ETH Zürich eröffnet Kompetenzzentrum für Erdbeobachtung

ETH Zürich eröffnet Kompetenzzentrum für Erdbeobachtung
Das ETH Swiss GeoLab in Root ist offiziell eröffnet. V.ln.r.: GeoLab-Direktorin Verena Griess, ETH-Präsident Joel Mesot, der Luzerner Regierungsrat Fabian Peter und Geolab-Geschäftsführer Felix Seidel. (Bild: Daniel Winkler / ETH Zürich)

Zürich – Rund und ein Jahr nach der Bekanntgabe einer grosszügigen Donation durch die Jörg-G.-Bucherer-Stiftung hat die ETH Zürich das ETH Swiss GeoLab eröffnet. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft besuchten den neuen Standort in Root bei Luzern.

Am 16. Oktober 2026 eröffnete die ETH Zürich das ETH Swiss GeoLab am neuen Standort im D4 Business Village in Root bei Luzern. Dies nur ein knappes Jahr, nachdem die Hochschule bekannt gab, im Kanton Luzern ein Kompetenzzentrum für Erdbeobachtung aufbauen zu wollen. Begrüsst wurden die Gäste von ETH-Präsident Joël Mesot und dem Luzerner Regierungsrat Fabian Peter.

Mesot erinnerte in seiner Ansprache an den Bergsturz von Blatten und die Sturzflut in der Grenzregion zwischen Tibet und Nepal. Die Wissenschaft könne diese Katastrophen zwar nicht verhindern, aber dazu beitragen, sie frühzeitig zu erkennen und ihre Folgen besser zu bewältigen. «Das GeoLab soll Behörden dabei unterstützen, Veränderungen im Gebirge zu beobachten und Massnahmen einzuleiten, bevor der Mensch zu Schaden kommt», sagte Mesot.

Der Luzerner Regierungsrat Fabian Peter (FDP) hob die Bedeutung des Zentrums für den Wirtschaftsstandort Luzern hervor: «Das ETH Swiss GeoLab ist ein Leuchtturm für Forschung und Innovation im Kanton Luzern und zeigt bereits heute seine Strahlkraft.» So wurde im Juni 2026 bekannt, dass Axiom Space, ein international tätiges Raumfahrtunternehmen, eine Tochtergesellschaft in Luzern eröffnet.

Fokus auf Naturgefahren, Forst- und Landwirtschaft
Anschliessend zogen GeoLab-Direktorin Verena Griess, Professorin für das Management forstlicher Ressourcen an der ETH Zürich, und Geschäftsführer Felix Seidel Bilanz nach einem Jahr Aufbau des GeoLabs. Neben der Standortsuche, der Rekrutierung eines Kernteams und der Vernetzung mit potenziellen Partnern aus Politik, Wirtschaft, Behörden und Wissenschaft ging es vor allem darum, aus der Vision ein konkretes Programm zu machen.

Das bedeutete zunächst die Definition von thematischen Schwerpunkten: «Das GeoLab konzentriert sich auf die Früherkennung von Naturgefahren sowie die Optimierung von Land- und Forstwirtschaft durch Satellitendaten», sagte Griess.

Eine Plattform für Geodaten
Ergänzt werden diese Schwerpunkte durch den Aufbau einer KI-basierten Plattform für Geoinformationen. Ziel ist es, Satellitenbilder, Drohnenaufnahmen, Daten von Messstationen und weitere räumliche Informationen zusammenzuführen und damit neuartige KI-Modelle für die Schweiz zu trainieren. Diese Modelle sollen für zukünftige Projekte genutzt werden und Entscheidungsträgern, Forschenden und privaten Firmen zur Verfügung stehen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Supercomputing-Zentrum CSCS in Lugano und dem dortigen Supercomputer Alps. Bereits heute wurden rund 100 Petabyte öffentlich zugänglicher Nasa-Erdbeobachtungs- und Klimadaten ans CSCS transferiert – eine Datenmenge, die etwa 20 Millionen Kinofilmen entspricht. Diese Daten sollen für die Entwicklung der KI-Modelle genutzt werden.

Pilotprojekte zur Früherkennung im Wallis
Ein erstes Pilotprojekt widmet sich der Früherkennung von Massenbewegungen wie Fels- und Bergstürze mithilfe von Satelliten- und Radardaten. Dabei geht es nicht darum, bestehende Systeme von Behörden zu ersetzen. Vielmehr sollen neue Technologien bestehende Instrumente ergänzen.

«Gemeinsam mit dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF und dem Bundesamt für Umwelt prüfen wir derzeit, wie neue Erdbeobachtungsmethoden und kommerzielle Satellitendaten bestehende kantonale und lokale Früherkennungssysteme ergänzen könnten», erklärte Seidel.

So testete das GeoLab zusammen mit den Firmen Gravimon und Gamma Remote Sensing im Lötschental bereits im September zwei neue Radarsysteme, welche auf Drohnen montiert wurden. Die Drohnen überflogen den Oigschtchummun-Gletscher, um Oberflächenbewegungen der Eismassen detailliert sichtbar zu machen.

«Die Flüge waren Technologieexperimente und keine Gefahrenüberwachung», betonte Seidel. «Wir konnten zeigen, dass diese Systeme unter realen, alpinen Bedingungen funktionieren und satellitengestützte Radarsysteme sowie Sensoren am Boden sinnvoll ergänzen können. Denn gerade im Gebirge stossen Satelliten aufgrund von Topografie, Wolken oder Beobachtungswinkeln an ihre Grenzen. Und Sensoren am Boden gibt es zu wenige.»

In den kommenden Monaten werden die Expertinnen und Experten des GeoLabs die gesammelten Daten detaillierter auswerten und prüfen, wo solche Drohnenflüge künftig einen echten Mehrwert für die Überwachung von alpinen Naturgefahren liefern können.

Eine Netzwerkorganisation mit 100 Expert:innen
Bis Ende 2027 soll das GeoLab-Kernteam rund zehn Personen umfassen. Da ein grosser Teil der Forschung und Entwicklung gemeinsam mit Forschenden der ETH und externen Partnern erfolgt, werden kommendes Jahr aber bereits deutlich mehr Personen an GeoLab-Projekten arbeiten.

Langfristig versteht sich das ETH Swiss GeoLab als Netzwerkorganisation. Bis etwa 2030 soll sich um das schlanke operative Kernteam – das Missionen, die Technologieplattform und Projekte führt – ein Ökosystem von rund 100 Personen entwickeln.

Dazu gehören neben Forschenden auch Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Behörden und weiteren Partnerorganisationen. (pd/mc/pg)

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