Auch wissenschaftlich sind die Unternehmen eng mit der Heimat verbunden: 43 Prozent sind direkte Spin-offs von Schweizer Hochschulen und Forschungsinstituten, 64 Prozent der identifizierten Firmen zählen zum Bereich Deep Tech. Prof. Edouard Bugnion, Vizepräsident für Innovation und Impact an der EPFL, bringt es im Bericht auf den Punkt: «Die nächste Generation Schweizer Scale-ups entsteht im Labor und wächst im Markt.»

Globaler Erfolg, aber zu wenig Schweizer Rendite

Schweizer Scale-ups sind von Beginn an international ausgerichtet. Drei von vier befragten Firmen erwirtschaften den überwiegenden Teil ihres Umsatzes ausserhalb der Landesgrenzen. Rund die Hälfte steigerte den Umsatz zuletzt um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ausländisches Kapital trägt wesentlich zu diesem Erfolg bei. Internationale Investoren bringen Finanzierung, Expertise und globale Netzwerke. Das Problem ist daher nicht ihr Engagement, sondern die geringe Beteiligung Schweizer Investoren.

2025 stellten Schweizer Investoren nur 13 Prozent des Kapitals in späteren Finanzierungsrunden bereit. Das ist auch langfristig relevant, denn Investitionen bestimmen mit, wer finanziell am steigenden Unternehmenswert und an späteren Exits beteiligt ist. Auch die Exit-Pläne sind international: 79 Prozent ziehen eine Übernahme durch einen ausländischen Konzern in Betracht, 39 Prozent durch ein Schweizer Unternehmen. 41 Prozent erwägen einen Börsengang im Ausland, 27 Prozent ein Listing in der Schweiz.

«Die Unternehmen sind gewachsen, die Investoren nicht», betont Alexander Schlaepfer, Managing Partner bei Swisscom Ventures. Der Schweiz fehle es an grossen Wachstumsinvestoren, die Finanzierungsrunden von 50 bis 100 Millionen Franken anführen können. Sieber meint dazu: «Ausländisches Kapital und globale Märkte bleiben unverzichtbar. Niemand will sie ersetzen. Aber wir brauchen mehr Schweizer Kapital an ihrer Seite, damit heimische Anleger, Mitarbeitende und letztlich unsere gesamte Volkswirtschaft vom geschaffenen Wert profitieren.»

Die Hürde liegt im Wachstum, nicht in der Erfindung

Technologie ist laut Studie nicht die grösste Hürde für Schweizer Scale-ups. 60 Prozent nennen Vertrieb und Kundengewinnung als wichtigste operative Herausforderung. Es folgen der Zugang zu Wachstumskapital mit 37 Prozent und besser finanzierte Wettbewerber mit 28 Prozent. 

Besonders anspruchsvoll ist das Skalieren von Hardware. «Man investiert Jahre in Forschung und Entwicklung, Prototypen und Feldtests. Gleichzeitig braucht es viel Kapital, um Produktion und Vertrieb zu skalieren», sagt Dominique Mégret, CEO von Ecorobotix.

Auf politischer Ebene wünschen sich 73 Prozent der Befragten einen einfacheren Zugang für Pensionskassen zu Risikokapitalfonds; keine andere Massnahme wurde häufiger genannt. Das Fazit: Die Schweiz glänzt beim Erfinden, muss aber beim Skalieren zulegen. Es geht darum, neue Kunden zu gewinnen, globale Märkte zu erschliessen und genügend langfristiges Kapital zu sichern, um aus starken Technologien weltweite Marktführer zu machen. (Deep Tech Nation/mc/hfu)


Der «Swiss Scale-Up Report 2026» ist hier in Englisch verfügbar: 
deeptechnation.ch/resources/swiss-scale-up-report-2026/

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