CS-Ökonomen erwarten Leitzinserhöhung um 75 Basispunkte bis im Juni

CS-Ökonomen erwarten Leitzinserhöhung um 75 Basispunkte bis im Juni
Sitz der Schweizerischen Nationalbank in Zürich. (Foto: SNB)

Zürich – Die Ökonomen der Credit Suisse rechnen mit zwei weiteren Zinsschritten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und einem Anstieg des Leitzinses um insgesamt 75 Basispunkte bis Mitte des Jahres. Hintergrund ist vor allem die Inflation, die laut den Schätzungen der Grossbank 2023 im Jahresdurchschnitt höher ausfallen dürfte als bisher erwartet.

Die CS geht daher davon aus, dass die SNB im März den Leitzins um weitere 50 Basispunkte (BP) auf dann 1,5 Prozent anheben wird, wie es in einer am Montag veröffentlichten Studie heisst. Im Juni dürften dann weitere 25 BP auf 1,75 Prozent folgen. Bisher war die CS zwar auch von zwei Zinsschritten ausgegangen, aber von jeweils 25 BP im März und im Juni.

Danach dürfte nach Ansicht der CS aber Schluss sein. Die SNB werde die Zinsen im zweiten Halbjahr 2023 und 2024 unverändert belassen, meinen die Ökonomen der Grossbank. Mit einem Leitzins von 1,75 Prozent sei die Geldpolitik dann zwar nicht besonders restriktiv, heisst es. Daher habe die SNB ab 2024 aber auch nicht den gleichen Spielraum für Zinssenkungen wie andere Zentralbanken.

Inflation sollte mittelfristig deutlich nachgeben
Dass die CS eine etwas straffere Geldpolitik der SNB erwartet als bisher angenommen, hat in erster Linie mit der Inflation zu tun. Die Grossbank hat ihre Prognose für das Gesamtjahr 2023 nämlich auf 1,7 von bisher 1,5 Prozent nach oben korrigiert, auch wenn sie weiterhin von einem baldigen deutlichen Rückgang ausgeht. Die Annahmen der CS-Ökonomen sind damit weiterhin die klar optimistischen in Bezug auf die Inflation. Alle anderen wichtigen Prognoseinstitute rechnen mit 2 Prozent und mehr im nächsten Jahr.

Konkret erwartet die CS wegen der per Anfang 2023 getätigten Strompreiserhöhungen einen Anstieg der Jahresinflation im Januar auf 3,2 Prozent von 2,8 Prozent im Dezember. Danach sollte es aber zu einem deutlichen Rückgang kommen, wobei die CS bereits im Laufe des zweiten Quartals wieder Werte unter 2 Prozent erwartet.

Der Beitrag der Erdölpreise zur Gesamtinflation sei zurückgegangen und werde wahrscheinlich weiter sinken, so die CS. Zudem dürfte die Warenpreisinflation ihren Höhepunkt ebenfalls erreicht haben. Weiter hätten sich auch die Lieferkettenprobleme entspannt. Und auch die Anzeichen für Zweitrundeneffekte wie etwa höhere Löhne und Inputkosten hielten sich bisher in Grenzen.

Höhere Mieten führen zu mehr Inflation
Ein zu beachtender Faktor sind allerdings die Mieten. Sie dürften wegen der erwarteten Erhöhung des Referenzzinssatzes im November steigen. Eine Erhöhung des Referenzsatzes um 0,25 Prozentpunkte erlaubt es den Vermietern, die Mieten um bis zu 3 Prozent zu erhöhen. Daher erwartet die CS nun im vierten Quartal 2023 auch wieder eine höhere Inflation.

Für 2024 sei dann zwar eine weitere Erhöhung des Referenzsatzes zu erwarten. Ihre Auswirkung auf die Inflation sei aber relativ bescheiden. Daher bleibe die Inflationsprognose für 2024 unverändert bei 1,0 Prozent.

Devisenabbau im Hintergrund
Die CS-Ökonomen äussern sich in ihrem Papier auch zur Strategie der SNB. Das wichtigste Instrument der hiesigen Notenbanker für die Geldpolitik sei der Leitzins und nicht der Abbau ihrer hohen Bilanz, heisst es. Daher werde die SNB auch keinen Fahrplan zu möglichen Fremdwährungsverkäufen bekanntgeben, denn dies würde ihre Flexibilität einschränken.

Gemäss den Schätzungen der CS hat die Nationalbank im November Devisen für schätzungsweise 10,6 Milliarden Franken nach rund 13,3 Milliarden im Oktober verkauft. Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank will im März damit anfangen, die Bestände einiger ihrer Wertpapiere monatlich um 15 Milliarden Euro abzubauen. Allerdings ist Bilanz der EZB rund 10 Mal grösser als die der SNB.

Die CS erwartet daher, dass die SNB weiterhin «still und leise» Devisenreserven verkaufen und dabei die Interventionsbeträge an die Wechselkursentwicklung anpassen wird. Einem zunehmenden Abwertungsdruck des Frankens werde sie dabei wohl mit grösseren Devisenverkäufen begegnen. (awp/mc/pg)

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