VP Bank Spotanalyse Schweiz: SNB bleibt sich treu

Thomas Gitzel
von Thomas Gitzel, Chief Economist VP Bank. (Foto: VP Bank)

SNB sieht keinen Grund für Anpassung der Geldpolitik

Vaduz – Die geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hat im Vergleich zu den vorangegangenen zumindest etwas Spannung geboten. Zum einen weil es im Lager der Notenbanken zu Bewegung kommt.

Die US-Notenbank Fed steigt aus der expansiven Geldpolitik aus und hat die ersten Zinserhöhungen im kommenden Jahr vor Augen. Und selbst in Kreisen der Europäischen Zentralbank (EZB) spricht man von gestiegenen Inflationsrisiken. Letztere dürfte bald das Auslaufen des Pandemie-bedingten Notfallkaufprogramms im März verkünden.

Daher gab es im Vorfeld der heutigen geldpolitischen Lagebeurteilung eine gewisse Erwartungshaltung hinsichtlich eines angepassten zukünftigen SNB-Kurses. Schliesslich wartet die Schweizer Notenbank mit rekordtiefen Negativzinsen auf.

Sicherlich ist die Inflationsproblematik in der Schweiz nicht dieselbe wie in den USA oder der Eurozone, doch die Inflationsrate lag mit 1.5 % zuletzt immerhin auf einem dreizehnjährigen Hoch. Es stellt sich also in Anbetracht eines Leitzinses von -0.75 % durchaus die Frage nach der Angemessenheit.

Doch die SNB hält unverändert an ihrem Wortlaut fest. Zwar liegt die Inflationsprognose für dieses und nächstes Jahr leicht über der Prognose vom September, doch in der längeren Frist ist die Inflationsprognose praktisch unverändert.

Zum anderen war Spannung geboten, weil sich die SNB zuletzt mit Devisenmarktinterventionen sehr zugeknöpft präsentierte – trotz des starken Frankens gegenüber dem Euro. Es lag also nahe, dass die SNB die Währungsbewertung anders einordnen würde. Aber auch diesbezüglich halten die Währungshüter an ihrer bisherigen Einschätzung fest. Der Franken sei hoch bewertet, heisst es, und man sei nach wie vor zu Devisenmarktinterventionen bereit, um Aufwertungsdruck entgegenzuwirken.

Die SNB bleibt sich also treu. Grosse geldpolitische Veränderungen stehen wohl vorerst nicht an.

Allerdings bleibt eine gewisse Ungereimtheit. Dass die eidgenössische Valuta noch immer als hoch bewertet angesehen wird, steht im Widerspruch zu den nur verhältnismässig geringen Devisenmarktinterventionen in den vergangenen Monaten.

Genaugenommen läuft die SNB Gefahr, mit ihrer Fokussierung auf den Wechselkurs in eine Sackgasse zu geraten. Würden nämlich die Devisenmarktinterventionen hochgefahren, wäre die SNB im gegenwärtigen Umfeld einmal mehr die expansivste Notenbank der Welt.

Die Devisenmarktinterventionen sind in ihrer Wirkung den Wertpapierkäufen der grossen Notenbanken gleichzusetzen. Schon jetzt ist die Bilanzsumme der SNB gemessen am Bruttoinlandprodukt grösser als diejenige der Fed, der EZB und der Bank von Japan. Deshalb stellt sich die berechtigte Frage, ob es nicht an der Zeit ist, den Franken in die Freiheit zu entlassen. (VP Bank/mc/ps)

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