Coronavirus-Pandemie trifft europäische Industrie mit Wucht

Coronavirus-Pandemie trifft europäische Industrie mit Wucht
Darstellung von Coronaviren.

Berlin – Die Coronavirus-Pandemie kommt nun auch mit Wucht bei internationalen Flaggschiffen der Industrie an – allen voran Autohersteller und Flugzeugbauer wie Volkswagen und Airbus.

Volkswagen muss nach Unterbrechungen in China jetzt auch auf dem Heimatmarkt die Fertigung in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des neuen Erregers vorübergehend aussetzen. An den allermeisten deutschen Standorten des weltgrössten Autobauers soll am Freitag (20. März) die letzte Schicht laufen – voraussichtlich erst einmal für zwei bis drei Wochen. Die VW -Tochter Audi folgt dem Beispiel der Mutter: Sie fährt ihre Werke bis Ende dieser Woche schrittweise komplett herunter.

Airbus setzt Produktion in Frankreich und Spanien vorübergehend aus
Auch der Flugzeug- und Rüstungskonzern Airbus setzt seine Produktion in Frankreich und Spanien vorübergehend aus, zunächst für vier Tage, teilte das Unternehmen in Toulouse mit. Damit reagiert Airbus auf die von den Regierungen erlassenen Vorschriften wie die gerade verhängte Ausgangssperre in Frankreich. Das Unternehmen will nun schnell neue Sicherheits- und Hygienemassnahmen umsetzen, um die Produktion wieder aufnehmen zu können.

Für den ohnehin angeschlagenen Airbus-Konkurrenten Boeing verschärft sich die Lage: Aufgrund von Mitarbeitern, die mit dem Coronavirus infiziert seien, müssten die Gesundheitsbehörden nun über die weitere Produktion des Flugzeugbauers entscheiden, berichtete das «Wall Street Journal» am Montag (Ortszeit).

Boeing kurz vor Staatshilfe?
Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf Insider, dass Boeing bei der US-Regierung auf kurzfristige Finanzhilfen für sich selbst sowie für Zulieferer und Fluggesellschaften dringe. Der Airbus-Rivale versuche, Entlassungen und Schäden für Hunderte von kleineren Firmen in der Fertigungskette zu vermeiden. Boeing wollte sich zu beiden Berichten auf Nachfrage nicht äussern.

Neben VW und Audi fährt auch Opel die Produktion in seinem Stammwerk Rüsselsheim herunter, in dem der Mittelklassewagen Insignia montiert wird. Das geschehe wie in Eisenach und Kaiserslautern an diesem Dienstag kontrolliert, berichtete ein Unternehmenssprecher. Die rund 2400 Beschäftigten in Rüsselsheim hatten bereits vor der Coronakrise Kurzarbeit, weil sich das Modell nur noch mässig verkauft. Opel spricht derzeit mit den Arbeitnehmern und der Arbeitsagentur über die Ausweitung der Kurzarbeit, hiess es in einer internen Information vom Montag.

Fiat schliesst die meisten Werke in Europa
Der Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) hatte schon am Montag verkündet, das wegen des Ausbruchs des Coronavirus vorübergehend die meisten Werke in Europa geschlossen würden. Davon ist auch die Maserati-Produktion betroffen. In Italien sind bis Ende März sechs Produktionsstätten betroffen, in Serbien und Polen jeweils eine.

Die Opel-Mutter PSA hatte als Gründe für den Produktionsstopp Unterbrechungen in der Zulieferkette und einen deutlichen Rückgang des Absatzes genannt. Betroffen sind auch Standorte in Spanien, Frankreich, Portugal, Grossbritannien und in der Slowakei.

Auch Audi argumentiert neben der deutlich verschlechterten Absatzlage mit einer sich abzeichnenden Unsicherheit der Teileversorgung. VW-Vorstandschef Herbert Diess sagte zudem, es sei nun Priorität, Standorte abzuschalten. Er betonte: «Oberstes Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus so stark wie möglich zu verlangsamen.»

In den vergangenen Tagen hatte es auch in deutschen VW-Fabriken erste bestätigte Fälle von Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus gegeben, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Auch VW geht davon aus, dass man die kommende Zeit insbesondere in Deutschland mit Kurzarbeitergeld überbrücken könne. Hierzu hatte die Bundesregierung kürzlich Erleichterungen auf den Weg gebracht.

Bei VW gab es heftige Kritik, viele Mitarbeiter würden nicht ausreichend informiert und beraten. Die Unterbrechung am Freitag komme zu spät. Es sei nicht einzusehen, warum Kollegen «ohne klare Worte aus dem Management für ein paar hundert Autos mehr eine Ansteckung riskieren sollen, die sie dann womöglich früher oder später nach Hause tragen». (awp/mc/ps)

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