Einmal nach San Francisco – und 5 m2 Arktis-Eis sind weg

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(Foto: Pixabay)

Hamburg – Es ist allseits bekannt, dass eine Flugreise jede persönliche CO2-Bilanz ruiniert. Was das aber faktisch bedeutet, war nur schwer zu vermitteln. Die Ergebnisse einer neuen Studie mit Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Meteorologie erlauben es nun erstmals, den persönlichen Beitrag zur globalen Klimaerwärmung intuitiv zu erfassen. Konkret: die Kohlendioxid-Emissionen auf einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach San Francisco lassen das Meereis in der Arktis etwa 5 m² abschmelzen – pro Sitz.

In den letzten vierzig Jahren hat sich die Fläche des sommerlichen Meereises in der Arktis etwa halbiert, was als eines der deutlichsten Zeichen der globalen Erderwärmung gilt. Das verbliebene Meereis könnte laut Simulationen mit Klimamodellen bei weiter fortschreitender Erderwärmung bis zur Mitte unseres Jahrhunderts ebenfalls verschwunden sein. Allerdings wurde wiederholt gezeigt, dass viele Klimamodelle den Verlust des Meereises unterschätzen, sodass sie möglicherweise nicht die besten Werkzeuge sind, um die zukünftige Entwicklung der Eisbedeckung zu prognostizieren.

Wenn sich der Klimawandel nicht mehr abstrakt anfühlt
Eine neue Studie in der Zeitschrift Science schätzt daher jetzt erstmals die zukünftige Entwicklung des arktischen Meereises zuverlässig direkt aus Beobachtungsdaten ab. Hierfür haben die Autoren den Zusammenhang zwischen der Meereisfläche und dem Ausstoss von Kohlendioxid (CO2) untersucht. «Die Messdaten ergeben dabei einen ganz einfachen, linearen Zusammenhang», erläutert Hauptautor Dirk Notz. «Für jede Tonne CO2, die irgendjemand freisetzt, schwindet das Arktische Sommermeereis um 3 m²». Seine Koautorin Julienne Stroeve ergänzt: «Bisher hat sich der Klimawandel immer irgendwie abstrakt angefühlt. Unsere Ergebnisse stellen dieses Gefühl fundamental in Frage. Wir können jetzt zum Beispiel direkt ausrechnen, dass die Kohlendioxid-Emissionen auf einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach San Francisco pro Sitz etwa 5 m² Meereis in der Arktis abschmelzen lassen.»

Die Studie erklärt auch, warum der Zusammenhang zwischen Treibhausgasemissionen und Meereisverlust linear verläuft: «Vereinfacht ausgedrückt, erwärmt sich pro Tonne Kohlendioxid das globale Klima um ein kleines bisschen. Um diese Erwärmung auszugleichen, bewegt sich der Eisrand des Arktischen Packeises ein kleines Stück in Richtung Nordpol, weil dort die Sonneneinstrahlung schwächer wird. Hierdurch nimmt dann die Eisfläche entsprechend ab. Aus geometrischen Gründen ergeben diese Prozesse den beobachteten, linearen Zusammenhang», erläutert Notz.

2 °C-Erwärmungsziel reicht nicht aus
«Klimamodelle zeigen ebenfalls einen solchen linearen Zusammenhang zwischen Meereisfläche und Kohlendioxid-Ausstoss. Allerdings simulieren sie häufig einen deutlich geringeren Eisverlust pro ausgestossener Tonne CO2. Die Science-Studie zeigt, dass dies vermutlich daran liegt, dass die Modelle die Zunahme der Wärmestrahlung in der Arktis unterschätzen. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Eis vor allem deswegen zu langsam schmilzt, weil sich die Arktis zu wenig erwärmt, und nicht, weil die Eismodelle fundamental falsch sind», sagt Stroeve.

Was die zukünftige Entwicklung angeht, so scheint nach den neuen Ergebnissen das international beschlossene 2 °C-Erwärmungsziel nicht auszureichen, um das Packeis der Arktis im Sommer vor dem Verschwinden zu retten. Aus den Beobachtungsdaten ergibt sich, dass das Eis im September komplett abgeschmolzen ist, sobald noch etwa weitere 1000 Gigatonnen CO2 ausgestossen worden sind. Diese Emissionsgrenze wird häufig auch als realistische Abschätzung für das 2 °C-Erwärmungsziel angenommen. Nur für die deutlich geringeren Emissionen, die die globale Erwärmung wie im Klimaabkommen von Paris gefordert auf 1,5 °C begrenzt, würde das Arktische Meereis auch im Sommer noch existieren können, schliesst die neue Studie. (mc/pg)

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