Kunsthaus Zürich präsentiert Jahresprogramm 2022

Kunsthaus Zürich präsentiert Jahresprogramm 2022
Niki de Saint Phalle, Bezzola, 1969 (Ausschnitt). (Bild: Kunsthaus Zürich)

Zürich – Mit Niki de Saint Phalle holt das Kunsthaus Zürich 2022 eine der weltweit bekanntesten Künstlerinnen in sein Programm. Yoko Ono und Alexandra Bachzetsis sorgen mit historischen Positionen und zeitgenössischen Performances für Bewegung. Und in einer interdisziplinären Ausstellung, die die Kunstproduktion mehrerer Jahrhunderte überblickt, zeigt das grösste Kunstmuseum der Schweiz, wie verwoben Kunst und Medizin miteinander sind. Hauptattraktion im ersten Jahr nach Eröffnung der Kunsthaus-Erweiterung von David Chipperfield ist die neuartige Präsentation erstklassiger Sammlungen.

In den nächsten 12 Monaten organisieren Christoph Becker und sein Team zehn wechselnde Ausstellungen: Den Auftakt machen zwei Projekte, die bis Februar 2022 laufen, «Walter De Maria. The 2000 Sculpture» und «Earth Beats. Naturbild im Wandel» (bis 6.2.2022). Gleich darauf folgen königliche Leihgaben. Das Programm im Einzelnen:

10.12.21–6.3.22
BAROCKES FEUER. DIE GRAFIK DES GIOVANNI BENEDETTO CASTIGLIONE
Giovanni Benedetto Castiglione verdient einen Ehrenplatz im Olymp der italienischen Zeichner. Wie kaum ein anderer Künstler aus der Barockzeit wirft er seine Kompositionen mit einer atemberaubenden Lässigkeit auf das Papier. Zugleich ist er ein wegweisender Experimentator im Bereich der Druckgrafik. Das von ihm entwickelte Verfahren der Monotypie wurde selbst noch im 19. Jahrhundert von Künstlern wie Edgar Degas oder Paul Gauguin aufgegriffen. Das Kunsthaus Zürich widmet diesem Virtuosen auf Papier nun eine Einzelschau und zeigt ihn unter anderem in Auseinandersetzung mit seinem grossen Vorbild Rembrandt. Herzstück der Ausstellung sind kostbare Blätter aus dem Besitz von Queen Elizabeth II. aus Windsor Castle.

4.3.–29.5.22
YOKO ONO: THIS ROOM MOVES AT THE SAME SPEED AS THE CLOUDS
Yoko Ono (*1933) gehört zu den einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihre Performances und Aktionen der 1960er- und 70er-Jahre haben inzwischen Kultstatus erreicht und laden sich gerade aus heutiger Perspektive mit neuer Aktualität auf. Yoko Ono engagiert sich für Frieden auf der Welt und setzt sich für feministische Anliegen ein. Ideen spielen dabei immer die zentrale Rolle. Mal formuliert sie diese auf spielerisch-humorvolle Weise, mal ganz radikal, dann wiederum sehr poetisch – und einige verwandelt sie in Objekte, andere lässt sie immateriell. Dementsprechend vielfältig ist das künstlerische Werk von Yoko Ono und umfasst Skulpturen, Arbeiten auf Papier, Installationen, Performances, Film und Musik. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von zentralen Werken aus allen Schaffensperioden, mit einem Schwerpunkt auf dem Frühwerk. Yoko Ono ist an der Konzeption der Ausstellung persönlich beteiligt. Ein Rahmenprogramm, bei dem wichtige Performances reinszeniert werden, begleitet die Ausstellung.
Unterstützt von Swiss Re – Partner für zeitgenössische Kunst.

25.3.–1.5.22
ALEXANDRA BACHZETSIS. 2021:OBSCENE
Alexandra Bachzetsis (*1974) ist Choreografin und bildende Künstlerin an der Schnittstelle von Tanz, Performance, bildender Kunst und Theater. Viele ihrer Arbeiten beschäftigen sich mit der Frage, auf welche Weise wir uns Gesten, Ausdrucksweisen, Identifikationsmuster und Fantasien aus der Popkultur aneignen, wenn wir unsere Körper immerzu neu entwerfen und definieren. «2021:Obscene» ist ein neues Werk, das in seiner Museumsversion im Kunsthaus Premiere feiert. Die Künstlerin erforscht darin performativ die Abhängigkeiten zwischen der «Szene» (dem Spielen und dem Inszenieren) und dem «Obszönen». «2021:Obscene» ist sowohl Ausstellung als punktuell auch Live-Performance.

