VP Bank Spotanalyse Fed: Der Ausstieg beginnt

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

Die geldpolitische Wende hat begonnen

Vaduz – Die US-Notenbank Fed beginnt mit der Reduktion der monatlichen Wertpapierkäufe noch im laufenden Monat. Die Verantwortlichen der Fed wissen, dass sie derzeit einen heissen Reifen fahren. Ein geldpolitischer Strategiewechsel tat Not.

Einerseits hat das US-Bruttoinlandprodukt sein Ausgangsniveau vor der Krise wieder überschritten, andererseits haben Inflationsrisiken merklich zugenommen. Die US-Währungshüter sind auch ihren Beschäftigungszielen näher gerückt. Für Notmassnahmen besteht gegenwärtig also keine Notwendigkeit mehr. Es ist deshalb richtig, wenn die Fed das Ende der expansiven Geldpolitik wagt.

Die Fed wird bereits diesen Monat beginnen, das Tempo ihrer Anleihekäufe zu drosseln. Sie werden um USD 15 Mrd. pro Monat reduziert, wovon Staatstitel USD 10 Mrd. und hypothekenbesicherte Wertpapiere USD 5 Mrd. ausmachen. Die Fed behält sich aber vor, in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung das Tapering anzupassen.

Mit ihrer neuen geldpolitischen Strategie toleriert die Fed zwar auch Inflationsraten über 2 %, doch im Durchschnitt sollte sich dennoch eine Teuerungsrate von 2% ergeben. In Anbetracht des jüngsten Teuerungsanstieges – auch unter Herausrechnung der volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise – verschiebt sich der Durchschnitt aber zunehmend über die Marke von 2 %. Auch aus diesem Blickwinkel waren die Währungshüter zum Handeln aufgefordert. Gleichwohl betont die Fed, dass sie die gegenwärtige Phase hoher Inflationsraten als vorübergehend betrachtet.

Die geldpolitische Wende löst an den Finanzmärkten kein Erdbeben aus. Die Fed hat aus dem «Taper Tantrum» des Jahres 2013 gelernt. Die damalige Ankündigung einer Reduktion der monatlichen Wertpapierkäufe hatte die Finanzmärkte auf dem falschen Fuss erwischt.

Es ist darüber hinaus auch bekannt, dass die US-Währungshüter dieses Mal ihre Anleihekäufe merklich schneller einstellen wollen als dies beim letzten Mal der Fall war. Bereits zur Jahresmitte 2022 soll Schluss sein mit den extra Liquiditätsspritzen.

Die zuletzt im September publizierten Projektionen, die die Erwartungen der Mitglieder des geldpolitischen Führungsgremiums der Fed zeigen, sehen bereits für 2022 eine erste Zinserhöhung vor. Dies bedeutet gleichzeitig, dass nur kurze Zeit nach Einstellung der Wertpapierkäufe eine erste Zinserhöhung erfolgen könnte. Damit wäre das Tempo ebenfalls deutlich schneller als nach Beendigung der Anleihekäufe im Oktober 2014. Damals folgte die erste Zinserhöhung erst im Dezember 2015.

Der geplante Weg der Fed ist also gut kommuniziert. Wir rechnen deshalb selbst im Falle von Zinserhöhungen mit keinem Schockmoment für die Finanzmärkte. Erst der effektive Entzug von Liquidität durch eine Bilanzsummenreduktion könnte für nervöseres Treiben sorgen. Davon sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. (VP Bank/mc/ps)

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