Zentrum Paul Klee: 100 Jahre Bauhaus – Bern feiert seine Meister und ist Bauhaus-Zentrum der Schweiz

Zentrum Paul Klee: 100 Jahre Bauhaus – Bern feiert seine Meister und ist Bauhaus-Zentrum der Schweiz

Zentrum Paul Klee: 100 Jahre Bauhaus –  Bern feiert seine Meister und ist Bauhaus-Zentrum der Schweiz
Universität Ife (Obafemi Awolowo-Universität), Iffe-Ife, Osun, Nigeria, Ende der 1960er-Jahre (Arieh Sharon Digital Archive, the Yael Aloni Collection)

Bern – Ein bedeutendes Kapitel der Architektur- und Designgeschichte feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Die Berner Johannes Itten und Paul Klee gehörten zu den ersten Bauhaus-Meistern und prägten die 1919 in Weimar gegründete Schule massgeblich mit. Obwohl sie nur 14 Jahre bestand, wirkt die legendäre Schule für Gestaltung weltweit bis in die Gegenwart fort. Mit der Ausstellung bauhaus imaginista wird erstmals die globale Rezeptionsgeschichte des Bauhauses untersucht und eine neue Sicht auf das Bauhaus vermittelt.

bauhaus imaginista verlässt zum hundertjährigen Jubiläum den nationalen Rahmen und versteht die Moderne als ein kosmopolitisches Projekt, das durch transkulturellen Austausch entstanden ist und bis heute weiterwirkt. Bauhäusler/Innen unterhielten Verbindungen in die ganze Welt. Die Ausstellung bauhaus imaginista schlägt eine neue Lesart des Bauhauses als globaler Resonanzraum vor: Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt versteht das Bauhaus als Teil einer Moderne, die aus der Begegnung und dem Austausch verschiedener Kulturen ihre Impulse bezog. Hier ist der Transfer von Ideen keine Geschichte von Einfluss und Wirkung, sondern der internationalen Verflechtung. Dabei geht die Ausstellung den länderübergreifenden Beziehungen, Korrespondenzen und Migrationsgeschichten nach, die auch nach der Schliessung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 andauerten.

Mit der Verortung im internationalen Kontext ähnlich gesinnter Vorhaben diskutiert die Ausstellung bauhaus imaginista auch avantgardistische Kunstschulen in Indien und Japan als Parallelgeschichten moderner Bildungsreformen. Gleichzeitig thematisiert die Ausstellung das Studium vormodernen Handwerks am Bauhaus und von Bauhäusler/Innen im nord- und mittelamerikanischen Exil sowie die Politisierung der Bauhaus-Ideen im postrevolutionären Mexiko und im postkolonialen, unabhängigen Marokko und Brasilien. Die Schau verweist auf Übersetzungen von Gestaltungsansätzen des Bauhauses in China, Nigeria und in der Sowjetunion. Sie zeigt ebenso wie der innovative Gebrauch von Medien am Bauhaus Gegenwartskunst und Popkultur bis heute prägt.

„Man denkt, alles sei über das Bauhaus erzählt worden. Doch diese Ausstellung eröffnet eine völlig neue, überraschende Sicht auf die globalen Verflechtungen der Schule.“
Fabienne Eggelhöfer, Chefkuratorin / Leiterin Sammlung, Ausstellungen, Forschung Zentrum Paul Klee

Die Jubiläumsausstellung im Zentrum Paul Klee besteht aus vier Kapiteln, die in den vergangenen zwei Jahren in unterschiedlichen Formaten wie Ausstellungen, Workshops und Konferenzen in Hangzhou, Kyoto und Tokio, São Paulo, Lagos, Delhi, New York, Moskau, Rabat sowie Berlin erarbeitet wurden. Jedes Kapitel geht von einem konkreten Bauhaus-Objekt aus: dem Bauhaus-Manifest von 1919, einer Werbeanzeige von Marcel Breuer, der Zeichnung Teppich (1927) von Paul Klee und den Reflektorischen Farblichtspielen von Kurt Schwerdtfeger. Diese Objekte sind Ausgangspunkte für spezifische Fragestellungen von bauhaus imaginista, über die transnationale Bezüge, Kontexte und Querverweise zu zeitgenössischen Debatten geschaffen werden.

„Das Bauhaus hat heute, das zeigt auch diese Ausstellung, eine nicht nur internationale, sondern tatsächlich globale Bedeutung. Zugleich dürfen wir darauf stolz sein, dass es entscheidende Schweizer Wurzeln hat – und mit Johannes Itten und Paul Klee gehörten gleich zwei Berner zu den ersten Bauhausmeistern. Mit den beiden Ausstellungen – ‹Johannes Itten. Kunst als Leben› im Kunstmuseum Bern und ‹bauhaus imaginista› im Zentrum Paul Klee zeigen wir hier in Bern die gesamte Spannbreite des Themas im Jubiläumsjahr.“
Nina Zimmer, Direktorin Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee

bauhaus imaginista ist eine Zusammenarbeit zwischen der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, dem Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt, Berlin. Das Forschungsprojekt mit verschiedenen Ausstellungsstationen findet anlässlich des 100-jährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses statt. bauhaus imaginista wurde ermöglicht durch Mittel der Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Kulturstiftung des Bundes unterstützte die Ausstellung in Berlin, das deutsche Auswärtige Amt die Auslandsstationen. Die Ausstellung wurde für das Zentrum Paul Klee erweitert.

Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee wird kuratiert von Marion von Osten, Grant Watson und Fabienne Eggelhöfer.

Publikation
Zur Ausstellung zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus ist eine Publikation auf Deutsch und Englisch erschienen: bauhaus imaginista. Scheidegger & Spiess: Zürich/bauhaus imaginista: A School in the World, London: Thames & Hudson 2019

Zentrum Paul Klee

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