Erholung der deutschen Industrie gerät ins Stocken

Erholung der deutschen Industrie gerät ins Stocken
(Bild: Eisenhans / AdobeStock)

Wiesbaden – Die deutsche Industrie hat sich den dritten Monat in Folge von dem drastischen Produktionseinbruch in der Corona-Krise erholt. Der Anstieg im Juli fiel aber deutlich schwächer als erwartet aus. Im verarbeitenden Gewerbe habe die Fertigung im Monatsvergleich um 1,2 Prozent zugelegt, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten hingegen mit einem Zuwachs um 4,5 Prozent gerechnet. Nach dem historischen Konjunktureinbruch im zweiten Quartal rechnen Volkswirte unverändert mit einer starken Erholung im dritten Quartal.

Allerdings sind die Produktionsdaten aus dem Juli „schon eine ziemliche Enttäuschung“, kommentierte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Der Anstieg sei deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Die Erholung der Industrie kommt ins Stocken“, kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank die Produktionsdaten.

Der Anstieg im Juni war jedoch stärker als bisher bekannt ausgefallen. Das Bundesamt revidierte den Produktionszuwachs im Monatsvergleich auf 9,3 Prozent nach oben, nachdem zuvor nur ein Anstieg um 8,9 Prozent gemeldet worden war. In den Monaten März und April war die Produktion wegen der Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie massiv gefallen. Seitdem konnte ein Teil des Einbruchs wettgemacht werden.

Krise wiegt noch immer schwer
Dass die Krise immer noch schwer wiegt, zeigt der Jahresvergleich. Gegenüber dem Vorjahresmonat war die Gesamtherstellung im Juli um 10,0 Prozent rückläufig. Das Vorkrisenniveau wird immer noch klar unterschritten: Gegenüber Februar, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen, liegt die Gesamtproduktion 10,8 Prozent tiefer.

Nach Einschätzung des Experten Gitzel sind immerhin die Daten aus der deutschen Autoindustrie „erfreulich“ ausgefallen. In der grössten Branche des Verarbeitenden Gewerbes ist die Produktion im Juli um 6,9 Prozent zum Vormonat angestiegen. Sie liegt aber nach Angaben des Bundesamts noch gut 15 Prozent unter dem Wert vom Februar.

„Kräftiges Wachstum“ in Q3 erwartet
Trotz des enttäuschend schwachen Produktionsanstiegs rechnet der Chefvolkswirt der VP Bank weiter mit einem „kräftigen Wachstum“ der Gesamtwirtschaft im dritten Quartal. Zwar seien die Verbraucher und Konsumenten nach wie vor verunsichert, was den Konsum und die Investitionen belaste. Dagegen sorge die starke konjunkturelle Erholung beim wichtigen Handelspartner China für einen Hoffnungsschimmer. „Die deutschen Unternehmen können zumindest auf Bestellungen aus Asien setzen“, sagte Gitzel.

Nach seinen jüngsten Verlusten im Zuge der Kurseinbrüche in New York ist der Dax am Morgen mit Gewinnen in die neue Woche gestartet. Der Leitindex stieg nach Veröffentlichung der Produktionsdaten im frühen Handel um 1,03 Prozent auf 12 974,44 Punkte. (awp/mc/pg)

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