Hitachi Vantara: IoT-Technologie macht die Scilly-Inseln smart

Wael Elrifai
von Wael Elrifai ist VP, Digital Insights Solution Engineering bei Hitachi Vantara. (Foto: zvg)

Die Scilly-Inseln (offiziell „Isles of Scilly”) sind eine Gruppe von mehr als 140 Inseln vor der Südwestspitze Englands. Fünf der grösseren Inseln sind bewohnt, hier leben etwa 2200 Menschen. Ihre Haupteinnahmequelle ist der Tourismus, jedes Jahr besuchen über 100.000 Touristen die Inseln, die als ausgewiesenes Naturschutzgebiet und als UNESCO-Welterbe Küstenlandschaft mit den höchsten Schutz in England geniessen.

Zur Deckung des inselweiten Energiebedarfs waren die Scillys in der Vergangenheit vollständig auf Strom vom Festland und den Import fossiler Brennstoffe angewiesen. Lediglich knapp zwei Prozent der Nachfrage wurden durch erneuerbare Energien gedeckt, obwohl auf den Inseln im Atlantik ständig der Wind bläst und die Inseln durch den Golfstrom ein mildes Klima mit vielen Sonnenstunden aufweisen. Trotzdem lag der Energieverbrauch pro Haushalt auf den Inseln mit 7.672 Kilowattstunden (kWh) beinahe doppelt so hoch wie im britischen Durchschnitt (3.921 kWh). So konnte es aus Sicht der Verantwortlichen nicht mehr weitergehen, weshalb sie sich ehrgeizige Energieziele für die Zukunft setzten.

Ein smartes Programm für die Insel
Eine 2015 gegründete, inselübergreifende Initiative aus dem Gemeinderat der Scilly-Inseln, dem Herzogtum von Cornwall, der Insel Tresco und der Islands‘ Partnership sollte dazu mehrere miteinander verflochtene Projekte umsetzen. Als Ziel wurde festgelegt, die Stromrechnungen um 40 Prozent zu senken und gleichzeitig 40 Prozent des Energiebedarfs durch erneuerbare Energie zu decken. Darüber hinaus sollten die auf den Inseln genutzten Fahrzeuge bis 2025 deutlich weniger CO2 verbrauchen oder komplett elektrisch unterwegs sein, um den CO2-Ausstoss der Flotte insgesamt um 40 Prozent zu reduzieren.

In dem von den beteiligten Partnern ausgearbeiteten „Smart-Islands-Programm” spielt moderne Technologie eine wichtige Rolle. Stromerzeugung, Abfallentsorgung und Wasserwirtschaft wurden in dem Konzept eng miteinander verwoben, um die Anwohner und Unternehmen beim Übergang zu einem umweltfreundlicheren Wirtschaften zu unterstützen. Unter Federführung von Hitachi und mit finanzieller Unterstützung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung kommen dabei Technologien wie das Internet der Dinge (IoT) und künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz, um die CO2-Bilanz zu reduzieren und den Umstieg auf lokal erzeugte, erneuerbare Energien zu fördern.

Das IoT liefert Smart Energy
Das neue, inselweit implementierte Energiekontrollsystem ermöglicht eine effizientere Nutzung der lokal produzierten Energie. In dem Projekt stellt die Firma Moixa intelligente Solarbatterien bereit, während GridShare Software zum intelligenten Laden von Batterien und Elektrofahrzeugen beisteuert. Hitachi und PassivSystems realisieren die IoT-Plattform. Bislang wurden bereits Solarzellen mit einer Kapazität von etwa 400 Kilowatt auf den Dächern von 70 Häusern im Gemeindebesitz, der Feuerwehr, einer Recyclinganlage und einer Entsalzungsanlage installiert. Ausserdem ist neben dem Flughafen ein Solargarten entstanden. Insgesamt summiert sich die Kapazität der installierten Photovoltaik-Panels damit auf 365.270 Kilowattstunden pro Jahr. In weiteren Pilotprojekten werden in den Häusern der Insel-Bewohner zudem Energietechnologien wie Speicherbatterien und Luftwärmepumpen eingeführt. Als Steuerungszentrale übernimmt die cloud-basierende IoT-Plattform von Hitachi das gesamte Energiemanagement in dem Projekt.

Für eine grüne Zukunft
Aktuell werden die Elektrofahrzeuge auf der Insel an das neue Energiesystem angeschlossen. Mit ihren Batterien können sie sogar als Strompuffer verwendet werden, die Technologie dazu wird auch als V2G (Vehicle-to-Grid oder Fahrzeug ans Stromnetz) bezeichnet. Die Fahrzeuge werden dabei aufgeladen, wenn ausreichend erneuerbare Energie zur Verfügung steht. In Spitzenbedarfszeiten können sie dann wieder Energie an das Netz abgeben. Auf diese Weise können Elektrofahrzeuge den Scillys beim Umstieg auf saubere Energie helfen und dabei gleichzeitig die durch den Individualverkehr verursachte Luftverschmutzung verringern. Weitere Maßnahmen zur Erzeugung erneuerbarer Energie und Innovationen in den Bereichen der Wasserwirtschaft und Abfallentsorgung sollen hinzukommen und dazu beitragen, bis zu 450 Tonnen CO2 pro Jahr einzusparen.

Die Bewohner profitieren von einer saubereren Umwelt und niedrigeren Strompreisen: Das 2018 auf den Inseln gegründete, gemeinnützige Isles of Scilly Community Venture verkauft die in den Photovoltaik-Anlagen erzeugte Energie und reduziert mit den Einnahmen die Stromrechnungen aller Inselbewohner. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit Our Power, einem gemeinnützigen lizenzierten Energieversorgungsunternehmen. Eines wird bei diesem IoT-Projekt besonders deutlich: Grösse und Standort sind kein Hindernis für Innovation – wichtig sind der Weitblick, um die künftigen positiven Auswirkungen für die Umwelt und die Gemeinde zu erkennen, und der Wunsch, etwas Positives zu erreichen. (Hitachi Vantara/mc)

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