KKR veröffentlicht den globalen Makro-Ausblick zur Jahresmitte 2026

KKR veröffentlicht den globalen Makro-Ausblick zur Jahresmitte 2026
Henry McVey, CIO von KKRs Unternehmensbilanz und Head of Global Macro and Asset Allocation (GMAA). (Foto: zvg)

New York – Die globale Investmentgesellschaft KKR hat «The Divergence Conundrum» veröffentlicht, den globalen Makro-Ausblick zur Jahresmitte 2026 von Henry McVey, CIO von KKRs Unternehmensbilanz und Head of Global Macro and Asset Allocation (GMAA).

In dem Bericht vertreten McVey und sein Team die Auffassung, dass die Weltwirtschaft weiterhin wächst, dieses Wachstum jedoch zunehmend ungleich verläuft, da die globale Wirtschaft in eine Phase stärkerer Divergenz eintritt. «Der Zyklus ist noch nicht vorbei, aber er wird selektiver», schreibt McVey. Nach Einschätzung des Teams konzentrieren sich die wirtschaftlichen Zugewinne zunehmend auf einzelne Bereiche, was zu einer grösseren Streuung über Regionen, Branchen und Anlageklassen hinweg führt. Mit Verweis auf historische Parallelen zu den 1870er-Jahren, den 1920er-Jahren und den späten 1990er-Jahren argumentieren McVey und sein Team, dass Phasen ausgeprägter Divergenz keineswegs neu sind, die heutige Ausprägung jedoch breiter angelegt sein könnte.

Das Team bezeichnet dieses Umfeld als «Divergenz-Dilemma»: ein Markt- und Makroumfeld, in dem ein breiter angelegter Produktivitätsschub den Konjunkturzyklus verlängert, während geopolitische Fragmentierung, Sorgen um die Energiesicherheit und strategischer Wettbewerb dazu führen, dass die Inflation auf einem strukturell höheren Niveau verharrt. Nach Ansicht des Teams wird diese Kombination die Zentralbanken zunehmend vor Herausforderungen stellen. Denn die Volkswirtschaften entfernen sich vom Effizienzparadigma, das die Zeit vor der Pandemie geprägt hat, und orientieren sich stärker an Resilienz, Redundanz und Kontrolle.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Bericht Anlegern, auf qualitativ hochwertige Anlagen zu setzen, in Vermögenswerte mit Bezug zum nominalen Wirtschaftswachstum zu diversifizieren und gezielt auf Investments mit operativen Wertsteigerungspotenzialen zu fokussieren. Daraus ergeben sich Chancen bei Unternehmensabspaltungen, besicherten Cashflows, Strom- und Energieinfrastruktur sowie bei Anlagen, die vom Thema «Security of Everything» profitieren. Gleichzeitig bleibt das Team zurückhaltender bei Staatsanleihen mit langer Laufzeit, stark fremdfinanzierten Transaktionen aus dem Jahr 2021, Engagements im Bereich der Verbraucher mit geringerem Einkommen sowie bei Vermögenswerten, die von einer Rückkehr zum alten Regime aus niedriger Inflation, niedrigen Zinsen und reichlich verfügbarer Liquidität abhängig sind.

Der Bericht bekräftigt zudem die Überzeugung des Teams hinsichtlich ausgewählter internationaler Märkte, insbesondere Asiens, wo Unternehmensreformen, KI-Infrastruktur und Konsumaufschwung weiterhin zentrale langfristige Themen darstellen. Für Europa vertritt das Team die Ansicht, dass die Region nicht zerfällt, sondern sich zunehmend auseinanderentwickelt. Dabei übertrifft die Peripherie – insbesondere Spanien und Italien – den industriell geprägten Kern Europas, getragen von einer robusten Binnennachfrage, dem Tourismus sowie fiskalisch gestützten Investitionen.

