Schweizer KMUs leiden nach wie vor unter Zahlungsausfällen

Schweizer KMUs leiden nach wie vor unter Zahlungsausfällen

Schwerzenbach – Gemäss der neusten Studie von Intrum Justitia, Europas führendem Unternehmen für Credit Management Services, stehen europäische Firmen aufgrund von Liquiditätsproblemen immer mehr unter erheblichem Druck. Der von Intrum Justitia verfasste European Payment Index 2014 (EPI 2014) zeigt weiter, dass sich die abgeschriebenen Forderungen in Europa mittlerweile auf atemberaubende 360 Milliarden Euro belaufen.

  • In der Schweiz stiegen die Zahlungsausfälle von 7,8 Milliarden Schweizer Franken im Vorjahr auf 8,3 Milliarden Schweizer Franken.
  • 41% der befragten Schweizer Unternehmen melden Liquiditätsengpässe als Folge verspäteter Zahlungen (Vorjahr 36%).
  • Annähernd drei von vier Unternehmen in Europa (72%) und sogar 76% der Schweizer Befragten melden, keine positiven Auswirkungen bzw. keine Belebung der Konjunktur gespürt zu haben.
  • Gemäss den befragten Unternehmen wird die Rekordarbeitslosigkeit in Europa durch Zahlungsausfälle angeheizt. 40% der europäischen Unternehmer sind der Meinung, diese Problematik hindere sie daran, neue Mitarbeiter einzustellen, während ein Viertel der Befragten der Auffassung ist, dass als Konsequenz sogar Angestellte entlassen werden müssen. In der Schweiz stellen 15% der Unternehmen nicht ein und 10% entlassen Angestellte.

„Zahlungsverzug bzw. Zahlungsausfall beschleunigt bei Geschäften eine negative Kettenreaktion, die zu weitreichenden Massnahmen im Falle von Liquiditätsengpässen führen kann. Am schlimmsten betroffen sind kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), also die Firmen, die für den Grossteil des Wachstums verantwortlich sind“, so Thomas Hutter, Managing Director Intrum Justitia Schweiz.

Überwältigende 55% aller 10‘000 Unternehmen, die am EPI 2014 teilgenommen haben, geben an, sie hätten unter spät oder gar nicht bezahlter Rechnungen zu leiden. Dies stellt den höchsten Prozentsatz in der Geschichte des European Payment Index dar, wobei 36% der befragten Unternehmen davon ausgehen, dass ihr Unternehmen durch Zahlungsausfälle gefährdet sei und jede zweite Firma sieht einen Geschäftsausbau verhindert.

Sogar in Deutschland, Europas grösstem Wirtschaftsraum, gaben die Unternehmen an, sie hätten unter fehlender Liquidität zu leiden. Rund 35% der deutschen Firmen waren der Ansicht, dass späte Zahlungen einen grossen Einfluss darauf hätten ob Mitarbeiter entlassen würden. Dieses Bild ergibt sich auch an anderen Orten. Rund 30% der englischen Unternehmen, 28% der Unternehmen in Spanien und 25% der Unternehmen in Frankreich berichten von demselben Zusammenhang.

Allen positiven Anzeichen zum Trotz ist der gesamte Forderungsausfall in Europa weiter von 3,0 auf 3,1% angestiegen (o.g. 360 Milliarden Euro).

„Stellen Sie sich vor, den europäischen Unternehmen stünden diese 360 Milliarden Euro zur Verfügung, um sie in ihre Geschäfte zu investieren, statt sie jährlich abschreiben zu müssen! Wenn alle Rechnungen fristgerecht bezahlt würden, könnten weitere Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft geschaffen werden. Darum ist das Forderungsmanagement eines Unternehmens der Schlüssel zu einer gesunden Wirtschaft“, sagt Thomas Hutter weiter.

Wenige spüren einen Aufschwung
Nur wenige Unternehmer, die für den EPI 2014 befragt wurden, nehmen Anzeichen eines Aufschwungs wahr. 72% der Befragten gaben an, dass sie in den letzten drei Monaten keinerlei positive Auswirkung einer wirtschaftlichen Erholung festgestellt hätten. Diese Hoffnungslosigkeit gilt für die Mehrheit der Befragten in allen Ländern. In Island bemerkten nur ein Prozent und in Schweden zwei Prozent der Unternehmer eine positive  Auswirkung eines Aufschwungs. Dieser Trend setzt sich auch in Ungarn (2%) und Serbien (3%) fort. Unternehmer in Litauen hingegen sind eher positiv eingestellt, hier sahen 44% Zeichen einer Regenerierung. In Dänemark gaben 37%, in den Niederlanden 36% und in Estland und Spanien jeweils 30% an, dass sie Anzeichen eines allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs bemerkten. In der Schweiz sagten hingegen nur 24%, sie bemerkten Auswirkungen einer wirtschaftlichen Erholung.

Im EPI 2014 listet Intrum Justitia die Massnahmen auf, die man als Unternehmen ergreifen kann, um den Cashflow zu verbessern und Forderungsausfällen vorzubeugen:

  1. Erstellen und implementieren Sie verbindliche Kreditrichtlinien zur Risikominimierung und zur Umsatzsteigerung.
  2. Monitoren Sie jeden Schritt Ihres Credit-Management-Prozesses und fassen Sie bei jedem Schritt nach.
  3. Stellen Sie sicher, dass Sie die Kunden kennen, mit denen Sie Geschäfte tätigen.
  4. Treffen Sie klare Vereinbarungen mit Ihren Kunden, in denen alle Bedingungen für das Geschäft festgelegt werden.
  5. Beziehen Sie den Verkauf, das Marketing und Ihre Buchhaltung mit ein und erstellen Sie einen effizienten Rechnungsstellungsprozess zur Verhinderung von Zahlungsausfällen.
  6. Monitoren Sie Wirtschafts- und Brancheninformationen wie z. B. Bonität der wichtigsten Kunden und überprüfen Sie regelmässig die Adressen der Kunden.
  7. Senken Sie Verluste und stärken Sie Kundenbeziehungen durch die individuelle Anpassung der eigenen Prozesse auf der Grundlage von Zahlungsmoral und –fähigkeit.
  8.  Achten Sie auf ein schnelles und effizientes Mahnwesen und berechnen Sie gegebenenfalls Verzugszinsen.
  9.  Arbeiten Sie ständig an der Erweiterungen und der Ausgeglichenheit Ihrer Kundenstruktur auf der
  10. Grundlage von Risiko und Wachstumspotenzial.
  11. Warten Sie niemals ab, ergreifen Sie immer sofort Massnahmen, um Ihren Zahlungseingang zu sichern.

(Intrum Justitia/mc/ps)

Über Intrum Justitia
Intrum Justitia ist Europas führende Unternehmensgruppe für Credit Management Services (CMS) und bietet Dienstleistungen an, die den Cashflow und die langfristige Rentabilität von Kunden messbar verbessern und den Kauf von Forderungen miteinschliessen. Gegründet 1923, beschäftigt Intrum Justitia rund 3‘600 Mitarbeitende in 20 Ländern. Der konsolidierte Umsatz belief sich 2013 auf SEK 4,6 Milliarden (ca. CHF 620 Millionen). Intrum Justitia AB ist seit 2002 an der NASDAQ OMX Stockholm gelistet. Weitere Informationen finden Sie unter: www.intrum.ch.

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