Eine Welt in Papier geschnitten

Eine Welt in Papier geschnitten

Schwyz – Wer erinnert sich nicht an die eigenen Scherenschnittarbeiten, die man als Kind schnipp-schnapp gebastelt hat? Die Ausstellung «Scherenschnitte. Papiers découpés. Silhouette. Paper cuts.» im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz zeigt ab dem 26. Oktober 2013 eine verblüffende Welt aus Papier, welche in präziser Arbeit mit Scheren oder Messerchen geschnitten wurde. Zeitgenössische sowie historische Schnittbilder des 18. bis 20. Jahrhunderts stehen sich in der Ausstellung gegenüber und zeigen die Entwicklung der Scherenschnittkunst auf.

So sind unter anderen auch Werke von Johann Jakob Hauswirth, dem Vater des Scherenschnitts, und Louis David Saugy zu sehen. Durch eine einzigartige Szenografie verwandeln sich die Ausstellungsräume in eine Scherenschnitt-Landschaft. Die installativen Werke des Künstlers Franticek Klossner, die extra für die Ausstellungsräume des Forums Schweizer Geschichte Schwyz konzipiert sind, überführen das Medium des Papierschnittes in eine grossräumliche Dimension. Ergänzt wird die Schau durch Kinder-Scherenschnitte aus dem Archiv der Kinder- und Jugendzeichnung der Stiftung Pestalozzianum. An dem zwischen 1920 und 1961 regelmässig im Pestalozzi-Kalender ausgeschriebenen Wettbewerb haben später bekannte Grafiker, Maler und Scherenschneider teilgenommen. Zum Beispiel Alois Carigiet (1902-1985) oder David Regez (1916-1984), der mit seinen Papierarbeiten 1964 an der Expo und später an internationalen Ausstellungen im Ausland teilnahm.

Am Ende des Rundganges können die Besucherinnen und Besucher auf einem Silhouettierstuhl Platz nehmen und eine Silhouette, den Schattenriss ihres Profils, selber anfertigen oder im Scherenschnitt-Atelier selber zur Schere greifen. Im Mini- Kino bezaubern schliesslich die märchenhaften Silhouettenfilme der Pionierin des Animationsfilms, Lotte Reiniger (1899-1981), das Publikum.

Historische Werke als Inspiration für Wettbewerb
Die 8. Schweizerische Scherenschnitt-Ausstellung im Forum Schweizer Geschichte in Schwyz basiert auf einer Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Verein Freunde des Scherenschnitts und bietet einen Einblick in das aktuelle Schaffen zeitgenössischer Scheren- und Papierschnittkünstler. Im Rahmen eines Wettbewerbes wurden im Jahr 2012 die Mitglieder des Vereins eingeladen, sich von zehn historischen Werken inspirieren zu lassen. Von den 197 eingegangenen Wettbewerbsarbeiten wurden 105 Arbeiten für die Ausstellung ausgewählt. Zeitgenössische und historische Werke stehen sich nun in der Ausstellung gegenüber und veranschaulichen die Entwicklung des modernen Papierschnitts. Einzelne Papierkünstler wagen sich dabei mit ihren Arbeiten ins Räumlich-Dreidimensionale. Andere befassen sich mit klassischen Sujets des ländlichen Scherenschnittes. Beim näheren Betrachten werden die komplexen Feinheiten der Arbeiten erkennbar, wahrlich sind dies handwerkliche Meisterstücke. Die Ausstellung soll einen Beitrag leisten zum besseren Verständnis dieses traditionellen Kunsthandwerkes und zur Würdigung des zeitgenössischen Schaffens. Vom 10. April bis 28. September 2014 wird die Ausstellung im Schweizerischen Nationalmuseum, Château de Prangins zu sehen sein.

Alte Volkskunst und heile Welt
Als Ursprungsgebiet gilt China, wo der Scherenschnitt seit mindestens 2000 Jahren bekannt ist. Das Kunsthandwerk verbreitete sich in Mitteleuropa und somit auch in der Schweiz im 17. Jahrhundert aus. Von Nonnen gefertigte Andachtsbilder und heraldische Schnittbilder stehen am Anfang. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kommt das Silhouetten―Porträt in den Städten in Mode. Gleichzeitig fasst der Scherenschnitt auch in ursprünglichen Gebieten Fuss. Heute sind Scherenschnitte und Schattenrisse auf Gebrauchsgegenständen, als Buchillustrationen und anderen grafischen Produkten nicht mehr wegzudenken – Scherenschnitte gehören zum kulturellen Erbe. Mit ihnen taucht der Betrachter in eine heile, ländliche Welt ein: die häufigsten Motive sind der Alpaufzug, die Blumenwiese, der Reigen, die Herde.

Papier und Technik
Der Begriff Scherenschnitt, der heute noch für alle aus Papier geschnittenen Werke verwendet wird, ist nur bedingt richtig. Die Bezeichnung Papierschnitt oder Schnittbild trifft die Art und Weise der Herstellung besser. Denn viele zeitgenössische Papierschneider arbeiten nicht mehr oder nur teilweise mit der  Schere. Sie verwenden Cutter oder Skalpell und bezeichnen deshalb ihre Arbeiten auch als Cuts oder einfach als Schnitte. (FSGS/mc/hfu)

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