Schmolz+Bickenbach Q1: Umsatz geht klar zurück

Blankstahl

(Bild: Schmolz+Bickenbach)

Emmenbrücke – Der Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B) hat im ersten Quartal 2013 weniger Stahl abgesetzt und auch weniger Umsatz erzielt als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Gegenüber den beiden letzten Quartalen von 2012 hat sich indes eine leichte Verbesserung ergeben. Noch immer befindet sich das Unternehmen in den roten Zahlen. Für das Gesamtjahr wurde die Prognose leicht angehoben und darüber hinaus wurden neue Mittelfristziele formuliert. Weiter wird eine Kapitalerhöhung geprüft.

Der Umsatz ging um knapp 16% auf 867,4 Mio EUR zurück. Die Absatzmengen und die Umsatzerlöse lagen allerdings über den beiden vorangegangenen Quartalen, wie Schmolz+Bickenbach mitteilte. Der bereinigte EBITDA, also vor Sonderkosten, fiel um gut einen Drittel auf 47,2 Mio zurück und die entsprechende Marge auf noch 5,4%. Das Reinergebnis, in dem Einmalkosten enthalten sind, war mit -7,7 Mio EUR negativ, im Vorjahresquartal lag es noch bei knapp +20 Mio. Damit hat das Unternehmen in etwa im Bereich der Prognosen der Analysten abgeschnitten.

Umsatzrückgang in den USA am stärksten
Der Umsatzrückgang im Vorjahresvergleich war in Nordamerika aufgrund der schwachen Nachfrage im Energiesektor ausgeprägter als in Europa und den übrigen Regionen. Auch in den einzelnen Produktgruppen fiel der Absatz- und Umsatzrückgang unterschiedlich stark aus. Am stärksten war er beim Edelbaustahl, während beim Werkzeug- und RSH-Stahl kleinere Rückgänge zu verzeichnen waren.

Insgesamt sei gegenüber den beiden letzten Quartalen aber eine positive Entwicklung in den relevanten Märkten festzustellen. Ausserdem habe sich zu Beginn des Jahres eine Stabilisierung bei den Preisen ergeben.

Gewinnprognose nach oben angepasst
Für das Gesamtjahr hat das Unternehmen den Ausblick denn auch etwas optimistischer formuliert. Es sei mit einem EBITDA vor Sonderkosten zwischen 150 und 200 Mio EUR zu rechnen, heisst es. Bisher wurde hier ein Wert mindestens auf Vorjahreshöhe (151,8 Mio) in Aussicht gestellt. Das eingeleitete Kostensenkungsprogramm zeige erste Wirkung, hiess es dazu. Die volle Wirkung werden die Massnahmen nach 2013 entfalten. Das erst im vergangenen Februar eingesetzt neue Management, Johannes Nonn als CEO und Hans-Jürgen Wiecha als CFO, hat die umfangreichen Restrukturierungsmassnahmen bereits im März angekündigt. Demnach soll die Kostenbasis insgesamt um 35 Mio EUR gesenkt werden, rund 23 Mio an Einsparungen würden dabei schon im laufenden Jahr wirksam, hiess es damals.

Insgesamt habe das erste Quartal über den Erwartungen gelegen und auch im zweiten Quartal sei mit einer im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2012 besseren Geschäftsentwicklung zu rechnen. In einem weiterhin anspruchsvollen Umfeld sei für das Gesamtjahr 2013 ein Umsatz auf Vorjahresniveau zu erwarten, heisst es, womit die bisherige Umsatzguidance vom März bestätigt wird.

Neu hat S+B Mittelfrist-Zielwerte für den Durchschnitt eines Zyklus formuliert. Demnach soll ein bereinigter EBITDA von über 300 Mio EUR erreicht werden sowie eine entsprechende Marge von über 8%. Das Leverage, also das Verhältnis von Nettoschulden zum bereinigten EBITDA soll unter 2,5 liegen.

Kapitalerhöhung von rund 300 Mio Franken in Prüfung
Im Zentrum des Interesses und des seit längerem schwelenden Konflikts zwischen dem Unternehmen und den Hauptaktionären Schmolz+Bickenbach Beteiligungs GmbH KG (S+B KG) und Renova steht unter anderem auch der Kapitalbedarf. Schmolz+Bickenbach teilt hierzu heute weiter mit, dass eine mögliche Kapitalerhöhung in einer Grössenordnung von rund 300 Mio CHF durch eine Bezugsrechtsemission derzeit vom Verwaltungsrat geprüft werde. Als Finanzberater seien dazu die BNP Paribas, die Commerzbank und die Credit Suisse mandatiert.

Die Beteiligungsgesellschaft Renova und S+B KG verlangten jüngst in einem Schreiben an den Verwaltungsrat von Schmolz+Bickenbach die Traktandierung einer zweistufigen Kapitalerhöhung an der kommenden ordentlichen Generalversammlung vom 28. Juni, denn die Finanzlage der Firma sei angespannt und es sei Eile geboten. Demnach soll das Aktienkapital der Gesellschaft vorerst durch eine Nennwertreduktion herabgesetzt und in einem zweiten Schritt durch Neuausgabe der entsprechenden Anzahl Namenaktien um maximal 350 Mio EUR erhöht werden.

Renova würde nach Abschluss dieser Transaktion mindestens 25% am Unternehmen halten, die S+B KG, welche die Interessen der Nachkommen der Gründerfamilien bündelt, rund 15% und zusammen als Gruppe mindestens 40,5%. Weiter will S+B KG vier eigene Vertreter in den Verwaltungsrat von S+B wählen lassen.

Finanzsituation «unbefriedigend, aber nicht desolat»
S+B-VR-Präsident Hans-Peter Zehnder hatte sich dagegen im April auf den Standpunkt gestellt, dass die finanzielle Situation «zwar unbefriedigend sei, aber nicht desolat». Man befinde sich derzeit in Gesprächen mit einer engeren Auswahl von Investoren, darunter befänden sich Finanz- und industrielle Investoren, auch aus der Schweiz, so Zehnder in einem Interview. (awp/mc/pg)

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