Der Schweiz stehen schärfere Massnahmen gegen Coronavirus bevor

Coronavirus
(Adobe Stock)

Bern – In der Schweiz sollen die Schrauben im Kampf gegen das Coronavirus enger gezogen werden. Während Bund und Kantone am Donnerstag über die nächsten Schritte diskutierten, sprach Deutschland wegen der Fallzahlen für die Schweiz eine Reisewarnung aus.

Der Bundesrat habe für kommenden Mittwoch neue Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus auf Bundesebene vorgesehen, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Donnerstag nach einem Treffen mit der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK).

Die Kantone hätten ein Mitspracherecht. Übers Wochenende werde gemeinsam evaluiert, welche Massnahmen es brauche. „Der Bundesrat entscheidet am Mittwoch.“ Die Massnahmen betreffen Menschenansammlungen, Veranstaltungen und öffentliche Einrichtungen.

„Slowdown“ statt „Lockdown“
Mehr Tempo fordert der Präsident der Gesundheitsdirektionen, Lukas Engelberger, von den Kantonen. Die Kantone müssten „umgehend“ neue Massnahmen ergreifen, sagte er und appellierte auch an die Bevölkerung – das Leben müsse jetzt heruntergefahren werden. „Es braucht nicht einen Lockdown, sondern einen Slowdown“, sagte der GDK-Präsident.

„Wir wollen, dass die Wirtschaft, die Bildung und das elementarste Leben weiter gehen können“, fuhr er weiter. „Wir müssen bereit sein, im Freizeitverhalten Verzicht zu üben und Einschränkungen hinzunehmen.“ Die Kontakte seien zu reduzieren.

Die Gesundheits- und Sozialdirektorenkonferenz der Westschweiz (Bern, Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Tessin, Waadt und Wallis) kommunizierten ihre Empfehlungen sogleich. So sollen Veranstaltungen im öffentlichen Raum auf zehn Personen beschränkt werden, Restaurants um 23 Uhr schliessen und Sportarten mit Körperkontakt auf Amateurstufe verboten werden. Bei Grossveranstaltungen soll eine Obergrenze von tausend Personen gelten.

Treffen der Wirtschaft
„Die hohen Ansteckungszahlen sind auch aus wirtschaftlicher Sicht besorgniserregend“, teilte das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) am Donnerstagabend mit, nach einer telefonischen Aussprache von Wirtschaftsminister Guy Parmelin mit der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz der Kantone (VDK), den Sozialpartnern sowie Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaftsverbände.

Um die Lage in den Griff zu kriegen, müssten die Schutzkonzepte strikt eingehalten werden. Mit Sorge betrachtet wird in der Wirtschaftswelt bereits ein „Mini-Lockdown. Ein erneuter Lockdown, gleich welcher Dauer, hätte für die Branche und ihre Mitarbeiter katastrophale Folgen, teilte etwa der Detailhandelsverband Swiss Retail Federation mit. Die Erholung vom ersten Lockdown würde abrupt gestoppt und die negativen Langzeitfolgen multipliziert.

Erste Spitäler an Kapazitätsgrenzen
Während in der Schweiz über die angemessenen Massnahmen diskutiert wurde, setzte Deutschland die Schweiz auf die Liste mit den Corona-Risikoländern. Wer aus der Schweiz nach Deutschland einreist, muss ab kommende Samstag also in Quarantäne. Ausnahmen gelten weiterhin für die Grenzregionen: Im süddeutschen Bundesland Baden-Württemberg gilt für Personen aus den sieben Grenzkantonen eine generelle Ausnahme von der Quarantäne.

5256 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag für die Schweiz und Liechtenstein gemeldet worden. Zudem sind 11 Todesfälle und 106 Spitaleinweisungen gemeldet worden. Auf diese Zahlen – insbesondere jene der Hospitalisierungen – schauen die Behörden derzeit ganz genau. Die Massnahmen zur Eindämmung zielen vor allem auch darauf ab, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

Dabei zeigen die Unterlagen des BAG, dass sich die Zahl der Hospitalisierungen vergangene Woche im Vergleich zur Vorwoche von 177 auf 342 Fälle verdoppelt hat. Engelberger sagte an der Medienkonferenz, dass einige Spitäler tatsächlich bereits an die Kapazitätsgrenzen kommen. (awp/mc/pg)

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