UBS erwartet 2026 tieferes BIP und höhere Inflation
Zürich – Die Ökonomen der UBS haben ihre BIP- und Inflationsprognose für die Schweiz im laufenden und im kommenden Jahr angepasst. Die aktuellen Daten präsentierten sie am Dienstag im Zusammenhang mit einer Unternehmensbefragung zum Thema «Künstliche Intelligenz».
Als Hauptgrund für die Anpassungen nennt UBS-Ökonom Alessandro Bee den Krieg zwischen den USA und dem Iran seit Ende Februar. «Der Konflikt hat dazu geführt, dass der Ölpreis von seinerzeit um die 70 US-Dollar auf 100 bis 110 US-Dollar je Barrel in die Höhe geschnellt ist», so der Ökonom im Gespräch mit Journalisten.
Entsprechend gehen die UBS-Experten für die Schweiz neu von einem sporteventbereinigten BIP-Wachstum von 0,7 Prozent für 2026 aus, nach zuvor prognostizierten 0,9 Prozent. Für das kommende Jahr sind sie neu mit +1,4 Prozent nach zuvor +1,5 Prozent ebenfalls etwas zurückhaltender geworden.
Die Jahresinflation im laufenden Jahr sehen sie unterdessen mit 0,6 Prozent doppelt so hoch wie noch im Februar, als die Schätzung bei 0,3 Prozent lag. Für das kommende Jahr lautet ihre erstmalig abgegebene Prognose ebenfalls 0,6 Prozent.
Warten auf Öffnung der Strasse von Hormus
«Die wichtigste Frage ist: Wann ist die Strasse von Hormus wieder offen, sodass sich die Ölflüsse normalisieren können?», führt Bee weiter aus. Bei der UBS geht man davon aus, dass dies ab dem zweiten Semester eintreten sollte. «Denn US-Präsident Donald Trump steht unter Druck, eine Einigung in dem Konflikt zu finden.» Im Herbst stünden in den USA Kongresswahlen an. Nicht zuletzt deswegen wolle Trump den Preis für Treibstoff wieder nach unten bringen. «Insgesamt erwarten wir, dass dieser Konflikt zwar einen gewissen Schaden anrichtet, dieser aber verkraftbar sein wird.»
Die Folgen dürften sich auch auf das Schweizer Wirtschaftswachstum auswirken, so Bee weiter. In der ersten Jahreshälfte gehe die UBS von einem etwas schwächeren Wachstum aus. «Dies liegt an wenigen erwarteten Impulsen aus den USA und an der Energiekrise in der EU.» Mit dem zweiten Semester sei dann aber vor allem von Seiten der EU dank des deutschen Konjunkturpaketes eine Belebung zu erwarten, die auch das Schweizer BIP anschieben sollte.
Adäquate SNB-Politik
In diesem Szenario erachtet Bee die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank als gerechtfertigt. Daher dürfte die SNB den Leitzins auch nicht ändern – auf jeden Fall bis März 2027. «Wenn sich das Schweizer BIP dann ab 2027 wieder in Richtung Trendwachstum bewegt, werden auch die Direktoriumsmitglieder der SNB über mögliche Zinserhöhungen nachdenken müssen.» Bee erwartet solche Schritte ab dem zweiten Semester.
Mit Blick auf die Währungen dürften sich weder das Dollar/Franken-Paar noch das Euro/Franken-Paar stark von ihren aktuellen Niveaus entfernen. Dies signalisieren die Prognosen für die beiden Währungspaare. (awp/mc/ps)