Dominikanische Republik: Abstecher ins Landesinnere

Dominikanische Republik: Abstecher ins Landesinnere

Papagei der Familie Nelson im Hügelland der Dominikanischen Republik. (Foto: ps)

Ein Augenschein in der DomRep (Teil 2):

Von Peter Stöferle

Die Dominikanische Republik gehört geografisch zu den Tropen und ist zu einem Teil von tropischem Regenwald bedeckt. Nehmen Sie Platz auf der «Jungle Rally» und erkundigen Sie mit uns das Landesinnere.

Vor das Hotel RIU Palace Bavaro in Punta Cana hat TUI Suisse(*) Geländewagen bestellt, welche uns einen Tag lang in die Hügelgebiete im Nordosten des Landes führen. Unser Fahrer und Guide heisst Valdomar, ist vielleicht knapp fünfzig und spricht exzellent deutsch. Im Auto müssen wir eine Erklärung unterzeichnen, die unter anderem vorschreibt, dass wir uns dauernd anschnallen. Auch ist es verboten, «Körperteile aus dem Fenster zu halten» – wir werden uns also hüten.

Die Fahrt führt uns als erstes an einen der berühmtesten Strände der Welt. Die Macao-Beach von Punta Cana gehört gemäss UNESCO-Definition wegen ihres feinen Sandes und dem dichten Palmenwald zu den schönsten Stränden der Welt. Dieser Anblick ist eine kleine Sünde am Morgen wert und Valdomar bewirtet uns mit einem mit Pineapple Mimosas, einem mit Champagner versetzten Ananas-Jus aus der Bordbar.

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UNESCO-geadelt: Macao-Beach von Punta Cana. (Foto: ps) – (Für Vergrösserung klicken)

Ganz ohne Griesgram
Die Weiterfahrt führt uns durch kleine Dörfer im Hügelland. Was auffällt: Die Abwesenheit praktisch jeglichen Missmutes in den Gesichtern der Menschen. Selbstverständlich haben wir in den Reiseunterlagen von den «fröhlichen Menschen» in der Dominikanischen Republik gelesen, und das ebenso selbstverständlich für eine Floskel gehalten. Mitnichten: Die Leute sind wirklich von einer ansteckenden Freundlichkeit. Dies gilt auch für die Bediensteten in unserem Hotel. Man merke: Singend lässt es sich besser arbeiten.

Nach unzähligen Kurven auf unbefestigten Strassen durch die von Regenwald bewachsenen Hügel sind wir zu Gast auf dem Anwesen der Familie Nelson. Auf dem Parkplatz werden wir von einem Jungen empfangen, der purpurrote Blüten verteilt – und anschliessend einen Dollar pro Stück reklamiert. Die Reiseleitung und der Guide vereinbaren, dass sie das mit dem Bengel regeln werden, da es im erzieherischen Sinn besser ist, er erhält einen (bescheideneren) Zustupf vom lokalen Veranstalter, als (unverschämt viel) von den Touristen.

Ballenberg à la Dominicaine
Auf dem Weg zu den verschiedenen Hütten der Familie Nelson macht uns Valdomar auf wild wachsende Ananas-, Ingwer- und Kakao- sowie Kaffee-Pflanzen aufmerksam. Ob die Nelsons nun diese Häuser bewohnen, oder ob wir uns in einem dominikanischen Ballenberg befinden, ist eigentlich müssig (diskutiert wird es trotzdem). Interessant zu sehen ist es alleweil, wie die Menschen seit hunderten Jahren im Bergland lebten und leben. Hier wird uns auch veranschaulicht, wie Kaffee- und Kakaobohnen von Hand zum schmackhaften Endprodukt verarbeitet werden. Wer mag, kann sich im Schälen von Kaffeebohnen üben, die in einem mörserähnlichen Gefäss mit einem Holzklöppel zerstossen werden – singenderweise natürlich.

