Einzelne Kantone ordnen noch vor dem Bundesrat neue Massnahmen an

Covid
(Photo by Martin Sanchez on Unsplash)

Bern – Der starke Anstieg an Neuinfizierten und die drohende Überlastung der Spitäler haben die Kantone Appenzell-Ausserrhoden und Schwyz zu einer Verschärfung ihrer Massnahmen bewogen. Sie warten nicht auf den Bundesrat, der erst für nächsten Mittwoch neue Massnahmen in Aussicht gestellt hat.

Die Kritik am schweizweiten Massnahmen-Flickenteppich ist in den vergangenen Tagen wieder lauter geworden. Gesundheitsminister Alain Berset kündigte am Donnerstag für den kommenden Mittwoch weitere Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus an.

Noch vor dem Wochenende wurden die vorgesehenen Massnahmen bei den Kantonen in die Konsultation geschickt. Das siebenseitige Papier, das am Samstag publik wurde, sieht unter anderem eine Ausweitung der Maskentragpflicht in Siedlungsgebieten im Freien vor.

Vorschläge des Bundesrates
Masken sollen auch in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen und Aussenbereichen von Einrichtungen und Betrieben sowie am Arbeitsplatz in Innenräumen Pflicht werden.

Laut dem Konsultationsentwurf soll für öffentliche Veranstaltungen eine Obergrenze von 50 Personen gelten. An privaten Veranstaltungen im Familien- und Freundeskreis sollen maximal 15 Personen teilnehmen können. Für Gastro- und Clubbetriebe ist eine Sperrstunde von 22 bis 6 Uhr vorgesehen.

Umgehend darauf reagiert haben am Samstag die Zentralschweizer Gesundheitsdirektoren (ZGDK). Sie forderten in einer Mitteilung den Bundesrat dazu auf, „rasch griffige Massnahmen“ zu beschliessen. Ansonsten drohe ein Zusammenbruch des Contact Tracing und die Überlastung des Gesundheitswesens.

Die ZGDK befürworten eine „deutliche Ausdehnung der Maskenpflicht“. Ausserdem sprechen sie sich dafür aus, dass bei Anlässen nur noch maximal 30 Personen zugelassen sind. Bei privaten Veranstaltungen fordern sie gar eine Beschränkung auf zehn Personen.

Appenzell und Schwyz preschen vor
Bereits vorgeprescht sind am Sonntag die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Schwyz. Sie haben die Massnahmen in ihren Kantonen bereits ab (morgigen) Montag verschärft.

Man warte angesichts der stark steigenden Fallzahlen nicht auf die auf Mittwoch vom Bundesrat angekündigten Massnahmen, hiess es beim Kanton Schwyz. Ab Montag sind private Veranstaltungen im Kanton mit mehr als zehn Personen und übrige Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen verboten. In Schwyz und Appenzell Ausserrhoden gilt neu eine Maskentragpflicht in Innenräumen am Arbeitsplatz.

Appenzell Ausserrhoden führt ab Montagmitternacht unter anderem auch eine Maskenpflicht ein in öffentlich zugänglichen Aussenräumen des öffentlichen Verkehrs, von Bahn – und Flughäfen, Läden, Theater, Kinos und Märkten. Veranstaltungen über 50 Personen sind verboten und an privaten Veranstaltungen im Familien- und Freundeskreis sind höchstens 15 Personen erlaubt.

Auch Sommaruga plädiert für schärfere Massnahmen
Verständnis dafür, dass ganz viele Leute wieder Klarheit haben wollten, was nun gelte, äusserte am Samstag Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga am Rande eines Besuchs im Berner Inselspital. Es brauche auch auf nationaler Ebene wieder zusätzliche Massnahmen.

Angespannt ist die Situation bereits im Genfer Universitätsspital (HUG), wo dringend Personal benötigt wird. Das Spital hat am Sonntag einen Aufruf an ehemalige Mitarbeitende im Ruhestand sowie in unbezahltem Urlaub gerichtet.

Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Spitzenwert von 550 hospitalisierten Covid-19-Patienten, der während der ersten Krankheitswelle im Frühjahr verzeichnet worden war, in den kommenden Tagen weitgehend überschritten werde, wird HUG-Generaldirektor Bertrand Levrat in der Mitteilung des Spitals zitiert.

Kurz vor der höchsten Alarmstufe stehen derzeit die Spitäler im Wallis, wie Staatsratspräsident Christophe Darbellay in einem Interview mit der „SonntagsZeitung“ erklärte. Im Unterwallis seien von den 120 Plätzen, die für schwer erkrankte Corona-Patienten reserviert seien, schon rund 100 besetzt.

Darbellay forderte schärfere Massnahmen vom Bundesrat und mehr Geld im Kampf gegen die Pandemie. Der Walliser Staatsrat kritisierte Bundesrat Ueli Maurer scharf: „In einer der schlimmsten Krisen seit dem Zweiten Weltkrieg kann Finanzminister Ueli Maurer nicht auf seinen Milliarden sitzen bleiben und zuschauen, wie die Wirtschaft in den Kantonen untergeht.“

Maurer hatte am Samstag an der SVP-Delegiertenversammlung erklärt, dass die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise und die im Frühjahr angehäuften Schulden die Schweiz noch Jahre beschäftigen würden. Ein zweites Engagement im Umfang von 30 Milliarden Franken wie im vergangenen Frühling könne sich die Schweiz nicht leisten. (awp/mc/ps)

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