8.4.–17.7.22
TAKE CARE: KUNST UND MEDIZIN
Das Thema Gesundheit nimmt einen zentralen Platz in der öffentlichen Debatte ein. Die Beschäftigung mit dem physischen Befinden ist in der Kunst jedoch so alt wie die Kunst selbst. In ihrer sinnlich-intuitiven Interpretationsfähigkeit kann die Kunst wesentlich dazu beitragen, ineinander verschränkte Systeme wie Körper, Krankheit und Genesung, Medizin und Umweltfaktoren erfahrbar zu machen. Die Ausstellung zeichnet ausgewählte Schlüsselmomente der Medizingeschichte vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach, mit Leihgaben medizin-historischer Sammlungen sowie rund 80 künstlerischen Positionen wie u.a. Sabian Baumann, Rachal Bradley, Georges Chicotot, Honoré Daumier, Adolf Fleischmann, Damien Hirst, Ferdinand Hodler, Martin Kippenberger, Paul Klee, Herlinde Koelbl, Manon, Wangechi Mutu, Maria Pomiansky, Marc Quinn, RELAX (chiarenza & hauser & co), Ana Roldán, Talaya Schmid, Kiki Smith, Veronika Spierenburg, Jules Spinatsch, Annie Sprinkle, Luc Tuymans oder Varlin.

20.5.–14.8.22
RUDOLF KOLLER. DIE SKIZZENBÜCHER
Skizzenbücher sind den Künstlern verlässliche Begleiter. Ihnen vertrauen sie jeden noch so beiläufigen künstlerischen Einfall an. Jetzt zeigt das Kunsthaus einen kostbaren Schatz: 67 Skizzenbücher von Rudolf Koller und damit weit über 4000 Zeichnungen des Schweizer Künstlers. Dieser schier unermessliche Fundus spiegelt nicht nur die Lebensleistung eines begnadeten Zeichners. Er ist auch ein einzigartiges Zeugnis, um die Werk-Genese seiner berühmtesten Gemälde nachvollziehen zu können. Nach einer zweijährigen Phase der Restaurierung und Digitalisierung der Skizzenbücher kann das Publikum in den ursprünglich nur zu persönlichen Zwecken entstandenen Kosmos von Kollers Bildwelt eintauchen.

24.6.–4.9.22
FEDERICO FELLINI. VON DER ZEICHNUNG ZUM FILM
Das Kunsthaus Zürich setzt seine lange Tradition kulturhistorischer Ausstellungen fort, welche die Grenzen des klassischen Kunstverständnisses überwinden. So hat das Publikum immer wieder die Möglichkeit, geniale Persönlichkeiten und deren aussergewöhnliches, für die Kunstgeschichte bedeutsames Erbe im neuen Licht zu entdecken. Nun von Federico Fellini (1920–1993). Obschon der Film zu seiner wichtigsten künstlerischen Ausdrucksform avancierte, blieb Zeichnen das zentrale Instrument seiner kreativen Vorarbeit zu den Filmen, oder wie Fellini selbst beschrieb: «Oft kommt es vor, dass ich während der Vorbereitungszeit Skizzen, Entwürfe und Figuren zeichne […] Diese beiläufigen Ideen sind dann die Wegweiser, nach denen sich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richten: die Bühnenbildner, Kostümbildner, Maskenbildner.» Das produktive Verhältnis von Zeichnung und Film ist Gegenstand dieser Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang, Essen, entsteht.

