Michael Männlin, Jud & Partner Vermögensverwaltungs AG (JPV)

Michael Männlin, Jud & Partner Vermögensverwaltungs AG (JPV)

 Michael Männlin, Jud & Partner Vermögensverwaltungs AG (JPV).

Von INVESTORY

INVESTORY: Die Börsen haben dieses Jahr teilweise kräftig zugelegt der SMI +23,23 % der DAX +12,07 % und der ATX +3,9 %. Welche Themen, Branchen oder Regionen haben aus Ihrer Sicht noch Potential?

Michael Männlin: Wir glauben, dass globale Aktien – unter der Berücksichtigung von periodischen technischen Korrekturen – weiteres Kurspotential haben. In erster Linie dürfte die hohe Liquiditätsversorgung der Notenbanken, insbesondere in den USA und Japan und möglicherweise im 2 . Halbjahr verstärkt auch durch die EZB die Finanzmärkte stützen. Darüber hinaus glauben wir, dass Umschichtungen aus den Obligationen in die Aktienmärkte erst begonnen haben. Dieser Trend kann einige Jahre andauern. Nicht zuletzt begünstigt das anhaltend niedrige Zinsumfeld die Aktienmärkte.

«Sollte das globale Wirtschaftswachstum wieder anziehen, werden Firmen aus dem deutschsprachigen Mittelstand überdurchschnittlich profitieren.» Michael Männlin, Jud & Partner Vermögensverwaltungs AG (JPV)

Bislang haben sich die aktiven Investoren auf grosskapitalisierte Blue Chips konzentriert. Wir glauben, dass die zweite Kategorie von Unternehmen, also Firmen aus dem deutschsprachigen Mittelstand zukünftig noch mehr Beachtung bei Investoren finden werden. Diese Unternehmen sind hervorragend positioniert, verfügen über hochqualitative und innovative Produkte und haben sich oftmals eine führende Nischenposition am Weltmarkt erobern können. Ausserdem sind zahlreiche Familienunternehmen bereits seit langem in den Emerging Markets präsent und bereits etabliert. Sollte das globale Wirtschaftswachstum wieder anziehen, werden diese Unternehmen überdurchschnittlich profitieren.

Wie entwickeln sich Mittelstandsunternehmen im Vergleich zu den grossen Blue Chips in den vergangenen Jahren?

Während die mittelgrossen Unternehmen aus den etablierten Märkten, wie z.B. Deutschland, Schweiz oder den USA in praktisch allen verglichenen Zeiträumen auf Indexbasis besser als die grosskapitalisierten Unternehmen abgeschnitten haben, war es in den Emerging Markets genau umgekehrt.

Was sind die Vor- und was sind die Nachteile von börsenkotierten Mittelstandsunternehmen?

Vorteile: An den Börsen notierte Mittelstandsunternehmen kommen in der Regel einfacher an benötigtes Investitionskapital, sie verfügen über eine hohe Innovationskraft und Kreativität, sind sehr kunden- und serviceorientiert und sind in der Lage schnell und flexibel auf Marktänderungen zu reagieren. Die Mitarbeiter identifizieren sich im allgemeinen stark mit dem Unternehmen, sind motiviert und können teilweise am Erfolg partizipieren.

Nachteile: Die Liquidität am Markt ist oft gering, da die Familien über die Mehrheit der Aktien verfügen. Wo dies nicht der Fall ist können (feindliche) Übernahmen das Unternehmen gefährden.

«Relativ zur Gesamtzahl an Unternehmen sind auch in Österreich und der Schweiz eine grosse Anzahl zu den führenden globalen Unternehmen zu zählen.»

Sie haben den Aktienmix aus Mittelstandsunternehmen in einem Aktienkorb mit Emittent Notenstein Privatbank zusammengesetzt. Nach welchen Kriterien haben Sie die 20 darin befindlichen Unternehmen selektiert?

