Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr: «Das Kloster hatte im vergangenen Jahr ein Defizit von 160’000 Franken. Das Defizit wird mittels Eigenkapital gedeckt; das ist keine langfristige Perspektive.»

Priorin Irene Gassmann, Kloster Fahr: «Das Kloster hatte im vergangenen Jahr ein Defizit von 160’000 Franken. Das Defizit wird mittels Eigenkapital gedeckt; das ist keine langfristige Perspektive.»

Von Jürg Krebs, Limmattaler Tagblatt


Jürg Krebs: Das Kloster Fahr befindet sich in einer Umbruchphase. Sichtbarer Ausdruck davon ist die Rückkehr von Pater Hilarius, der 47 Jahre im Kloster Fahr gewirkt hat, in sein Heimatkloster nach Einsiedeln. Verstehen Sie die Aufregung, die bei einigen Leuten entstanden ist, die Pater Hilarius gerne hier behalten hätten?

Abt Martin Werlen: Ich verstehe die Aufregung. Das Loslassen fällt wohl niemandem leicht. Allerdings war es für unsere Klostergemeinschaften und für Pater Hilarius seit Jahren klar, dass das Kloster Fahr in Zukunft keinen Propst mehr aus der Mönchsgemeinschaft erhält. Darum haben wir auf den 1. Januar 2005 einen Verwalter angestellt, mit dem zusammen P. Hilarius den Übergang gestaltet hat. Einerseits haben wir keinen Mönch in der Gemeinschaft, der dazu die nötige Ausbildung hat; andererseits ist es mir ein Anliegen, dass die Benediktinerinnengemeinschaft im Kloster Fahr verstärkt in alle Prozesse miteinbezogen wird. Das bedeutet auch Veränderungen und Loslassen.



«Veränderungen lösen Unsicherheit und Ängste aus.» Priorin Irene Gassmann


«Kurzfristig mag es für die Menschen in Unterengstringen einfacher sein, dass alles so bleibt, wie es ist. Langfristig aber ist dies nicht möglich. Wir müssen uns immer wieder veränderten Situationen stellen und Neues wagen.» Abt Martin Werlen


Ist die Verstimmung tatsächlich die Angst vor einer neuen Zeitrechnung?

Abt Martin: Veränderungen beunruhigen immer. Unsere Gesellschaft ist in vielen Bereichen in Veränderung begriffen, davon sind Klostergemeinschaften nicht ausgenommen. Im Kloster Einsiedeln sind wir daran, uns diesen Prozessen zu stellen. Damit ist auch klar, dass das Kloster Fahr als Teil von Einsiedeln ebenfalls in die Überlegungen einbezogen wird.


Eine Alternative zur Rückkehr von P. Hilarius sehen Sie folglich nicht?

Abt Martin: Nein. Kurzfristig mag es für die Menschen in Unterengstringen einfacher sein, dass alles so bleibt, wie es ist. Langfristig aber ist dies nicht möglich. Wir müssen uns immer wieder veränderten Situationen stellen und Neues wagen. Das gilt auch für die Klöster. Auch wir müssen unsere Zukunft immer neu gestalten. P. Hilarius kommt gerne in sein Heimatkloster zurück. Und ich bin ihm dankbar, dass er das auch öffentlich gesagt hat. Er freut sich über die Aufgaben, die er in Einsiedeln wahrnehmen wird: Führungen, Dienst in der Beichtkirche usw. Die Erfahrung lehrt uns, dass es für alle Beteiligten einfacher ist, wenn ein Mitbruder in die Gemeinschaft zurückkommt, solange er noch vital ist. Und wir dürfen nicht vergessen, dass P. Hilarius nächstes Jahr 80 Jahre alt wird.


Wie werten Sie, Priorin Irene, die Emotionen in Unterengstringen?

Priorin Irene Gassmann: Veränderungen lösen Unsicherheit und Ängste aus. Pater Hilarius war für viele Menschen in der Region die Bezugsperson zum Kloster. Vielleicht haben diese Menschen nun das Gefühl, mit ihm auch die Beziehung zum Kloster zu verlieren. So gesehen kann ich die Aufregung nachvollziehen. In Zukunft soll vermehrt die Schwesterngemeinschaft als solche wahrgenommen werden. Daran arbeiten wir.


Wie tun Sie das? Werden Sie verstärkt den Kontakt zur Bevölkerung suchen?

