«Im Schweizer Tourismus hat es fünf vor zwölf geschlagen»

Guglielmo L. Brentel

Guglielmo L. Brentel, Präsident hotelleriesuisse. (Foto: hotelleriesuisse)

Brienz – Die Zukunftsoptionen für die alpine Hotellerie in der Schweiz bildeten den thematischen Schwerpunkt beim heutigen Tag der Schweizer Hotellerie in Brienz. Im Beisein von rund 250 Branchenvertretern unterstrich Guglielmo L. Brentel, Präsident hotelleriesuisse, die Bedeutung handlungsfähiger Unternehmen für den Erfolg des Schweizer Tourismus und rief zur verstärkten Kooperation unter den Leistungsträgern auf.

«Im Schweizer Tourismus hat es fünf vor zwölf geschlagen». Mit diesen Worten eröffnete Guglielmo Brentel, Präsident hotelleriesuisse, den 6. Tag der Schweizer Hotellerie in Brienz. Der Ferientourismus in der Schweiz verliere jedes Jahr ein Prozent an Übernachtungen und Anzahl Betrieben – und noch mehr an Wertschöpfung. «Zu lange haben wir die globalen Veränderungen ignoriert und unsere Produkte nicht gebündelt auf neue Märkte ausgerichtet», gab sich Brentel selbstkritisch. Der starke Franken habe viele unvorbereitet getroffen und in die Krise geführt. «Doch die Probleme waren schon vorher da und sind hausgemacht», betonte Brentel.

Zunehmende Bedeutung des Freizeittourismus
Gleichzeitig wies er auf die zunehmende Bedeutung des Freizeittourismus und das Potential für die Berg- und Seegebiete hin. Die damit verbundenen Handlungsfelder hat hotelleriesuisse im heute vorliegenden Positionspapier «Schweizerische Tourismuspolitik – Überlegungen und Positionen von hotelleriesuisse zur Ausrichtung der Tourismuspolitik im Berg- und Seengebiet» zusammengefasst.

Mehr Wertschöpfung dank Kooperation
Die Veränderungen des Reiseverhaltens hin zu mehr Kurzaufenthalten, gepaart mit dem globalen Wettbewerb im Feriengeschäft, stellen hohe Anforderungen an die Tourismusunternehmen. «Die Aufwendungen der Gastgeber nehmen zu, während die Preise bleiben oder gar sinken und der Gewinn erodiert», hielt Brentel fest. Es gelte, differenzierte und wertschöpfungsstarke Angebote zu schaffen. «Klassiker wie Schneesport oder Wandern reichen künftig nicht mehr aus.»

Alternativen mit ähnlicher Wertschöpfung zu finden, stelle allerdings eine grosse Herausforderung dar, welche nur gemeinsam angegangen werden könne. Dabei muss man nicht nur die Vermarktung bündeln, sondern vor allem die touristischen Angebote besser aufeinander abstimmen. «Die Kooperation unter den Hotelbetrieben sowie mit allen Leistungsträgern des Tourismus steigert den Wert des Angebots für den Gast», unterstrich Brentel.

Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative wegweisend
Unterstützung erwartet der oberste Schweizer Hotelier von der Politik. Der Staat solle Anreize für die verstärkte Kooperation schaffen und diese mit einer koordinierten lokalen Infrastrukturplanung zu unterstützen. Zudem soll er mit dem Abbau von unnötigen Regulierungen und Handelshemmnissen die Wettbewerbsverzerrung entschärfen. Wegweisend für die Ferienhotellerie sei die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative. «Das wichtigste ist, dass wir mit einem neuen Gesetz den Strukturwandel nicht behindern. Wenn ein bestehendes Hotel nicht mehr den Marktbedürfnissen entspricht, dann muss es umgenutzt werden können», betonte Brentel. (hotelleriesuisse/mc/pg)

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