Robert Jakobs Wirtschaftlupe: Börsengänge als Kontraindikator

Robert Jakobs Wirtschaftlupe: Börsengänge als Kontraindikator

Von Robert Jakob

Wenn selbst einer der miesesten Kaufleute der Welt wie Donald Trump einen SPAC auflegt, sollten Börsenprofis alarmiert sein. Die Party könnte bald einmal vorbei sein.

Zumindest für einige. Denn die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel. Nach Daten von Ernst & Young (siehe auch https://www.moneycab.com/finanz/ey-2021-als-rekordjahr-fuer-den-weltweiten-ipo-markt-staerkstes-wachstum-in-europa/) gingen allein zwischen Oktober und Dezember 2021 weltweit 621 Unternehmen an die Börse, ein Sechstel mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen stieg im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode um neun Prozent auf 112 Milliarden US-Dollar. Besonders stark entwickelte sich der US-Markt: Die Zahl der Going-Publics dort stieg 2021 im Vorjahresvergleich um 86 Prozent auf 416, das Emissionsvolumen wuchs um 81 Prozent auf 155,7 Milliarden US-Dollar. Es folgt China mit 122,8 Milliarden US-Dollar.

Börsengänge über sogenannt SPACs (Special Purpose Acquisition Companies) erfreuen sich vor allem seit dem Jahr 2020 grosser Beliebtheit. SPACs sind börsennotierte Mantelgesellschaften, die selbst über keinerlei operatives Geschäft verfügen. Sie bieten aber anderen Unternehmen einen schnellen Weg an die Börse, indem sie mit diesen fusionieren. Einen solchen Übernahmekandidaten zu finden und aufs Parkett zu bringen, ist denn auch ihr einziger Daseinszweck. Ohne zu wissen, welches Unternehmen später übernommen werden soll, schiessen dabei Kapitalgeber Geld ein. Dass das nicht ohne Risiko ist, versteht sich von selbst.

Vergangenes Jahr sammelten allein amerikanische SPACs bei Investoren mehr als 70 Milliarden Dollar ein. Warum die Geldgeber das offensichtlich blinden Auges tun, ist offensichtlich. Sie glauben, dass die Party an den Börsen jetzt erst so richtig abgeht. Billiggeld macht Laune. Seit Jahresbeginn gab es fast tausend SPAC-Listings weltweit. Die meisten dienen – im Gegensatz zu Mergers&Acquisitions oder Private Equity – rein spekulativen Zielen.

Zentrum des SPAC-Booms sind mit weitem Abstand die US-Börsen. Allerdings gab es auch in Frankfurt, Zürich und Amsterdam erste SPAC-Kotierungen. Nach einem kurzen Einbruch der weltweiten Neuzulassungen im Frühjahr 2021 drehte sich das Karussell wieder munter weiter.

Sado-Maso JV
Medienwirksames Highlight des Jahres war Trumps Gegenentwurf zu Twitter und Facebook «Truth Social». Der neue Lügenkanal soll mit Hilfe der Blankogesellschaft Digital World Acquisition Corp. (DWAC) an die Börse gehen. Damit hofft Trump eine Milliarde Startkapital für sein Social-Media-Joint-Venture zu bekommen (Sado-Maso JV oder SMJV wären passender) und zwar über externe Geldgeber. Sie hätten schon zugesagt, posaunt er. Für den Deal soll die Trump Media & Technology Group (TMTG) mit der DWAC fusioniert werden. Wird die neue Firma ein Erfolg, bekommt der Ex-Präsident Millionen an Prämienaktien, die auf dem Papier gleich mehrere Milliarden Dollar wert sein sollen.

Buy The Rumour
Offenbar denken Trumps Kapitalgeber, dass Sie wissen, dass sie Geld verdienen … wenn sie nur schnell genug aussteigen. Genau darin liegt das Problem. Denn die letzten beissen die Hunde.

Wenn die Zahl der IPOs (initial public offerings = Erstkotierungen von Aktien) in die Höhe schnellt, ist das Ende nah. Das war zu Zeiten des Dotcom-Bubbles so und der New Economy, und das wird auch bei der New Monetary Policy so kommen. Nur weiss niemand genau wann. Vorher haben Schaumschläger und Insider Hochkonjunktur. Meist geht es dabei nicht mit rechten Dingen zu.

Bereits vor zwei Monaten hat DWAC ein Auskunftsbegehren der US-Börsenaufsicht SEC und der US-Genehmigungsbehörde FINRA betreffend des Trump-Deals erhalten. Es geht um die Meldepflicht, die für SPACs vorschreibt, dass Gespräche mit potenziellen Zielunternehmen sofort öffentlich gemacht werden müssen und SPACs zum Zeitpunkt ihres eigenen Börsenganges noch keine konkreten Fusionspläne haben dürfen. Der Börsengang von DWAC an der NASDAQ erfolgte aber, als offenbar schon seit einem halben Jahr hintenrum klar war, worum es bei dem Vehikel geht, weshalb sich Frontrunner mit Optionen eindecken konnten. Nach dem «Frontrunning» kommt dann in der Endphase das «Scalping», bei dem die Naiven, die als letztes auf den Zug aufgesprungen sind, ihre Kopfhaut lassen.

The TRUTH is here!
So oder so sollten Anleger auf der Hut sein. Wenn die Casinomentalität ihre Blüten treibt, wird’s gefährlich. Vor allem, wenn wegen der niedrigen Zinsen das Geld so locker sitzt wie jetzt. Da der SOTUS und seine Casinos schon vielen Menschen Unglück gebracht hat, sei es durchs Glückspiel selbst oder durch Anlageverluste seiner Gläubiger aufgrund zahlloser Pleiten und Restrukturierungen, ist der Trump-SPAC der perfekteste aller Kontraindikatoren. Truth Social besteht auch nach Weihnachten aus nichts – ausser heisser Luft in Form einer leeren Webseite und einer Voranmeldung.


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