Bei der Selektion der Unternehmen haben wir einen „Bottom up“ Ansatz verfolgt mit Kriterien, wie beispielsweise die Positionierung der Firma am Markt, die Qualität der angebotenen Produkte und Technologie, die Finanzstärke (Eigenkapital, Verschuldung, Investitionsbedarf, Cash Flow, Krisenmanagement, usw.) sowie die zukünftige Strategie im globalen Kontext. In der „Top-down“ Analyse haben wir die Branchendiversifikation, Risikogewichtung und Liquiditätsanforderungen berücksichtigt. Die geographische Selektion stützt sich auf Untersuchungen von Professor Hermann Simon und einer Mittelstandsstudie von GE Capital Research. Dort werden insbesondere die Stärken der Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum analysiert. So sind 55% dieser „Hidden Champions“ in Deutschland angesiedelt relativ zur Gesamtzahl an Unternehmen sind auch in Österreich und der Schweiz eine grosse Anzahl zu den führenden globalen Unternehmen zu zählen. Die berühmte Exportstärke der deutschen Industrie stützt sich zu 40% auf mittelständische Unternehmen. Interessant ist auch, dass 70% der Weltmarktführer Familienunternehmen sind, welche nicht börsennotiert sind.

Welche neuen Erkenntnisse lieferte die erwähnte Studie von GE Capital Research?

Der Basket konzentriert sich auf den deutschsprachigen Raum, weil der überwiegende Teil der verborgenen „Champions“ aus dieser Region stammt, insgesamt 1533 von global 2700 Unternehmen. Zudem haben sich diese Unternehmen in jüngster Zeit krisenresistenter gezeigt, als ihre Konkurrenten ausserhalb dieser Länder.

In diesem Basket befinden sich bekannte Namen wie beispielsweise Henkel. Wie wird der Begriff Mittelstandsunternehmen genau definiert?

Wir haben uns dabei an der Definition in der Studie von GE Capital orientiert. Diese definiert den Mittelstand an der Umsatzgrösse, die zwischen 20 Millionen und einer Milliarde Euro liegt. Henkel hat deutlich mehr, fällt aber unter unsere zweite Klassifizierung: Henkel ist ein Familienunternehmen.

«Interessant ist auch, dass 70% der Weltmarktführer Familienunternehmen sind, welche nicht börsennotiert sind.»

Sie waren unter anderem als Fondsmanager für globale Aktien und Osteuropa/Russland Funds bei der Credit Suisse und der UBP und sind heute als Senior Portfolio Manager für JPV in Zürich tätig. Sie haben die Firmen nicht nur auf dem Papier analysiert sondern besuchen diese auch vor Ort und kennen die Eigentümer persönlich. Welche Unternehmen aus diesem Basket haben Sie besucht und eine besondere Beziehung?

Besonders lange verfolge ich Unternehmen, wie beispielsweise Andritz, Rosenbauer, Palfinger, Fuchs Petrolub oder auch Patrizia. Regelmässige Treffen mit dem Management und Unternehmensbesichtigungen sind wichtig, um sich ein Bild von den Produkten und deren Entwicklung und Positionierung im globalen Kontext zu machen. Interessant ist auch ein Vergleich zu Unternehmen, beispielsweise aus Russland, wo ich in den vergangenen 20 Jahren regelmässig Gelegenheit hatte, vom Maschinenbaukonzern bis zur Kohleproduktion mir vor Ort ein Bild zu machen.

Der Gesprächspartner:
Michael Männlin, Senior Portfolio Manager von Jud und Partner Vermögensverwaltungs AG in Zürich wurde am 22. Mai 2013 interviewt.

Der im Interview erwähnte Aktienbasket mit dem SIX-Symbol „FAMILY“ ist aktuell in Zeichnung und wird am 31. Mai 2013 liberiert. Anmerkung von INVESTORY: Die Entwicklung der „Hidden Champions“ von JPV wird zudem als Portfolio auf INVESTORY nachgebildet und kann auf https://investory.eu mitverfolgt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.