Stephan Bürgin, CEO Elma

Stephan Bürgin

Von Robert Jakob

Moneycab: Herr Bürgin, selbst für eine Aktie mit geringem Handelsvolumen scheint der Kurs von Elma regelrecht knapp über 400 Franken zementiert zu sein. Wann kommt Bewegung in den Kurs?

Stephan Bürgin: Bewegung kommt in die Aktie wenn sie gehandelt wird. Dies liegt ausserhalb unseres Einflussbereichs.

“Die Elma ist in allen anspruchsvollen Packaging- Technologien vorne mit dabei. Im Bereich der VPX und openVPX Technologie, welche stark in militärischen Anwendungen eingesetzt werden, sind wir an vorderster Stelle bei der Normierung und Entwicklung.”

Martin Wipfli hat zwar immer seine Bereitschaft erklärt, an dem grossen Elma-Paket, das er über die Anlagegesellschaft Baryon hält, festzuhalten – aber könnten nicht eine der an Elma beteiligten Fondgesellschaften oder Aktionäre ungeduldig werden?

Unser Kurs und die darauf basierende Strategie ist vom Verwaltungsrat definiert und mit der Unternehmensleitung, dem General Executive Board, abgestimmt worden. Wir liegen auf Kurs. Über die Absichten von Herren Wipfli und der Baryon müssen Sie Herren Wipfli befragen.

Sie mussten die Führung von Elma ausgerechnet genau vor dem Ausbruch der grossen Wirtschaftskrise übernehmen. Wie haben Sie die letzten drei Jahre vor diesem Hintergrund erlebt?

Als ich die Aufgabe 2007 übernahm war mir bewusst, dass bei Elma erheblicher Handlungsbedarf besteht, da industriell seit der Krise von 2001 keine substantiellen Veränderungen und Fortschritte erzielt wurden. Die nach dem Jahr 2000 zugekauften Unternehmen wurden faktisch nicht zu einer Gruppe zusammen geführt und die schlechte Rentabilität verschiedener Ländergesellschaften war mit unter ein offenes Geheimnis. Auch die starke Zentralisierung der Produktion auf den Standort Schweiz und die damit einhergehenden Probleme waren schon damals klar ersichtlich. Die Elma erwirtschaftet heute weniger als 10% des Umsatzes in CHF und deshalb hatten wir schon 2007 erhebliche Exposures in Fremdwährungen. Die Finanzkrise und die starken Auswirkungen dieser auf unser Geschäft hatten also den Transferprozess lediglich beschleunigt.

Im ersten Halbjahr ist Elma auf allen Kennzahlenstufen von Umsatz, über EBITDA, EBIT bis Reingewinn der Turnaround geglückt. Der Markt erwartet aber sattere Zahlen. In welchem Bereich liegen die langfristigen Ziel, auf einen Horizont von drei Jahren projiziert?

Der Verwaltungsrat hat die Ziele für die nächsten 5 Jahre kommuniziert und erwartet ein über dem Markt liegendes Wachstum im Umsatz und eine EBIT-Marge von 8-12% in guten und 4% (keine Verluste) in schlechten Zeiten. Wir wollen unser Eigenkapital wieder auf über 50% bringen und die Investitionen aus dem eigenen Cash- flow finanzieren. Die Aktionäre verzichten in dieser Phase auf eine Dividende.

“Wir sind aktuell mit unserer Situation zufrieden und konzentrieren uns auf die guten alten schweizerischen Tugenden: sparsam mit dem Geld umzugehen, hart zu arbeiten und das erwirtschaftete Kapital gezielt und strategiekonform zu investieren.”

Elma musste hart für um seine Kreditbedingungen kämpfen. Könnte ein Small Cap wie Elma alternative Finanzierungsmöglichkeiten ausloten? Der Zeitpunkt ist ja so günstig wie nie. Dann könnten Sie unabhängiger von den Banken werden.

Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren Banken und wurden auch fair behandelt. Wir sind aktuell mit unserer Situation zufrieden und konzentrieren uns auf die guten alten schweizerischen Tugenden: sparsam mit dem Geld umzugehen, hart zu arbeiten und das erwirtschaftete Kapital gezielt und strategiekonform zu investieren. Wir sind ein schweizerisch geführtes Industrieunternehmen mit einer internationalen Ausrichtung und wollen kontinuierlich am Markt, in unseren Nischen, wachsen und unsere Produkte und Dienstleistungen gezielt dort platzieren, in denen unsere Stärken liegen. Zugeschnittene Lösungen für unsere anspruchsvollen Kunden ist unsere Maxime.

Im Verteidigungssektor, einer Branche, in der Elma bedeutenden Umsatz generiert, wird in vielen Ländern kräftig gespart – auch eine Folge der Schuldenkrise. Wird diese Branche eine längere Durststrecke mitmachen?

Wir rechnen damit, dass auch im Verteidigungssektor die Auswirkungen zu spüren sind. Die Programme in diesem Bereich haben jedoch lange Laufzeiten und die Auswirkungen sind langsamer zu spüren als beispielsweise in der Automobil- oder Textilindustrie. Weil wir davon ausgehen, dass es Auswirkungen gibt, haben wir mitunter auch seit zwei Jahren – zum Beispiel in Asien – in alternative Märkte investiert. Dort haben wir gezielt das Segment Transportation, mit einem hohen Wachstumspotential, im Bereich des Schienenverkehrs aufgebaut.

