KI-Boom in Südkorea: Samsung und SK Hynix als Hauptprofiteure
Von James Syme, Senior-Fondsmanager bei J O Hambro
Der KI-getriebene Halbleiterboom in Südkorea schafft einen erheblichen Wirtschaftsboom, doch die daraus entstehenden Gewinner verteilen sich ungleich auf Unternehmen, Branchen und private Haushalte. Die Hauptnutzniesser sind eine kleine Anzahl von Unternehmen, die an kritischen Punkten der KI-Lieferkette positioniert sind, allen voran Samsung Electronics und SK Hynix. Der aktuelle Zyklus verdeutlicht einen breiteren globalen Trend, bei dem die Gewinne aus Kapital schneller steigen als die Arbeitseinkommen. Auch die Erwerbsrenditen sind an sich bereits sehr asymmetrisch.
Unser Engagement in Südkorea konzentriert sich weiterhin auf die direkten Nutzniesser der KI-bezogenen Investitionen, während wir den Grossteil des übrigen koreanischen Marktes deutlich untergewichten. Entsprechend bezieht sich ein Grossteil der Diskussion über künstliche Intelligenz auf die Frage, ob sie Ungleichheit verstärkt und wirtschaftliche Gewinne auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Unternehmen und Einzelpersonen konzentriert. In den Schwellenländern zeigt sich der KI-Boom derzeit jedoch weniger bei den Entwicklern grosser Sprachmodelle als vielmehr entlang der Hardware-Lieferkette, die diese überhaupt erst ermöglicht.
400.000 USD Boni für jeden Samsung Beschäftigten im Halbleitergeschäft
In Südkorea verteilen sich die Gewinnzuwächse des Halbleiterexportbooms ungleich über den Unternehmenssektor. Marktschätzungen zufolge werden die operativen Gewinne von Samsung Electronics und SK Hynix in den kommenden zwei Jahren deutlich steigen, während sich die Gewinnerwartungen für einen Grossteil des übrigen koreanischen Marktes nur moderat verbessert haben. In US-Dollar belief sich der gemeinsame operative Gewinn der beiden Chiphersteller im Jahr 2024 auf 41 Mrd. USD und dürfte den Prognosen zufolge bis 2026 auf 389 Mrd. USD steigen. Für die übrigen 66 Unternehmen des MSCI Korea Index, für die entsprechende Daten vorliegen, lauten die Vergleichswerte 130 Mrd. USD beziehungsweise 138 Mrd. USD. Der KI-Boom gleicht damit weniger einer Entwicklung, von der alle Unternehmen gleichermassen profitieren, als vielmehr einer Verlagerung der Profitabilität auf eine kleine Zahl weltweit wettbewerbsfähiger Unternehmen.
Die Verteilungseffekte reichen über die Unternehmen hinaus bis hin zu den privaten Haushalten. Samsung hat angekündigt, seinen 78.000 Beschäftigten im Halbleitergeschäft Boni von jeweils rund 400.000 USD zu zahlen, nachdem SK Hynix bereits eine ähnliche Vereinbarung getroffen hatte. Von einer vergleichbaren Entwicklung kann bei anderen koreanischen Unternehmen keine Rede sein. Selbst innerhalb von Samsung sollen Beschäftigte ausserhalb des Halbleitergeschäfts Berichten zufolge lediglich rund 4.000 USD pro Person erhalten. Von dem Boom profitieren nicht nur erfolgreiche Unternehmen, sondern vor allem jene Tätigkeiten und Qualifikationen, die unmittelbar mit der KI-bedingten Nachfrage zusammenhängen.
Für Investoren zählt, wo die KI-Wertschöpfung anfällt
Ähnliche Entwicklungen sind zunehmend auch in anderen Ländern zu beobachten. In den USA ist der Anteil der Wirtschaftsleistung, der den Arbeitnehmern zukommt, zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gesunken. In der frühen Phase der KI-Investitionen schienen vor allem Eigentümer von Patenten und Produktionsanlagen sowie Kapitalgeber zu profitieren, während das Lohnwachstum insgesamt schwächer und deutlich ungleichmässiger ausfällt.
Für Investoren ist diese Differenz entscheidend. Ein starkes Wirtschaftswachstum eines Landes bedeutet nicht zwangsläufig ein breit angelegtes Gewinnwachstum der Unternehmen, ebenso wenig wie steigende Unternehmensgewinne automatisch zu höheren Einkommen der privaten Haushalte führen. Aus unserer Sicht lautet die entscheidende Anlagefrage nicht, ob KI Wertschöpfung schafft, sondern wem diese Wertschöpfung zugutekommt. (J O Hambro/mc/ps)