Priorin Irene: Wir haben mit unserer Klosterpforte bereits ein gutes Fenster für den Kontakt zu den Menschen. Sie wird von uns Schwestern betreut. Man kann unangemeldet vorbeischauen und mit der Pförtnerin das Gespräch suchen. Weiter sind alle zu unseren Gottesdiensten eingeladen, zu denen wir uns sieben Mal täglich in der Klosterkirche versammeln. Anlässe, etwa an Silvester oder die Nacht der Klöster, an der letzten Mai über 300 Personen teilgenommen haben, sind weitere Kontaktmöglichkeiten, die von der Öffentlichkeit geschätzt werden.


Doch die Menschen müssen zu Ihnen kommen.

Priorin Irene: Ja, dies bleibt weiterhin so. Wir sind eine Klostergemeinschaft, deren Leben sich im Wesentlichen innerhalb der Klostermauern abspielt. Wir sind aber offen für die Anliegen der Menschen und wollen auch auf sie zugehen. So überlegen wir uns zum Beispiel, einzelne Gottesdienste, die wir bis jetzt auf der Empore halten, unten in der Kirche zu feiern. Dies ermöglicht eine gemeinsame Feier mit den Menschen, die zu uns ins Kloster Fahr kommen.


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Das Kloster Fahr ist vieles: Frauenkloster, Ausflugsziel, Restaurant, Bäuerinnenschule und Landwirtschaftsbetrieb mit Tierhaltung/Ackerbau und Obst- und Weinbau. Eingangs unseres Gesprächs haben Sie, Abt Martin, auf die Notwendigkeit eines Veränderungsprozesses hingewiesen. Wie sind die einzelnen Klosterbereiche davon betroffen?

Abt Martin: Seitens des Klosters Einsiedeln ist es uns ein Anliegen, dass das Kloster Fahr zuallererst als Benediktinerinnengemeinschaft wahrgenommen wird. Alle anderen Bereiche sollen dazu beitragen, ihr eine wirtschaftliche Existenz zu sichern. Wenn ich an die Briefe denke, die ich in den vergangenen Wochen aus dem Limmattal erhalten habe und die Zeitungsartikel über das Kloster Fahr anschaue, dann fällt mir auf, dass von der Schwesterngemeinschaft kaum einmal die Rede ist.



«Gewinn bringen Obst- und Weinbau, die Arbeiten der Schwestern, unter anderem der Klosterladen und die Paramentenwerkstatt, wo wir liturgische Gewänder herstellen und die Baurechte.»  Priorin Irene Gassmann


Die Schwesterngemeinschaft als Zentrum des Klosters Fahr. Das bedeutet auch eine Rückbesinnung auf das Wesentliche?

Abt Martin: Genau. Dieses Land hier wurde 1130 dem Kloster Einsiedeln mit der Auflage geschenkt, im Fahr ein Frauenkloster zu gründen. Der Grundbesitz sollte der Gemeinschaft den Lebensunterhalt garantieren. Das Zentrum ist folglich die Gemeinschaft der Benediktinerinnen. Es ist mir ein Anliegen, dass dies auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.


Welche Konsequenzen hat das für die Schwestern?

Abt Martin: In den vergangenen drei Jahren haben wir die Beziehung zwischen dem Kloster Einsiedeln und dem Kloster Fahr näher angeschaut, die Kompetenzen geklärt und neu geregelt. Dadurch werden die Schwestern nun in alle Prozesse und Entscheidungen miteinbezogen. 


Priorin Irene, Sie stehen der Gemeinschaft als Priorin vor. Sagen Sie jetzt, wo es lang geht?

Priorin Irene: Entscheidungen werden von den Schwestern sehr demokratisch gefällt. Anstehende Fragen werden vom Consilium, einem Rat der aus vier Schwestern und mir besteht, vorberaten. Dann kommt der Antrag vors Kapitel, das ist die Gemeinschaft aller Schwestern, die die ewigen Gelübde abgelegt haben. Hier wird noch einmal diskutiert und dann entschieden. Strategische Entscheide oder grössere Investitionen müssen danach noch von Consilium und Kapitel im Kloster Einsiedeln verabschiedet werden.


Welche Konsequenzen wird diese Neupositionierung des Klosters Fahr mit sich bringen?

