Wahlen 2015: Mehr Frauen, höheres Alter und viele Neue im Nationalrat

Nationalrat
(Foto: parlament.ch)

Nationalratssaal. (Foto: parlament.ch)

Bern – Der Nationalrat ist nach den Wahlen 2015 älter geworden. Zugleich zählt er so viele Frauen wie noch nie. Die Zahl der erstmals Gewählten ist tiefer als vor vier Jahren.

Wurde bei den Wahlen 2011 noch rund 30% des Nationalrates erneuert, sind es dieses Jahr knapp 25%, wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur sda zeigt. Sie basiert auf dem heutigen Stand der gewählten Nationalrätinnen und Nationalräte. Aufgrund der zweiten Ständeratswahlgänge kann es noch zu einzelnen Verschiebungen kommen.

Insgesamt 49 Neulinge werden frischen Wind in die grosse Kammer bringen. 146 sassen schon in der vergangenen Legislatur in der grossen Kammer, fünf kennen die Bundespolitik aus früheren Zeiten.

Am meisten neue Nationalräte – insgesamt zwölf – schickt der Kanton Zürich nach Bern. Damit zählt die Zürcher Delegation gut ein Drittel neue Bundespolitiker. Im Kanton Wallis sind fünf von acht neu. Auch der Kanton Waadt schickt fünf neue Politikerinnen und Politiker nach Bern.

Die SVP stellt mit Abstand am meisten Neugewählte. Für fast 40% ihrer Delegation – nämlich 25 aus 65 – ist Bundesbern neues Terrain. Auch die Grünen durchmischen mit fünf neuen Politikerinnen und Politikern fast die Hälfte ihrer Abgeordneten. Die Grünliberalen schicken keine Neugewählten nach Bern.

Neue Leute mit viel Erfahrung
Von den erstmals Gewählten bringen die allermeisten – über 85% – kantonale oder kommunale Parlamentserfahrung mit, jeder Vierte hat bisher auf niedrigerer Ebene mitregiert. 38 erstmals Gewählte sitzen momentan in einem Kantonsparlament, vier weitere in einem Stadt- oder Gemeindeparlament.

Einige der Neulinge in Bundesbern bringen Regierungserfahrung auf kommunaler Ebene mit: Acht bekleiden das Amt eines Gemeindepräsidenten, Géraldine Marchand-Balet aus Grimisuat VS ist die einzige Frau mit diesem Amt, die neu im Bundeshaus politisieren wird. Vier weitere Newcomer sitzen in einer Gemeindeexekutive. Mit Beat Arnold (SVP/UR), momentan Sicherheitsdirektor, wurde auch ein Mitglied einer Kantonsregierung nach Bern entsandt.

Die Liste der Quereinsteiger, die erfolgreich kandidierten, ist dagegen kürzer: Nur Claude Béglé (CVP/VD), Marcel Dobler (FDP/SG), Tim Guldimann (SP/ZH), Roger Köppel (SVP/ZH) und Magdalena Martullo-Blocher (SVP/GR) hatten bisher kein politisches Amt inne. Sie profitierten offenbar vom Bekanntheitsbonus ihrer Person oder ihres Unternehmens.

Der Nationalrat altert
Insgesamt ist der Nationalrat nach den Wahlen 2015 älter geworden: Das Durchschnittsalter aller 200 Mitglieder der grossen Kammer beträgt 50,30 Jahre. Vor vier Jahren hatte das Durchschnittsalter noch 49,33 Jahre betragen.

Die 64 am Wochenende wieder oder neu gewählten Nationalrätinnen sind im Durchschnitt 48,77 Jahre alt. Ihre 136 Kollegen sind im Durchschnitt 51,02-jährig.

Stark gewachsen ist der Anteil der über Sechzigjährigen: Neu haben vierzig Ratsmitglieder den Sechzigsten bereits gefeiert – vor vier Jahren waren es lediglich 28 Nationalräte und Nationalrätinnen.

Im Vergleich zu 2011 halbiert hat sich das jüngste Alterssegment: Waren vor vier Jahren noch acht Nationalräte und Nationalrätinnen 20 bis 29 Jahre alt, sind es nun noch deren vier – zwei Männer und zwei Frauen.

Die Statistik gibt auch Auskunft über das älteste und das jüngste Ratsmitglied. Ältester Nationalrat ist mit 73 Jahren der Aargauer Maximilian Reimann (SVP). Er begann Ende 1987 in der grossen Kammer, wechselte 1995 für 16 Jahre in den Ständerat und kehrte 2011 wieder in den Nationalrat zurück.

Die Grüne Lisa Mazzone aus dem Kanton Genf ist die jüngste Nationalrätin. Sie ist 27 Jahre alt und ist am Wochenende zum ersten Mal in den Nationalrat gewählt worden.

Mehr Frauen trotz Rechtsrutsch
Noch nie sind so viele Frauen in den Nationalrat gewählt worden wie dieses Jahr – und dies trotz einem Rechtsrutsch. Stand Montagmorgen waren es 64 Frauen oder 32%. Dennoch sind die Frauen, die eine knappe Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ausmachen, nach wie vor untervertreten.

Am meisten Frauen stellt derzeit die SP mit 25 von 43 Nationalräten. Sie ist die einzige grössere Partei, in der mehr Frauen als Männer vertreten sind. Die SVP hat 11 Frauen in ihrer 65-köpfigen Delegation. Bei der FDP sind es sieben aus gesamthaft 27. Die BDP liegt mit ihrem Frauenanteil von einer Frau auf sechs Kandidaten%ual auf den hinteren Plätzen.

Bei den Grünen und Grünliberalen hält sich das Frauen-Männer-Verhältnis die Waage. Die Grünen schicken fünf Nationalrätinnen und sechs Nationalräte nach Bern. Bei den Grünliberalen ist das Verhältnis vier Männer zu drei Frauen. Die CVP stellt neun Frauen aus 17 Gewählten. Der Frauenanteil in der SP, FDP, BDP und SVP ist im Vergleich zu 2011 gewachsen.

Nationalrat mit Gesetzen vertraut
Im neuen Nationalrat sind die Juristen noch besser vertreten als bisher. Gut jeder fünfte Nationalrat ist Jurist, wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur sda zeigt.

Rund ein Dutzend der neu in den Nationalrat gewählten sind Juristen, darunter etwa Hans-Ueli Vogt (SVP/ZH) und Sibel Arslan (BastA!/BS). Geht es nach Berufsgruppen, sind die Juristen mit über vierzig Nationalräten und Nationalrätinnen am besten vertreten.

Auch die Bauern und die Wirtschaft sind unter der Bundeshauskuppel nach wie vor gut vertreten. (awp/mc/ps)

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