Schielen Sie manchmal nach Stein am Rhein, von wo aus ja mit Phoenix Mecano ein weiterer Komponentenhersteller erfolgreich arbeitet?

Sie sprechen es an: Die Phoenix Mecano ist für uns ein gutes Beispiel wie man in dieser Branche gute, rentable Geschäfte machen kann. Die Firma ist gut diversifiziert und behauptet sich gut im Markt. Man kennt sich und schätzt sich.

Vor der Krise stieg ELMAs Eigenkapitalquote von 40% auf 50% an. Jetzt liegt sie bei etwa 30%. Ziel ist gemäss Ihrem VR-Präsidenten wieder 50%. Wieviele Jahre könnte das dauern?

Das hängt direkt von unserem Erfolg der nächste Jahre ab. Mehr Ergebnis gleich mehr Mittel, um das Eigenkapital zu stärken. Investieren müssen wir ja auch, dies gehört genauso zur Entwicklung der Firma wie ein starkes Eigenkapital. Wir werden den richtigen Mix finden.

“Elma China ist aufgrund unserer gut organisierten Struktur von Vertrieb, Engineering, Einkauf und der eigenen Montagefertigung in der Lage, Kundenforderungen schnell und professionell umzusetzen.”

Welches ist der grösste technologische Fortschritt in der Gehäusetechnik, den ELMA anbietet?

Die Elma ist in allen anspruchsvollen Packaging- Technologien vorne mit dabei. Im Bereich der VPX und openVPX Technologie, welche stark in militärischen Anwendungen eingesetzt werden, sind wir an vorderster Stelle bei der Normierung und Entwicklung. Für den mehr industriellen Bereich haben wir die Micro TCA (MTCA) Technologie sehr stark gefördert und können hervorragende Lösungen für unsere Kunden anbieten.

Weiter sind wir mit dem Eintritt in das Level 4 Systemintegration-Geschäft und der erfolgreichen Übernahme der Firma ACT Technico in den USA im Januar 2009 einen grossen Schritt vorwärts gekommen. Somit haben wir eigene Interface- und Solid State Storage- Baugruppen im Angebot. Last but not least haben wir für den Bereich Drehschalter (Rotary Switches) mit der neuen Encoder Generation E33/E37 eine neue Produktfamilie lanciert, welche einem echten Marktbedürfnis entspricht.

In Asien hat sich der Halbjahresumsatz verdreifacht, allerdings noch auf bescheidenem Niveau. Warum sind Schweizer Gehäuse besser als asiatische?

In der Gehäuse Technologie unserer Marktsegmente, dem Electronic Packaging, spielt die kundespezifische Applikation eine tragende Rolle. Elma China ist aufgrund unserer gut organisierten Struktur von Vertrieb, Engineering, Einkauf und der eigenen Montagefertigung in der Lage, Kundenforderungen schnell und professionell umzusetzen. Wir gewinnen viele Ausschreibungen durch Geschwindigkeit und guter Qualität. Elma ist jedoch auch in China nicht im Billigsegment tätig. Unsere Produkte haben weltweit einen hohen Qualitätsanspruch, jedoch durch den hohen lokalen Wertschöpfungsanteil zu konkurrenzfähigen Preisen.

Wir rechnen damit, dass auch im Verteidigungssektor die Auswirkungen zu spüren sind. Die Programme in diesem Bereich haben jedoch lange Laufzeiten und die Auswirkungen sind langsamer zu spüren als beispielsweise in der Automobil- oder Textilindustrie.

Der Gesprächspartner:
Stephan Bürgin, Jahrgang 1958, leitet seit April 2007 die Elma Gruppe als CEO. Nach einem Studium als Elektro- und Betriebsingenieur an der Ingenieurschule Zürich sowie einem Ergänzungsstudium in “Bau und Energie” an der Ingenieurschule in Winterthur hatte er zunächst verschiedene Funktionen mit Führungsverantwortung bei der Siemens Schweiz inne. 2003 übernahm er die operative Führung der Swisstronic Contract Manufacturing AG und leitete zwischen 2004-2007 die Electronicparc Holding als CEO.

Das Unternehmen:
ELMA Electronic ist ein weltweit tätiger Anbieter für die Entwicklung und Fertigung von Komponenten- und Systemlösungen moderner Elektronik. Das Das 1960 gegründete Wetziker Unternehmen hat einen breiten Kundenstamm, der die verschiedensten Industriezweige wie Telekommunikation, industrielle Automation, Medizin- und Wehrtechnik widerspiegelt. Das Produktportfolio umfasst aktuell mehr als 16.000 Teile: Gehäuse, Schränke, hochwertige Schalter, LEDs, Bedienknöpfe und vieles mehr. Darüber hinaus bietet ELMA Engineering und Integrationsservices an, die durch verantwortungsvolle und sachkundige Mitarbeiter betreut werden.

Symbolbild KF für CEO Interviews

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