Priorin Irene: Nach dem Stiftungsauftrag soll der Grundbesitz den Unterhalt der Gemeinschaft gewährleisten. Die Reorganisation der Buchhaltung hat uns im Jahr 2005 erstmals vor Augen geführt, wie die einzelnen Bereiche wirtschaftlich dastehen. Das Kloster hatte im vergangenen Jahr ein Defizit von 160’000 Franken. Der Bereich Milchwirtschaft/Ackerbau machte davon alleine 90’000 Franken aus. Deshalb sehen wir hier Handlungsbedarf. Auch die Bäuerinnenschule und das Restaurant sind defizitär. Gewinn bringen Obst- und Weinbau, die Arbeiten der Schwestern, unter anderem der Klosterladen und die Paramentenwerkstatt, wo wir liturgische Gewänder herstellen und die Baurechte. Das Defizit wird mittels Eigenkapital gedeckt; das ist keine langfristige Perspektive.

Abt Martin: An die Finanzierung von anstehenden Investitionen ist in dieser wirtschaftlichen Situation natürlich nicht zu denken.


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Wie wollen Sie den Bereich Milchwirtschaft/Ackerbau in die gewinnbringende Zone führen?

Abt Martin: Das Ziel für diesen Bereich ist, dass er möglichst selbsttragend wird. Die Schweizer Landwirtschaft ist bekanntlich in einem grossen Veränderungsprozess. Dem müssen auch wir uns stellen. Wir müssen uns fragen: Welche Entwicklungen helfen uns, das Defizit zu verringern und gleichzeitig unseren Zielen gerecht zu werden?



«Wir haben alle unsere Landwirtschaftsbetriebe verpachtet. Wirtschaftlich gesehen können wir mit dem Ertrag aus der Pacht nicht einmal die notwendigen Investitionen tätigen.» Abt Martin Werlen


«Wir werden im Kloster Fahr die Milchproduktion einstellen und künftig neben dem Ackerbau die Naturwiesen und Buntbrachen ausbauen.» Priorin Irene Gassmann


Und welche Ziele sind dies?

Priorin Irene: Wir wollen das Ortsbild mit dem denkmalgeschützten Klosterensemble erhalten. Dann ist uns die Landschaftspflege wichtig. Wir sehen es als Auftrag an, die grüne Fläche am Rande der Stadt und im Limmattal zu erhalten. Ökologie und Tierwohl haben für uns einen hohen Stellenwert.


Wohin wollen Sie den Landwirtschaftsbetrieb führen?

Priorin Irene: Seit sechs Jahren haben wir verschiedene Varianten geprüft. Eine Verpachtung des Landwirtschaftsbetriebs kommt für uns nicht in Frage. Erstens, weil es sich für uns nicht rechnet und zweitens, weil wir dann auf die Ausrichtung des Betriebes kaum mehr Einfluss haben. Dass wir nicht verpachten, wird von vielen nicht verstanden, denn es ist eine gängige Praxis in Schweizer Klöstern.

Abt Martin: Die Verpachtung eines Landwirtschaftsbetriebes löst die Probleme nicht. Das zeigt sich auch bei uns im Kloster Einsiedeln. Wir haben alle unsere Landwirtschaftsbetriebe verpachtet. Wirtschaftlich gesehen können wir mit dem Ertrag aus der Pacht nicht einmal die notwendigen Investitionen tätigen.

Priorin Irene: Aus den verschiedenen Varianten haben wir nach einem langen Evaluationsprozess zwei von einer externen Fachstelle prüfen lassen: Die Produktion von Ökostrom, um damit den Landwirtschaftsbetrieb quer zu finanzieren, und den Weg einer extensiven Bewirtschaftung. Die erste Variante ist mit grossen Investitionen und Risiken verbunden. Die zweite Variante hat neben geringen Investitionen die Chance von Optimierungsmöglichkeiten und entspricht unseren Zielen, weshalb wir uns im Kloster Fahr und im Kloster Einsiedeln mit grossem Mehr für diese zweite Variante entschieden haben.


Wie sieht das konkret aus?

Priorin Irene: Wir werden im Kloster Fahr die Milchproduktion einstellen und künftig neben dem Ackerbau die Naturwiesen und Buntbrachen ausbauen. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit dem LEK (Landwirtschaftliches Entwicklungskonzept Limmattal) geplant. Die Vernetzung von Ökoflächen fördert und schützt den Lebensraum von bedrohten Pflanzen und Tieren. All das dürfte auch bei der Bevölkerung Anklang finden.


Kann man von einer extensiv betriebenen Landwirtschaft leben?

Priorin Irene: Nein, aber mit einer extensiv betriebenen Landwirtschaft kann das Defizit auf eine verantwortbare Grösse reduziert werden. Durch diese Bewirtschaftung entstehen geringere Personalkosten. Einnahmen kommen zusätzlich über Ökobeiträge des Bundes. Wer für die Öffentlichkeit Landschaftspflege wahrnimmt, erhält von der öffentlichen Hand dafür Entschädigung.


