Rassismus in der Schweiz: O tempora, o mo(h)res.

Rassismus in der Schweiz: O tempora, o mo(h)res.

Rassismus darf in der Schweiz keinen Platz haben. Punkt. Dafür haben wir auch die gesetzlichen Grundlagen geschaffen. Rassistische Äusserungen und Handlungen können und müssen verfolgt und bestraft werden. Was die Migros und jetzt auch Volg mit dem Traditionshaus Dubler – dem Hersteller der bekannten und offensichtlich beliebten “Mohrenköpfe” – veranstalten, ist jedoch heuchlerisch, populistisch und durch eine kleine Minderheit betriebene Meinungsdiktatur.

Von Helmuth Fuchs

Weder ist der Produzent ein Rassist, noch sein Produkt rassistisch. Wer immer es mag, kann es kaufen, wer es nicht mag, kann es sein lassen. Auf den Tweet einer offensichtlichen Nichtkundin der Süssspeise, die ihren Twitteraccount inzwischen gelöscht hat, entscheidet die Migros, Dublers Produkt aus dem Angebot zu nehmen. Dies gegen den Willen all ihrer KundInnen, welche das Produkt mögen und mit grosser Mehrheit gegen das Vorgehen der Migros und ebenso offensichtlich nicht einfach alles RassistInnen sind.

Alle Abstimmungen zum Thema in den Schweizer Medien (Tagesanzeiger, Blick), so wie auch die Kommentarspalten, zum Beispiel bei der NZZ, zeigen ein klares Bild des Unverständnisses und Ärgers über das Vorgehen der Migros. In dieser Frage beweist die Bevölkerung offensichtlich mehr Fingerspitzengefühl als der orange Riese.

Gegen Rassismus und gegen heuchlerisches Zeitgeistgeschwurbel
“Mohr” stammt vom lateinischen “maurus” – Bewohner von Mauretanien in Nordafrika, wurde also lange vor für Kolonialzeit verwendet und hat sich im Deutschen Sprachgebrauch für dunkelhäutige Menschen etabliert, bevor es wieder aus der Mode kam. Geblieben ist es in Büchern, Theaterstücken, Wappen, oder eben bei Produkten. Was kommt als nächstes? Völlige Verbannung des Wortes Mohr aus allen Büchern, Schauspielstücken, Geschichtsdokumenten, Wappen, Namen?

Es gibt einen eindeutigen Bedarf, gegen Rassismus vorzugehen. Und damit meine ich den Rassismus, der Menschen nur schon wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert, ihre soziale Stellung beeinträchtigt, sie zum Ziel von staatlichen oder privaten Übergriffen oder Benachteiligungen macht.

Hier am Traditionshaus Dubler ein Exempel statuieren zu wollen dient der Sache mit Sicherheit nicht, schadet aber einem Unternehmen und seinen Mitarbeitenden. Vielleicht sollte die Migros wieder mal an die Traditionswerte ihres Gründers denken, anstatt jede Populismuswelle reiten zu wollen.

Wenn wir wegen jeglicher Überempfindlichkeit gleich die Rassismuskeule schwingen, verliert sie schnell dort, wo es wirklich angebracht wäre, ihre Wirkung. Die Migros schädigt hier mit ihrem populistischen Marketingschwank einen Traditionshersteller und nimmt in Kauf, dass eine notwendige Diskussion entwertet wird durch Trivialisierung. Falls jemand mit Mohrenkopf beschimpft wird, kann er das heute problemlos einklagen. Das hat aber nichts mit dem Produkt zu tun oder dem Hersteller Dubler. Dieselben Überempfindlichkeiten kämen dann zum Tragen bei einer Umbennenung zu Schoggikopf (dann muss Schokolade verboten werden?). Nein zu Rassismus, aber genau so Nein zu heuchlerischem Zeitgeistgeschwurbel à la Migros.


“O tempora, o mores” (Oh Zeiten, oh Sitten). Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.) aus seinen Schriften Catilina, 1, 1, 2. Damit beklagt er den Verfall der Sitten. Und natürlich auch ohne das r als “o tempo’a, o mo’es” vom numidischen Piraten bei Asterix.

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