Kaum Öffnungsschritte vor Ende Mai – Impfzertifikat bis Juni?

Kaum Öffnungsschritte vor Ende Mai – Impfzertifikat bis Juni?
(Photo by Mat Napo on Unsplash)

Bern – Der Bundesrat will im Juni einen Impfausweis zur Verfügung stellen. Die Corona-Massnahmen will er in drei Phasen lockern, rechnet jedoch vor Ende Mai nicht mit neuen Öffnungsschritten. In der Schweiz und in Liechtenstein wurden am Mittwoch innerhalb von 24 Stunden 2686 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet.

Bundesrat Alain Berset richtete am Mittwoch einen Impf-Appell an die Bevölkerung. Nur so könnten Massnahmen gelockert werden. «Es braucht eine hohe Impfbreitschaft in der Bevölkerung», sagte der Gesundheitsminister vor den Medien in Bern.

Der Bundesrat will im Juni ein Impfzertifikat zur Verfügung stellen. Mit dem Ausweis soll es Privilegien für Getestete, Geimpfte und Genesene geben. Der Entscheid, mit welchem Unternehmen der Impfausweis erarbeitet werden soll, werde in den nächsten Tagen fallen, sagte Berset.

Drei Phasen
Corona-Massnahmen sollen nach dem Willen des Bundesrates in drei Phasen gelockert werden. Aufgrund der epidemiologischen Lage und den weitreichenden Öffnungsschritten am vergangenen Montag werde es vor dem 26. Mai kaum weitere Lockerungen geben, teilte er am Mittwoch nach seiner Sitzung mit. Am 12. Mai will er eine Auslegeordnung vornehmen und allenfalls ein Öffnungspaket bei den Kantonen in die Vernehmlassung schicken.

Ab Juni soll allenfalls der Zugang zu Grossveranstaltungen, Bars und Diskotheken wieder möglich sein, jedoch nur mit einem Impfzertifikat. Zudem soll die Homeoffice-Pflicht für diejenigen Betriebe aufgehoben werden, die es ihren Angestellten ermöglichen, sich regelmässig testen zu lassen. Wenn alle impfwilligen Erwachsenen geimpft sind – frühestens Ende Juli – könnte schliesslich auch die Maskenpflicht gelockert oder aufgehoben werden.

Bei den Parteien stiess das Drei-Phasen-Modell ausser bei der SVP auf breite Zustimmung. Die FDP begrüsste das Modell für weitere Lockerungen der Corona-Massnahmen. Zentrale Bedingung dafür sei aber eine erfolgreiche Impfkampagne.

Für die SP gibt das Modell den Menschen eine Perspektive und zeigt die Wichtigkeit der Impfkampagne. Auch die Mitte, die Grünen und die Grünliberalen begrüssten, dass der Schritt Perspektiven schaffe. Endlich entwickle der Bundesrat Szenarien, die vom Impffortschritt abhängig seien, hiess es bei den letzteren beiden Parteien.

Die SVP monierte, der Bundesrat schiebe die Verantwortung auf die Bevölkerung ab und verweigere ihr nach wie vor die Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben.

Lob für die Bevölkerung
Das Szenario sei sehr ehrgeizig, sagte Berset. «Aber wir haben vieles in den eigenen Händen.» Und er sei zuversichtlich, dass ein solider Ausstieg aus der Krise gelingen könne. Denn: «Die Bevölkerung hat bisher sehr gut mitgespielt.»

In der Schweiz und in Liechtenstein wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch innert 24 Stunden 2686 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Gleichzeitig registrierte das BAG acht neue Todesfälle und 127 Spitaleinweisungen.

Die Positivitätsrate für die vergangenen zwei Wochen lag bei 9,4 Prozent. Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag am 9. April bei 1,10. Die Intensivstationen in den Spitälern sind zurzeit zu 74,5 Prozent ausgelastet. 26,2 Prozent der verfügbaren Betten werden von Covid-19-Patienten besetzt.

Unteressen aktualisierte das BAG am Mittwoch die Coronavirus-Risikoländerliste. Neu gehören ab dem 3. Mai Ägypten, Argentinien, die Kapverdischen Inseln, Katar und Mexiko dazu. Keine Risikoländer mehr sind ab diesem Donnerstag unter anderem Malta, Monaco und die Malediven, aber auch Venedig und Rom sowie die Regionen um diese Städte. (awp/mc/ps)

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