Global X ETFs: Recycling wird die Rohstoffkrise nicht lösen

Global X ETFs: Recycling wird die Rohstoffkrise nicht lösen
Matt Lodge, Investment Strategist – Global X ETFs. (Foto: zvg)

Recycling soll die Rohstoffversorgung der Energiewende sichern. Doch die strukturellen Defizite auf den Metallmärkten bleiben bestehen. Doch Kupfer und andere Metalle bleiben oft jahrzehntelang gebunden.

von Matt Lodge, Investmentstratege Global X ETFs

Die globalen Rohstoffmärkte stehen unter Druck, und dies aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Geopolitische Spannungen, strukturell steigende Nachfrage und fragile Lieferketten führen dazu, dass einzelne Materialien plötzlich systemrelevant werden. Ein Beispiel dafür ist Schwefelsäure, ein unscheinbarer, aber zentraler Baustein der globalen Metallproduktion.
China hat angekündigt, seine Exporte von Schwefelsäure einzuschränken oder ganz zu stoppen. Die Folgen wären weitreichend: Schwefelsäure ist ein unverzichtbarer Bestandteil bei der Kupfergewinnung. Da ein grosser Teil der globalen Produktion davon abhängt, könnte rund ein Fünftel des weltweiten Angebots unter Druck geraten.

Kupfer ist Rückgrat und Engpass
Die Brisanz dieser Entwicklung wird erst im Kontext der steigenden Nachfrage nach Kupfer deutlich. Das Metall ist zentral für die Elektrifizierung von Wirtschaft und Gesellschaft, von Stromnetzen über Elektrofahrzeuge bis hin zu Rechenzentren. Die weltweite Stromnachfrage wächst strukturell, getrieben durch KI-Infrastruktur, Digitalisierung, industrielle Elektrifizierung und neue Technologien.

Gleichzeitig zeigen Marktdaten, dass die Versorgung zunehmend angespannt ist. Terminmärkte signalisieren steigende Preise in der Zukunft, was auf erwartete Knappheiten hindeutet.
Hinzu kommen reale Angebotsrisiken: Sicherheitsprobleme in Förderländern oder geopolitische Konflikte verzögern Projekte und verschärfen die Lage zusätzlich.

Silber und Aluminium als Alternativen – mit Einschränkungen
Angesichts der wachsenden Knappheit rücken Alternativen in den Fokus. Silber ist der beste elektrische Leiter, bleibt jedoch deutlich teurer und ist schwerer im grossen Massstab einzusetzen. Aluminium wiederum ist nach Silber und Kupfer der drittbeste Leiter und spielt bereits heute eine wichtige Rolle, etwa in Stromnetzen. Doch auch hier steigen die Preise, unter anderem aufgrund von Produktionsausfällen und geopolitischen Risiken.

Die Substitution bleibt daher begrenzt: Technisch möglich, wirtschaftlich jedoch oft anspruchsvoll.

Bergbau und Energie als grosse Gewinner
Steigende Metallpreise kommen vor allem den Produzenten zugute. In Zeiten struktureller Knappheit verbessert sich die Verhandlungsmacht von Bergbauunternehmen und integrierten Rohstoffkonzernen erheblich.

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus auch auf Energierohstoffe. Uran gewinnt an Bedeutung, da die Nachfrage nach zuverlässiger, CO₂-armer Stromerzeugung steigt. Kernenergie wird zunehmend als stabilisierender Faktor in einem System gesehen, das stark von schwankender erneuerbarer Energie geprägt ist.

Auch Lithium bleibt ein Schlüsselrohstoff: Batterien sind unverzichtbar für die Speicherung erneuerbarer Energie und damit für die Stabilität der Stromnetze.

Recycling: Hoffnungsträger mit strukturellen Grenzen
Angesichts dieser Engpässe richtet sich die Aufmerksamkeit auf Recycling. Bereits heute stammt ein bedeutender Teil des Kupferangebots aus sekundären Quellen, etwa ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtproduktion.

Doch die Erwartungen sollten realistisch bleiben. Selbst bei einem deutlichen Ausbau des Recyclings, dies zeigen Analysen, wird dies nicht ausreichen, um die strukturellen Lücken zu schliessen. Der Grund: Kupfer bleibt oft über Jahrzehnte in Gebäuden, Infrastruktur oder Geräten gebunden und steht erst verzögert wieder zur Verfügung.

Zudem ist der Zugang zu zusätzlichem Schrott begrenzt und wird mit steigenden Preisen teilweise sogar schwieriger, da bestehende Systeme länger genutzt werden.

2050 als Wendepunkt
Langfristig könnte Recycling jedoch an Bedeutung gewinnen. Mit der Reifung der Elektrifizierungsinfrastruktur könnte ein grösserer Anteil der verwendeten Materialien in den Kreislauf zurückgeführt werden.

Bis 2050 könnte ein erheblicher Anteil der Rohstoffversorgung aus Recycling stammen – nicht als vollständiger Ersatz, aber als stabilisierender Faktor in einem angespannten Markt.
Die Rohstoffmärkte stehen vor einer paradoxen Situation: Energiewende und Digitalisierung treiben die Nachfrage nach Metallen wie Kupfer, Lithium und Uran, während gleichzeitig das Angebot durch geopolitische Risiken und strukturelle Engpässe eingeschränkt ist.

Schwefelsäure mag in diesem Zusammenhang nur ein kleines Detail sein. Sie ist jedoch ein eindrückliches Beispiel dafür, wie verletzlich globale Lieferketten geworden sind.
Die Zukunft der Rohstoffmärkte wird daher nicht nur von neuen Minen abhängen, sondern auch von Technologie, Recycling und geopolitischer Stabilität. (mc/pg)

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