Bei Nelsons gibt’s auch Wundermittel zu kaufen (in der DomRep sind etwa 75% der Bevölkerung katholisch, während ein Teil der Dominikaner kreolischen Glaubenspraktiken, unter anderem auch Voodoo, huldigt). Im Verlaufe des Tages lernen wir immer wieder Wundermittel kennen, welche – im Falle ihrer Wirksamkeit – die westliche Medizin schon längstens revolutioniert hätten. Allen gleich ist, dass sie in der Regel je Flasche aus drei Finger breit Honig, drei Esslöffel Rum plus der jeweiligen Essenz bestehen. Wenn nicht der Rum, so dürfte dabei der Honig wohl die heilendste Eigenschaft haben.

Vor dem Mittagessen auf einer Ranch in den Hügeln besichtigen wir botanischen Garten sowie einen Zoo mit heimischen Tieren. Dieser vermag vielleicht nicht sämtlichen westlichen Kriterien für eine artgerechte Tierhaltung standzuhalten. Den Krokodilen, Leguanen, Gänsen, Pelikanen, Ziegen und Esel scheint das aber ziemlich egal zu sein. Und nachdem Valdomar einen Leguan mit einer Blüte gefüttert hat, frage ich ihn, ob ich dem Leguan auch meine purpurrote Ein-Dollar-Blüte verfüttern dürfe. «Ja klar, die hat er am liebsten!». Wen wundert’s.

Tropenregen «Made by Joaquím»
Am Mittag erleben wir ein besonderes Naturschauspiel: In den Tagen vor unserer Ankunft hat sich nordöstlich der Bahamas der Hurrikan «Joaquín» aufgebaut, und seine Ausläufer reichen bis zur Nordküste der Dominikanischen Republik. Nach ein paar kurzen Donnerschlägen beginnt es plötzlich in Fäden zu regnen. Wir essen in einem Restaurant unter einem Palmenblätterdach (dieses hält dicht), aber wir werden vom Aussenplatz her derart verspritzt, dass wir uns nach und nach in die Mitte des Restaurants verziehen müssen, um nicht tropfnass zu werden. Aber siehe da: So schnell, wie das Unwetter gekommen ist, ist der Spuk auch wieder vorbei. Wenige Minuten nach Einsetzen des Regens wird der Blick auf die Hügellandschaft wieder frei. Einen kleinen Moment später zwängt sich auch die Sonne schon wieder durch die Wolken.

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Gewitterregen im Hügelland…

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…und derselbe Ort keine Viertelstunde später. (Foto: ps)

Am selben Ort wird uns vorgeführt, wie Zigarren von Hand gerollt werden. Der ältere Herr, der diese Arbeit mit stoischer Ruhe ausübt, macht definitiv nicht den Eindruck, als würde er erst seit heute Zigarren rollen. Jeder Handgriff sitzt, keine Bewegung ist zu viel (dafür wäre es auch zu heiss), und jedem Endprodukt lässt er die gebührende Achtung widerfahren.

Kokos direkt vom Baum
Auf dem weiteren Weg machen wir Halt auf einer Kokosfarm. Ein junger Mann zeigt uns, wie eine Kokosnuss mit einer Machete fachgerecht «geköpft» wird. Ein verstohlener Blick auf seine Hände zeigt: Die Finger sind noch vollständig vorhanden – der Mann scheint von seinem Geschäft etwas zu verstehen. Das Fruchtfleisch und auch der Fruchtsaft sind ziemlich süss. So kurz nach dem Mittagessen wollen die Köstlichkeiten darum nur in Massen genossen werden.

Das weitere Programm sähe noch ein Bad in einem Fluss vor. Dieser ist aber kurz nach dem heftigen Regen ziemlich trübe, sodass wir darauf verzichten. Am Ufer wachsen aber Lianen und Valdomar bringt unserer Gruppe einige Samen. Diese weisen die Form eines Herzens auf, sind marronifarben und etwa so gross wie ein Fünf-Franken-Stück. Auf sich getragen sollen sie Alleinstehenden einen Partner zuführen. Wie es sich bei jenen verhält, die sich bereits in einer Partnerschaft befinden, darüber schweigt sich Valdomar aus. Am Schluss bleiben jedenfalls keine Samen mehr übrig.

(*) Diese Reisereportage entstand im Rahmen einer Medienreise von TUI Suisse in die Dominikanische Republik, an welcher der Autor teilgenommen hat.

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