EU-Verlauf: Schwach – Deutliche Verluste bei Rohstoff- und Finanzwerten

Nach der Seitwärtsbewegung der vergangenen Tage suche der Markt eine klare Richtung, sagte ein Händler. Aktuell sehe es nach einem Ausbruch nach unten aus. Ein Marktstratege verwies auf die geringe Berechenbarkeit der Konjunkturlage i kommenden Jahr. Dies sorge einmal mehr für Unsicherheit.


Besonders deutlich fielen die Abschläge bei Rohstoffwerten und Finanztiteln aus. Pharmapapiere und Telekomaktien hielten sich dagegen im Schnitt mit leichten Verlusten vergleichsweise stabil. Stahltitel von ArcelorMittal markierten mit minus 4,69 Prozent auf 23,785 Euro das Ende des EuroSTOXX. Im «Footsie» führten Vedanta sehr schwache Minenwerte mit einem Abschlag von 6,77 Prozent auf 1.555 Pence an. Anteile von TOTAL litten mit minus 2,03 Prozent auf 40,75 Euro unter nachgebenden Kursen für Rohöl.


Unter den Bankentiteln ragten Lloyds Banking Group heraus, die 7,25 Prozent auf 61,375 Pence verloren. Barclays sanken um 2,54 Prozent auf 277,625 Pence. Die britische Grossbank verhandelt mit dem US-Vermögensverwalter BlackRock über den Verkauf der eigenen Vermögensverwaltungs-Tochter Barclays Global Investors (BGI). UBS-Aktien verbilligten sich um 1,40 Prozent auf 14,80 Schweizer Franken. Der Geldabfluss des Finanzinstituts hält Aussagen des Verwaltungsrats Bruno Gehrigweiter in der Presse zufolge an. Die UBS sei «noch nicht über den Berg», wird Gehrig zitiert. Fortis sackten in Amsterdam wegen eines Rechtsstreits um die jetzt zum niederländischen Staat gehörende Tochter Fortis Capital um 9,46 Prozent ab auf 2,345 Euro.


Vivendi verloren nach einer negativen Studie der UBS 4,42 Prozent auf 17,75 Euro. Analyst Polo Tang senkte das Votum für Papiere des Medien- und Telekomkonzerns von «Neutral» auf «Sell» und schraubte das Kursziel von 19,00 auf 16,00 Euro zurück. Es gebe mehr Risiken, als die Anleger wohl dachten, so Tang. Ein Markteintritt von Illiad könnte die Profitabilität im französischen Mobilfunkmarkt destabilisieren. Die Gewinnerwartungen vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) des Marktes für die Vivendi-Tochter SFR könnten deutlich zu hoch sein. Seine längerfristigen Gewinnprognosen senkte der Experte um 14 Prozent.


Bouygues litten mit minus 3,79 Prozent auf 27,185 Euro ebenfalls unter einer negativen Studie. Hier startete die UBS die Einstufung der Papiere des Mischkonzerns mit «Sell» und einem Kursziel von 25,00 Euro. Die Aktie sei angesichts ihrer Risiken nicht gerade günstig, begründete Analyst Nick Lyall sein Votum. Die Margen im ersten Quartal seien schwach gewesen, es drohten weitere Prognosesenkungen am Markt.


Aktien von Air France-KLM rutschten um 3,18 Prozent auf 10,495 Euro ab. Nach der Flugzeugkatastrophe über dem Atlantik beschleunigt die Fluggesellschaft inzwischen ein Programm zum Austausch von Geräten zur Druck- und Geschwindigkeitsmessung. Nach Angaben von Air France hatte die EADS-Tochter Airbus bereits 2007 empfohlen, die Sonden an Maschinen des Typs A320 auszutauschen, weil es zu Funktionsstörungen kommen könnte. Zudem revidierte der Luftfahrt-Weltverband IATA seine Verlustprognose bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes in Kuala Lumpur drastisch: Er erwartet jetzt ein Minus von neun Milliarden Dollar für 2009. Bislang ging er von 4,7 Milliarden Dollar Verlusten aus.


Dagegen zogen Novartis gegen den Markttrend um 0,98 Prozent auf 43,18 Franken an. Der Schweizer Pharmakonzern erzielte mit dem Medikament Afinitor (Everolimus) in einer Phase-II-Studie positive Ergebnisse bei der Behandlung von Patienten mit rückfälligem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und bei der Hodgkin-Krankheit. Auf Basis dieser Studienresultate und nach weiteren Ergebnissen aus frühklinischen Untersuchungen wurden laut Unternehmensangaben nun Phase-III-Tests lanciert. (awp/mc/ps/17)

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