Raiffeisen-Chefökonom kritisiert Verschärfung der Lex Koller
Bern – Der Immobilienexperte und Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, Fredy Hasenmaile, hält die vom Bundesrat geplante Verschärfung der Lex Koller für ungeeignet zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Die Wirkung der Vorschläge sei «fast null», sagte er in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».
Die geplanten Einschränkungen beim Erwerb von Wohneigentum durch Ausländer würden laut Hasenmaile nur einen kleinen Teil der Transaktionen betreffen. Gemäss einer Analyse von Fahrländer Partner Raumentwicklung würden die Einschränkungen lediglich für rund 2,5 Prozent aller Wohneigentumstransaktionen gelten. Auch die vorgesehene Reduktion der Kontingente für Ferienwohnungen erachtete Hasenmaile als kaum relevant. Diese seien in den vergangenen Jahren nie ausgeschöpft worden, eine Halbierung hätte daher keinen Effekt.
Kritisch äusserte sich Hasenmaile zudem zur geplanten Bewilligungspflicht für ausländische Investoren bei Immobilienfonds. Diese könnte den Börsenhandel faktisch verunmöglichen, denn die Abklärung, ob es sich beim Käufer um einen In- oder einen Ausländer handelt, sei im sekundenschnellen Börsenhandel nicht möglich.
Hindernisse im Bauwesen abbauen
Hasenmaile sieht die Ursachen der Wohnungsnot vor allem im knappen Angebot. Um diese zu lindern, müssten strukturelle Hindernisse im Bauwesen abgebaut werden. «Die Rufe nach einer Dosierung der Zuwanderung sind legitim. Da dies das wirtschaftliche Wachstumspotenzial beeinträchtigen könnte, ist ein solcher Entscheid umstritten», sagte Hasenmaile.
Der Bundesrat will mit der Verschärfung der Lex Koller unter anderem der sogenannten 10-Millionen-Initiative der SVP begegnen und gleichzeitig die Wohnungsnot bekämpfen. (awp/mc/pg)