Oerlikon will nach Margenrückgang im Vorjahr beweglicher werden

Roland Fischer
Oerlikon-CEO Roland Fischer. (Foto: Oerlikon)

Zürich – Das Industrieunternehmen Oerlikon will sich an die verändernden Marktbedingungen anpassen und für die Zukunft wappnen. 2019 waren Umsatz und Betriebsgewinn rückläufig und das Reinergebnis wies durch Einmaleffekte einen Verlust aus. Die Aktionäre profitieren trotzdem erneut von einer Sonderdividende.

„Die Unsicherheiten im Marktumfeld werden weiter bestehen bleiben“, sagte CEO Roland Fischer am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. „Wir positionieren uns für die Zukunft. Dazu gehört leider auch ein Personalabbau.“ Dabei schaue man auch auf die Konzernverwaltung und die unterstützenden Funktionen für die beiden Segmente und Regionen. Auf operativer Seite schaue man auf Synergien zwischen den verschiedenen Bereichen der Oberflächentechnik. Bei den Standorten sei hier etwa eine Reduzierung und Bündelung möglich.

Das könne weltweit zu einem Abbau von mehreren hundert Stellen führen. Dem stehe der Aufbau in anderen Bereichen gegenüber. Allein aufgrund der wenigen Stellen in der Schweiz und Liechtenstein mit insgesamt knapp 1’000 werde das aber wohl eher nicht hier stattfinden. Weltweit hat Oerlikon rund 11’100 Mitarbeitende.

„Wir wollen agiler und kosteneffizienter werden, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können.“ Mittelfristig könne man dadurch signifikante Verbesserungen erreichen. Trotz der strukturellen Veränderungen im Umfeld und im Markt, etwa in der Automobilindustrie, seien die Endmärkte von Oerlikon weiter attraktiv, betonte der CEO.

China ist auf dem Weg zurück
Fischer sieht das Geschäft in China nach dem Ausbruch der neuen Atemwegserkrankung Covid-19 wieder auf dem Weg der Normalisierung. „Wir werden die Effekte der verlängerten Neujahrsferien im Februar sehen. Unsere Werke im Bereich Kunstfaser arbeiten aber wieder zu 90 bis 100 Prozent“, sagte Fischer in einer Telefonkonferenz am Dienstag. „China ist auf dem Weg zurück.“

Auch in der Lieferkette habe Oerlikon in China keine Probleme. Die grösste Herausforderung sei derzeit der Transport und die Logistik. Dadurch könne es zu Verschiebungen bei den Auslieferungen kommen, die dann jedoch wieder aufgeholt werden könnten. Im Bereich Oberflächentechnik (Surface Solutions) seien derzeit von den 13 Standorten zwei geschlossen, einer davon ist der in Wuhan. Auch hier liege die Kapazität bei den geöffneten Standorten wieder bei rund 90 Prozent. Nachholeffekte werden hier aber nicht erwartet.

Verlust durch Einmaleffekte
Das Gesamtjahr sei angesichts der Rahmenbedingungen „ganz vernünftig“ ausgefallen. In der zweiten Jahreshälfte habe sich der Gegenwind verstärkt, sagte der Unternehmenschef. Und das habe nicht nur den Automobilsektor betroffen. Die geopolitischen Veränderungen und die Handelsbeschränkungen haben negativ gewirkt. Der Umsatz sank beeinflusst durch Wechselkurseffekte um 0,6 Prozent auf 2,59 Milliarden Franken. In allen Märkten sei die Nachfrage rückläufig gewesen.

Der Betriebsgewinn (EBITDA) ging um 9,9 Prozent auf 366 Millionen Franken zurück und die entsprechende Marge auf 14,1 von zuvor 15,6 Prozent. Unter dem Strich sorgten Einmaleffekte aus den Drive-Systems Verkauf für einen Verlust von 66 Millionen, nach einem Gewinn von 245 Millionen im Vorjahr.

Wie im Vorjahr ist in der Dividende von 1,00 Franken pro Aktie wieder eine Sonderdividende von 0,65 Franken enthalten. Die erneute hohe Ausschüttung begründete Fischer mit der guten Cash-Position und Finanzierungslage.

Für 2020 wird ein Bestellungseingang und ein Umsatz von 2,5 bis 2,6 Milliarden Franken und eine EBITDA-Marge nach Investitionen und Wachstumsinitiativen von 14,0 bis 14,5 Prozent in Aussicht gestellt.

Die ausgewiesenen Zahlen lagen unter den Schätzungen der Analysten, bereinigt um Sondereffekte aber nahe dran. Die Oerlikon-Aktien verlieren in einem deutlich festeren Gesamtmarkt 0,1 Prozent auf 8,77 Franken. (awp/mc/ps)

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