Solide Entwicklung der Unternehmensgewinne: Weltweit für dieses Jahr ein Gewinnanstieg von 29,8% erwartet

Solide Entwicklung der Unternehmensgewinne: Weltweit für dieses Jahr ein Gewinnanstieg von 29,8% erwartet
Andrea Conti, Head of Macro Markets Analysis bei Eurizon. (Bild: Eurizon/mc)

Von Andrea Conti, Head of Macro Markets Analysis bei Eurizon

Die ersten Anzeichen aus der Berichtssaison in den USA für das dritte Quartal zeigen ein positives Bild, das jedoch nicht ganz so rosig ist wie in den vorangegangenen Quartalen.

Die Ergebnisse der führenden Banken entsprachen den Erwartungen. Erste Hinweise von den Technologieunternehmen bestätigen die Aussichten auf ein starkes Wachstum bei Nachfrage und Umsätzen, während sich die Aufmerksamkeit der Anleger nun auf die finanzielle Tragfähigkeit von Investitionen in KI richtet.

Von den 25 % der Unternehmen des S&P 500, die bereits ihre Ergebnisse vorgelegt haben, übertrafen 80 % die Gewinnerwartungen. Diese Quote liegt knapp unter der der letzten Berichtssaison, aber immer noch deutlich über dem historischen Durchschnitt.

Die im dritten Quartal nach oben korrigierten Gewinnschätzungen deuten auf ein robustes Wachstum von 27 % im Jahresvergleich hin, nach den bereits im Vorquartal verzeichneten herausragenden 32 %.

Zehn der elf Sektoren des Index werden voraussichtlich positive Ergebnisse verzeichnen, was eine zunehmend breit angelegte Gewinndynamik über Unternehmen und Branchen hinweg bestätigt. Das stärkste Gewinnwachstum (im zweistelligen Bereich) wird für die Sektoren Energie, Technologie, Kommunikationsdienstleistungen, Grundstoffe und Industrie erwartet.

In der Eurozone wird für den EURO STOXX ein solides Gewinnwachstum von 22 % im Jahresvergleich erwartet. Hintergrund sind eine über den Erwartungen liegende wirtschaftliche Erholung sowie umfangreiche Aufwärtskorrekturen der Prognosen, insbesondere in den Bereichen Energie, Industrie und Technologie.

Die ausgezeichneten Unternehmensergebnisse in den USA in den vergangenen Quartalen haben die Analysten dazu veranlasst, ihre Gewinnprognosen im Laufe des dritten Quartals nach oben zu korrigieren. Die Verbesserung der Erwartungen setzte sich auch mit Beginn der Berichtssaison fort.

Für das vierte Quartal wird ein Gewinnwachstum von 28 % erwartet, während die Schätzungen für das gesamte Jahr 2026 dank des Beitrags des Technologiesektors, der Erholung des Energiesektors und einer breiteren Verteilung des Wachstums auf die verschiedenen Sektoren auf 34,4 % gestiegen sind.

Auch für die anderen wichtigen Märkte fallen die Prognosen für 2026 hoch aus. In der Eurozone wird für die Gewinne der Unternehmen des EURO STOXX ein Anstieg um 17,7 % erwartet, nachdem sie 2025 stagniert hatten. Noch deutlicher fällt die Verbesserung in den Schwellenländern aus, wo die Schätzungen auf ein aussergewöhnliches Gewinnwachstum von 74,6 % hindeuten, das durch die Beschleunigung der technologischen Entwicklung getragen wird.

Weltweit wird für dieses Jahr ein Gewinnanstieg von 29,8 % und für die nächsten zwei Jahre von rund 15 % erwartet, was den Aktienmärkten eine wichtige Stütze bietet.

Die zweite Jahreshälfte 2026 begann mit dem Wiederaufflammen der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die die Energiepreise und die Inflation in die Höhe trieben. Dennoch zeigte sich die Weltwirtschaft widerstandsfähig, und die Unternehmensgewinne stiegen weiter an.

Die Inflationsrisiken veranlassten die wichtigsten Zentralbanken dazu, ihre Leitzinsen gleichzeitig anzuheben.

Die Mischung aus solidem Wachstum, anhaltender Inflation, Leitzinserhöhungen und Befürchtungen hinsichtlich hoher Haushaltsdefizite führte zu einem deutlichen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen, der sich Anfang Oktober nur teilweise zurückbildete.

Die geopolitischen Spannungen und der Anstieg der Renditen führten jedoch zu einer Pause an den Aktienmärkten. Zwischen dem 30. Juni und dem 23. Oktober verzeichnete der MSCI AC World eine Wertentwicklung von 0 % (12,4 % seit Jahresbeginn). Die Bilanz fällt für die USA positiv aus (2,0 %), während sie für die Eurozone (-4,3 %) und die Schwellenländer (-9,8 %) negativ ist, wobei letztere unter Gewinnmitnahmen im Technologiesektor litten.

Die Reaktion der Werte auf die Quartalsergebnisse fiel verhalten aus. In den USA verzeichneten Unternehmen, die die Erwartungen übertrafen, moderate Kursanstiege, die unter dem historischen Durchschnitt lagen. Die Stimmung der Anleger wird eher vom Ausblick der Unternehmen auf das Gewinnwachstum bestimmt als von den Quartalsergebnissen.

Seit August befindet sich der US-Aktienmarkt in einer Konsolidierungsphase. Zu diesem Zeitpunkt begann der Ölpreis wieder zu steigen, während die Märkte der Eurozone (EURO STOXX) und die Schwellenmärkte unter ihre im Sommer erreichten Höchststände fielen.

Nachdem die Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnis) in der ersten Jahreshälfte ihre Höchststände erreicht hatten, sanken sie dank des starken Wachstums der Unternehmensgewinne an allen Märkten. Für den S&P 500 liegen sie nun unter den Tiefstständen vom Mai 2025.

Zudem haben weitere Aufwärtskorrekturen der Schätzungen zu einem deutlichen Rückgang der erwarteten Bewertungen geführt: Für den S&P 500 liegen die Bewertungsmultiplikatoren für 2027 und 2028 nun unter denen von 2022. Die Multiplikatoren des EURO STOXX sind wieder unter die historischen Durchschnittswerte gesunken, während sie in den Schwellenländern sogar unter die Tiefststände von 2020 gefallen sind.

Das Gewinnwachstum, das sich zunehmend über Märkte und Sektoren hinweg ausbreitet, stellt weiterhin einen soliden Stützfaktor für den Aktienmarkt dar, während moderatere Bewertungen bei etwaigen Korrekturen für mehr Schutz sorgen. (Eurizon/mc/ps)

Eurizon

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