Warum hat die Milchwirtschaft nicht rentiert?

Priorin Irene: Die Produktion von einem Liter Milch kostet uns 107 Rappen, wir bekommen pro Liter Milch von der Milchzentrale aber lediglich 66 Rappen. Da das Kloster Fahr vom Bund als Verwalterbetrieb eingestuft wird und nicht als Eigenbewirtschafter wie ein Bauer, bekommen wir keine Direktzahlungen, die diese Differenz mehr oder weniger ausgleichen.


Wird man im Kloster Fahr in Zukunft keine Tiere mehr antreffen?

Priorin Irene: Doch, wir werden auf jeden Fall Tiere halten. Die Möglichkeit zur Begegnung zwischen Mensch und Tier gehört zum Kloster Fahr. Viele Familien mit Kindern besuchen das Kloster Fahr nicht zuletzt wegen den Tieren.


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Die Bäuerinnenschule hat schweizweit einen guten Ruf und ist trotzdem defizitär. Welche Massnahmen werden hier ergriffen?

Priorin Irene: Wir sind eine Privatschule. Der Bund zahlt lediglich Subventionen an Lehrerlöhne. Das Defizit trägt die Klostergemeinschaft. Die Schule hat sich in den vergangenen Jahren den Herausforderungen gestellt und ist ISO- und EDUQUA zertifiziert. Die Kurse sind immer gut ausgelastet und wir führen sogar Wartelisten. Als Massnahme zur Verringerung des Defizits wurde diesen Herbst die Teilnehmerinnenzahl von 24 auf 28 erhöht. Auf Frühjahr 2007 werden die Kosten pro Semester für den Kurs inkl. Kost und Logis von 5200 Franken auf 6200 Franken erhöht. Dies sind bei 100 Kurstagen 62 Franken pro Tag alles inklusive.



«Klöster waren einst treibende Kräfte der Gesellschaft. Eigentlich ist es tragisch, dass wir im 20. Jahrhundert irgendwie den Anschluss verpasst haben. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass wir das, was Klöster über Jahrhunderte auszeichnete, nämlich Qualitätsdenken und Zukunftsvisionen, wieder neu entdecken.»  Abt Martin Werlen


«Die Leute interessieren sich für uns und unsere Ziele. Unsere Aufgabe ist es primär, Gott zu suchen. Dabei wollen wir die Menschen aber nicht ausschliessen.»  Priorin Irene Gassmann


Wird dies goutiert werden?

Priorin Irene: Ja. Für Wertvolles sind die Menschen unserer Zeit auch bereit, zu bezahlen. Wir hatten den Kurs vom Frühjahr 2007 bereits ausgeschrieben und die Schulgelderhöhung nachträglich beschlossen und mitgeteilt und trotzdem meldete sich niemand ab. Das ist auf die Qualität der Schule und ihren guten Ruf zurückzuführen.


Was geschieht mit dem Restaurant «Zu den zwei Raben» im Kloster Fahr?

Priorin Irene: Das Restaurant gehört zum Kloster Fahr und ist nicht verpachtet. Die Mitarbeitenden sind unsere Angestellten. Der Betrieb ist – entgegen der landläufigen Annahme – ebenfalls defizitär. Deshalb haben wir auch hier Handlungsbedarf.


Die Bedeutung von Klöstern hat sich verändert. Welche Zukunft sehen Sie für diese Art Institutionen?

Abt Martin: Klöster waren einst treibende Kräfte der Gesellschaft. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das Bildungswesen in vielen Landesteilen in Klosterhand. Im Kanton Schwyz gab es erst 1970 die erste Kantonsschule. Klöster waren auch führend in der landwirtschaftlichen Entwicklung. Eigentlich ist es tragisch, dass wir im 20. Jahrhundert irgendwie den Anschluss verpasst haben. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass wir das, was Klöster über Jahrhunderte auszeichnete, nämlich Qualitätsdenken und Zukunftsvisionen, wieder neu entdecken. Wir haben ein unglaubliches Potential aufgrund unserer benediktinischen Spiritualität, der jahrhundertealten Erfahrung und unserer klösterlichen Ausstrahlung. Wir brauchen keine Angst zu haben, uns auf Veränderungsprozesse einzulassen, aber wir brauchen auch nichts zu überstürzen. Die Umstrukturierungen, die wir in den Klöstern Einsiedeln und Fahr angehen, haben genau mit dem zu tun. Wir schauen, was unsere Aufgabe heute ist. Die Veränderung braucht Mut. Doch wenn wir uns der Herausforderung nicht stellen, schaufeln wir uns unser eigenes Grab.


