VP Bank Spotanalyse: Inflation in der Schweiz legt spürbar zu
Von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank
Druck auf SNB nimmt zu.
Die Inflationsrate in der Schweiz ist im Oktober unerwartet deutlich von 1 % auf 1.5 % gestiegen.
Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt der Handlungsdruck von Monat zu Monat zu. Zwar blieb die Kerninflationsrate unverändert bei 0.5 %. Doch zu einer Inflationsrate von 1.5 % mag der negative Geldmarktsatz nicht passen. Die SNB hinkt der Inflationsentwicklung hinterher.
Die Energiepreise stiegen im Oktober um 16 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Aber auch der Preisauftrieb bei inländischen Gütern nahm im Jahresvergleich um 0.8 % zu. Auch wenn gegenwärtig die Kerninflationsrate noch konstant geblieben ist, ist ein gewisser Inflationsdruck nun auch in der Schweiz vorhanden.
Während und nach der Corona-Pandemie trug der starke Schweizer Franken dazu bei, dass der von aussen kommende Preisdruck gedämpft wurde. Dies ist nicht mehr der Fall. Die Schweiz importiert nun auch Inflation.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung der SNB im Dezember nimmt zu. Zwar können sich die Währungshüter bei ihren Analysen noch darauf stützen, dass unter Herausrechnung der Energie- und Nahrungsmittelpreise kein nennenswerter Preisauftrieb zu verzeichnen ist.
Doch wächst auch in der Schweiz das Risiko von Zweitrundeneffekten. Und unter diesem Blickwinkel gibt es durchaus Handlungsbedarf. Bliebe eine Zinserhöhung im Dezember aus, dürfte eine geldpolitische Straffung im März des kommenden Jahres so gut wie gesetzt sein.