Christian Wulff soll Bundespräsident werden

Der 50 Jahre alte Wulff soll dem am Montag überraschend zurückgetretenen Horst Köhler nachfolgen – er wäre das jüngste Staatsoberhaupt der Bundesrepublik. Merkel sagte, Wulff werde ein «wunderbarer zukünfiger Bundespräsident» sein. Sie freue sich sehr über seine Bereitschaft, dieses Amt zu übernehmen.


Parteichefs voll des Lobes
Wulff sei ein Mensch, «der immer neugierig ist, der kreativ ist, der auf die Menschen zugeht», sagte die Kanzlerin. Er sei gleichzeitig «einem Wertesystem verhaftet, das auch Orientierung gibt». FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, Wulff habe «einen klaren inneren Kompass». Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer sagte, Wulff habe als Ministerpräsident von Niedersachsen «sehr Hervorragendes» geleistet.


Die zunächst als Favoritin geltende Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ging leer aus. Gegen von der Leyen sprachen Widerstände in der Union und das Problem, die Arbeitsministerin zu ersetzen. Wulff steht in den Augen vieler Koalitionäre für Schwarz-Gelb und hat politische Erfahrung.


Opposition schickt Gauck ins Rennen
Die Opposition kündigte einen Gegenkandidaten an: SPD und Grüne wollen den Ex-Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Joachim Gauck, ins Rennen um das Präsidentenamt schicken. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier zeigte sich enttäuscht, dass es keinen Kandidaten gibt, den alle Parteien akzeptiert hätten. «Das ist nicht nur schlechter Stil, sondern es dokumentiert im Grunde genommen auch eine Niederlage von Frau Merkel selbst.»


Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte den «Stuttgarter Nachrichten», Gauck sei auch ein Angebot an die Koalition, «von einer parteipolitisch motivierten Kandidatur abzusehen». Die Grünen-Parteichefs Claudia Roth und Cem Özdemir kritisierten, Wulff stehe nicht für einen Neuanfang. «Bundeskanzlerin Merkel hat die Chance vertan, auf die ernste Situation mit einer allseits respektierten Persönlichkeit an der Staatsspitze zu antworten.»


Linke will eigenen Kandidaten präsentieren
Die Linke-Vorsitzenden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch wollen den Parteigremien einen eigenen Kandidaten vorschlagen, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Parteikreisen erfuhr. Ein Name wurde noch nicht genannt. Die Linke lehnt Gauck ebenso ab wie Wulff.


Überraschender Rücktritt
Der neue Präsident soll am 30. Juni von der Bundesversammlung gewählt werden. Sie besteht aus 622 Bundestagsabgeordneten und 622 Ländervertretern. Schwarz-Gelb hat dort eine satte Mehrheit von mindestens 21 Stimmen. Köhler wird gut zwei Wochen nach seinem sofortigen Rücktritt am 15. Juni feierlich verabschiedet. Der 67-Jährige hatte am Montag völlig unerwartet das höchste Staatsamt nach sechs Jahren aufgegeben – nach eigener Aussage wegen Kritik an missverständlichen Formulierungen zum Bundeswehreinsatz im Ausland. (awp/mc/pg/01)

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