Haben Klöster den Anschluss verpasst oder hat sich nicht einfach ihre Bedeutung verändert, weil die westliche Gesellschaft des 20. Jahrhunderts Staat und Kirche zusehends trennte?

Abt Martin: Ich glaube, dass Klöstern das passiert ist, was auch einer Firma geschehen kann. Wenn man einmal ein Erfolgsprodukt hatte, besteht die Gefahr sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Plötzlich stellt man erstaunt fest, dass einen alle überholen. Das ist uns im Bildungssystem so ergangen. In der Landwirtschaft ist ähnliches passiert. Klösterliche Landwirtschaftsbetriebe waren einst Vorzeigebetriebe mit Visionen. Zudem: Die Situation von Klöstern ist nicht so tragisch. Das Kloster Einsiedeln hatte in seiner 1072-jährigen Geschichte nur knapp 100 Jahre lang mehr Mönche als heute.

Priorin Irene: Das gilt auch für uns: Im Kloster Fahr lebten über die Jahrhunderte im Durchschnitt 18 Schwestern. Aktuell sind wir 28. Ich glaube, dass es auch deshalb angebracht ist, dass wir als Schwesterngemeinschaft in der Öffentlichkeit zeigen, wer wir sind und was uns wichtig ist. Die Leute interessieren sich für uns und unsere Ziele. Unsere Aufgabe ist es primär, Gott zu suchen. Dabei wollen wir die Menschen aber nicht ausschliessen, sondern sie mit auf den Weg der Gottsuche nehmen.


Unverständnis löste auch aus, dass plötzlich keine Hochzeiten und keine Taufen mehr in der Klosterkirche stattfinden sollen.

Priorin Irene: Die Klosterkirche ist für uns ein sehr wichtiger Ort. In keinem anderen Raum kommt die Gemeinschaft so oft zusammen, wie in der Klosterkirche. Es ist störend für unser Leben, wenn gerade dieser von Aussenstehenden vereinnahmt wird. Wegen Hochzeiten oder Taufen, die heutzutage sehr aufwändig sind, mussten wir für unsere Gottesdienste immer wieder in andere Räume «flüchten». Deshalb haben wir Anfang Jahr Einschränkungen beschlossen.


Und welche?

Priorin Irene: Wir hielten uns die Klosterkirche am ersten Samstag des Monats insofern frei, als wir keine Hochzeiten zuliessen. Ob dies der Grund dafür ist, dass wir daraufhin weniger Anfragen für Hochzeiten und Taufen hatten, weiss ich nicht. Schliesslich empfahl uns Pater Hilarius, nach seinem Weggang keine Hochzeiten und Taufen mehr anzunehmen, weil der administrative Aufwand sehr hoch sei. Das haben wir beherzigt. Aber selbstverständlich sind die Menschen, die mit uns beten wollen, bei all unseren Gottesdiensten herzlich willkommen.


Und zu welchen Gelegenheiten kann mit der Schwesterngemeinschaft gebetet werden?

Priorin Irene: Sechsmal am Tag treffen wir uns zum Stundengebet. Das sind Wortgottesdienste. Für die Eucharistiefeiern kommen künftig von Freitag bis Sonntag Mitbrüder aus Einsiedeln, am Dienstag Abt Martin und am Donnerstag ein Pfarrer aus der Region. Montags und mittwochs feiern wir im Rahmen des Mittagsgebetes eine schlichte Kommunionfeier. Alle diese Gottesdienste sind öffentlich.


Wie wichtig sind Klöster Ihrer Einschätzung nach in unserer sehr säkularen Gesellschaft?

Abt Martin: Klöster sind Oasen. Ich denke, dass sie in Zukunft noch wichtiger werden. Immer mehr Menschen suchen einen Ort, wo gebetet wird, wo man einfach sein kann. Ich bin überzeugt, dass dieser Aspekt auch im Kloster Fahr an Bedeutung gewinnen wird.


Damit sorgt das Kloster Fahr künftig nicht nur für eine grüne Oase für die Menschen, sondern auch für eine geistliche Oase.

Abt Martin: Das war der Stiftungsauftrag im Jahre 1130 und das soll auch heute unser Ziel sein.

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