2.9.22–8.1.23
NIKI DE SAINT PHALLE. DIE RETROSPEKTIVE
In einer umfangreichen Retrospektive mit rund 150 Exponaten wird die aussergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit Niki de Saint Phalle (1930–2002) beleuchtet. Das überaus breite Spektrum ihrer Tätigkeit zeigt sich in Malerei und Zeichnung, in den Assemblagen, Aktionen und grossformatigen Skulpturen, aber auch im Theater, Film und in der Architektur. Ihre Werke schuf die Künstlerin aus der persönlichen Gefühlsverarbeitung wie auch aus einer kritischen Haltung heraus. Damit nahm sie sich sozialer und politischer Themen an, sie hinterfragte Institutionen und Rollenbilder – Auseinandersetzungen, die bis heute ihre Relevanz behalten. Während ihre legendären «Schiessbilder» in provokativen Performances entstanden, zeugen ihre späteren Werke von der Freude am Leben und am Menschen, veranschaulicht in den sinnlichen Nanas wie auch in der transformativen Wirkungskraft ihrer grossen Installationen im öffentlichen Raum. Niki de Saint Phalle war eine populäre Aussenseiterin, deren Formensprache sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt.
Unterstützt von Credit Suisse – Partner Kunsthaus Zürich.

7.10.22–22.1.23
ARISTIDE MAILLOL. DIE SUCHE NACH HARMONIE
Aristide Maillol (1861–1944) – der «Cézanne der Skulptur» – ist nach Auguste Rodin der bedeutendste französische Bildhauer der frühen Moderne. Ein Erneuerer, aber gleichzeitig zeitlos, verkörpert Maillols sinnliche Kunst die Werte der Klarheit und des Gleichgewichts der Formen, was ihn zum Vollender der klassischen Tradition macht. Die Ausstellung ist als Überblicksschau konzipiert, konzentriert sich aber auf die reiche Schaffenszeit vor dem Ersten Weltkrieg, als der Künstler seine wahre Berufung entdeckte und als Bildhauer hervortrat.
150 Werke beleuchten das Schaffen Maillols in all seinen Facetten: Skulptur, Malerei, Tapisserien, Fayencen, Druckgrafiken, Bücher und zahlreiche zauberhafte Zeichnungen. Einige Werke seiner Zeitgenossen Auguste Rodin, Paul Gauguin, Maurice Denis oder Édouard Vuillard ergänzen die Ausstellung und erlauben es, sein Schaffen innerhalb der Geschichte der Skulptur zu verorten.
Die Ausstellung wird organisiert vom Kunsthaus Zürich, den Musées d’Orsay et de l’Orangerie, Paris und La Piscine, Roubaix, in Kooperation mit der Stiftung Dina Vierny-Musée Maillol.

NEUPRÄSENTATION DER SAMMLUNGEN IM ERWEITERTEN KUNSTHAUS
Mit der Eröffnung des Chipperfield-Baus am 9. Oktober 2021 zeigt sich ein neues Sammlungskonzept. Im gesamten erweiterten Kunsthaus brechen thematische Cluster und Interventionsflächen die kanonische Grundpräsentation auf. Sie setzen Akzente zwischen Epochen und Gattungen – bieten Raum für die Werke von Künstlerinnen und Künstlern unserer Zeit, die auf tradierte kunstgeschichtliche Themen Bezug nehmen oder diese herausfordern. Wie beispielsweise die Künstler Kader Attia und Anna Boghiguian mit Beiträgen zum postkolonialen Diskurs in unmittelbarer Nachbarschaft von niederländischen «orientalischen» Werken. Aussereuropäische Kunst ist nun mit Werken der Künstlerinnen Teresa Margolles, Tracey Rose und Lungiswa Gqunta aus Südamerika und Afrika vertreten.
Neben den privaten Sammlungen Emil Bührle, Merzbacher, Looser und Knecht die auf lange Zeit öffentlich werden, zeigt das Kunsthaus die grösste Präsentation bedeutender Werke von Alberto Giacometti – und dies im Kontext von Zeitgenossen wie den Surrealisten und Plastikerinnen der Gegenwart wie Rebecca Warren.
Die nirgends besser dokumentierte Dada-Bewegung repräsentiert mit Werken von Hannah Höch, Hans Arp und anderen Zürichs Beitrag an die Avantgarde zwischen den Weltkriegen. Neue Werke, ein Audioguide mit 400 Positionen – davon 100 für Kinder – neue Räume und Vermittlungsangebote machen den Besuch des erweiterten Kunsthauses deshalb zu einem erlebnisreichen Tagesprogramm. (Kunsthaus Zürich/mc/ps)

Kunsthaus Zürich

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