Der Bericht hebt mehrere Entwicklungen hervor, deren Tragweite nach Ansicht von McVey und seinem Team vom Markt bislang unterschätzt wird. Zu den wichtigsten Schlussfolgerungen zählen:

  • Das Thema „Security of Everything“ ist umfassender als ursprünglich angenommen und reicht weit über den Verteidigungssektor hinaus. Es umfasst auch Bereiche wie Ernährung, Wasser, Energie und kritische Ressourcen. Nach Ansicht des Teams wird Sicherheit zunehmend zu einer grundlegenden Handlungsmaxime für CEOs und politische Entscheidungsträger.
  • Die Produktivitätsgewinne durch Künstliche Intelligenz beginnen sich erst 2026 sichtbar auszuwirken. Seit der Pandemie wurden Produktivitätsfortschritte vor allem durch Automatisierung und Digitalisierung im Dienstleistungssektor erzielt. Dies deutet darauf hin, dass der aktuelle Zyklus breiter abgestützt und langlebiger sein könnte als frühere technologiegetriebene Entwicklungsphasen.
  • Die Inflation dürfte ausserhalb Chinas strukturell höher bleiben als allgemein erwartet, da die Güterinflation weniger dämpfend wirkt und geopolitische Schocks häufiger auftreten.
  • Der globale geldpolitische Lockerungszyklus verliert an Dynamik. Bis Ende Mai 2026 erhöhten 10 % der 30 weltweit führenden Zentralbanken die Zinsen, gegenüber 3 % zum Jahresende 2025, während nur noch 40 % die Zinsen senkten.
  • Die Ölpreise dürften sich mittelfristig besser entwickeln, als die Terminmärkte derzeit erwarten. Gründe dafür sind geschrumpfte Puffer, der notwendige Wiederaufbau der Lagerbestände, die disziplinierte Förderpolitik der US-Schieferölindustrie, fiskalische Anreize innerhalb der OPEC+ sowie anhaltende geopolitische Risiken.
  • In diesem Zyklus sind es die Staaten – und nicht Unternehmen oder Konsumenten –, die die höchste Verschuldung aufweisen. Dadurch entwickeln sich Anleihen zunehmend im Gleichschritt mit Aktien, wodurch ihre traditionelle Rolle als Stabilisator im Portfolio an Bedeutung verliert.
  • Die Portfoliokonstruktion wird zu einem immer wichtigeren Renditetreiber. Angesichts der zunehmenden Unterschiede zwischen Märkten, Sektoren und einzelnen Anlagen werden nach Ansicht des Teams die Auswahl der Manager, Diversifikation, Positionsgrössen, Sektorallokation, die Qualität der Vertragsdokumentation sowie ein disziplinierter Umgang mit Renditeanforderungen immer wichtiger.
  • Asien bleibt eine der Regionen, von denen das Team am stärksten überzeugt ist. Unternehmensreformen, Investitionen in KI-Infrastruktur sowie die Aufwertung des Konsums schaffen dort weiterhin attraktive Chancen in den Bereichen Private Equity, Infrastruktur und Unternehmenskredite.
  • Das Team bevorzugt weiterhin Anlagen in den privaten Märkten, bei denen die Wertschöpfung durch operative Verbesserungen und nicht durch finanzielle Hebel entsteht. Dabei hängen die Wertschöpfungspotenziale zunehmend von einer erfolgreichen Umsetzung, guter Unternehmensführung, Produktivitätssteigerungen und höheren Margen ab.

Der Bericht enthält zudem die aktualisierten Einschätzungen des GMAA-Teams zu den globalen Konjunkturaussichten, zur Inflation, zu Zinsen, Währungen, Kapitalmärkten und relativen Bewertungsniveaus. Darüber hinaus geht er auf zentrale Anlegerfragen zur Entwicklung der globalen Anleihemärkte, zu den Renditeaussichten sowie zu Chancen an den Kreditmärkten ein. (KKR/mc)

Zur Person:
Henry H. McVey kam 2011 zu KKR und leitet das Team für Global Macro, Balance Sheet und Risk. Darüber hinaus ist er Chief Investment Officer für die Bilanz des Unternehmens, verantwortet das unternehmensweite Marktrisikomanagement und leitet gemeinsam die Strategic Partnership Initiative von KKR. In diesen Funktionen ist er Mitglied des Global Operating Committee sowie des Risk & Operations Committee. Vor seinem Eintritt bei KKR war McVey Managing Director, Lead Portfolio Manager sowie Leiter der Bereiche Global Macro und Asset Allocation bei Morgan Stanley Investment Management (MSIM). Erfahren Sie hier mehr über Henry H. McVey.

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