Fünf Thesen der St. Galler Kantonalbank für das Anlagejahr 2019

Thomas Stucki
Von Thomas Stucki, Chief Investment Officer bei der St.Galler Kantonalbank. (Foto: SGKB)

St. Gallen – Das laufende Jahr bot Anlegern einmal mehr nervenaufreibende Wendungen. Zwar war die konjunkturelle Entwicklung in den USA und Europa über erwarten stark. Doch die Unsicherheiten aus Politik dies- und jenseits des Atlantiks sowie die laufende Normalisierung der Geldpolitik lösten regelmässig Schockwellen an den Finanzmärkten aus.

Die Aktienmärkte schwankten 2018 heftiger als in den vergangenen Jahren und die Handelstage mit Verlusten über 2% haben sich gehäuft. Aufgrund der hohen Ansprüche an Profitabilität und Wachstum der Unternehmen führten schon leicht tiefer als erwartete Ergebnisse zu heftigen Kursabschlägen. Trotz der guten Konjunkturentwicklung blieben die Aktienmärkte weltweit in einer breiten Handelspanne gefangen. Die Anleger dürften, sofern Sie die Nerven behielten, bis Ende Jahr aber mit einem blauen Auge davongekommen sein.

„Die Entwicklung der Wechselkurse entsprach unseren Erwartungen“, sagte Thomas Stucki, Chief Investment Officer der St.Galler Kantonalbank. „Der US-Dollar wurde von der guten US-Konjunktur und einer restriktiveren US-Geldpolitik unterstützt. Gleichzeitig wurde der Euro etwas schwächer. Schuld daran dürften die Zurückhaltung der EZB, rascher von der ultraexpansiven Geldpolitik abzukehren, und die Schuldenkrise in Italien sein.“

Fünf Thesen für das Anlagejahr 2019

These 1: Konjunktureller Wendepunkt ist erreicht – der Abschwung kündigt sich an.
Die US-Wirtschaft lief 2018 auf Hochtouren und bis auf einige Ausnahmen befand sich die Weltwirtschaft in einem synchronen Aufschwung. Zwar wird sie im kommenden Jahr nicht in eine Rezession schlittern, aber die Wachstumsdynamik wird spürbar nachlassen. Die Schweizer Wirtschaft wird ebenfalls wachsen, allerdings unter den gleichen Vorzeichen. Eine kraftlose Expansion in der Eurozone und eine globale Konjunkturabschwächung werden der Schweizer Exportwirtschaft zusetzen. Die Phase des Aufschwungs wird auslaufen und wir werden uns an wieder an ein tieferes BIP-Wachstum gewöhnen müssen.

These 2: Wachstumspause in China.
Chinas Wirtschaft ist seit Jahren im Umbruch. Die chinesische Regierung will das Reich der Mitte von seiner starken Exportabhängigkeit emanzipieren. Chinas Konsum und Dienstleistungssektor soll wachsen. Dieser strukturelle Wandel kostet kurzfristig Wachstumspunkte. Ebenfalls hat der Handelsdisput Chinas mit den USA die Schwächen der zweitgrössten Volkswirtschaft offenbart. Im kommenden Jahr wird Chinas Glanz weiter verblassen, weil die Wachstumsraten noch einmal sinken werden. Es ist mit einem Wachstum von nur noch leicht über 6% zu rechnen.

These 3: SNB erhöht die Zinsen – erstmals seit 10 Jahren.
2019 wird die SNB zum ersten Mal seit zehn Jahren an der Zinsschraube drehen. Weil die SNB weiterhin den Wechselkurs EUR/CHF im Auge hat, wird sie erst nach der EZB im Herbst den Leitzins erhöhen. Weil sie langsam vorgehen wird, bleibt das Zinsniveau in der Schweiz am kurzen Ende auch 2019 negativ. Denn nur so kann die SNB eine negative Zinsdifferenz zum Euro halten.

These 4: Euro wird zum Franken schwächer.
Die Eurozone wird 2019 mit politischen Unsicherheiten zu ringen haben. Besonders prominent ist Italien, dessen Staatsschulden weiter ansteigen werden. Das wird unter den Anlegerinnen und Anlegern grosse Unsicherheit auslösen und wird den Euro, die Fieberkurve des Vertrauens in die Eurozone, belasten. Auch die konjunkturelle Abkühlung wird den Euro unter Abgabedruck setzen. Vor allem gegenüber dem Franken wird er darum schwächer tendieren. Die erwarteten Zinserhöhungen durch die EZB wirken hier lediglich dämpfend, den Rückgang können sie nicht verhindern.

These 5: Schleichender Rückgang der Aktienmärkte.
Die Erwartungen sind hoch, doch die Konjunktur kühlt sich ab. Die Unternehmen werden ihre guten Ergebnisse von 2018 im neuen Jahr nicht wiederholen können, auch weil die Margen sinken und die Produktionskosten, insbesondere die Löhne, ansteigen werden. Auch die expansive Geldpolitik als Markttreiber fällt weg. Für einen ausgewachsenen Crash wie während der Finanzkrise fehlen die Grundlagen, die schwächeren Aussichten werden sich schleichend in einer rückläufigen Entwicklung an den Aktienmärkten zeigen.

Anlagestrategie für den Start ins Jahr 2019
Obligationen: Die Obligationen werden untergewichtet. Sie sind zwar wegen der tiefen Renditen und der Aussicht auf eher steigende als fallende Zinsen nicht attraktiv, aber als Performancestabilisator im Portfolio nötig. Aus diesem Grund besteht der Hauptteil aus Franken-Anleihen mit einer guten Kreditqualität. Weil die Kreditrisikoprämien im Zuge einer schwächeren Konjunktur und wegen steigender Zinsen höhere tendieren, hält die St.Galler Kantonalbank keine High Yield-Obligationen in den Portfolios mehr.

Aktien: Auf Ebene Regionen wird ein Übergewicht bei amerikanischen und Schweizer Aktien umgesetzt. Die St.Galler Kantonalbank rechnet mit einem guten Start ins neue Jahr an den Aktienmärkten. Der schwächere Konjunkturgang wird sich erst im Laufe des 2. und 3. Quartals auswirken.

Rohwaren: Der Goldpreis wird seitwärts tendieren. Vor allem die Erwartung steigender US-Zinsen und kaum Sorge vor stark steigender Inflation nehmen dem Goldpreis die Preisfantasie. Die St.Galler Kantonalbank hält kein Gold in ihren Portfolios. Für den Ölpreis ist die St.Galler Kantonalbank positiv gestimmt.

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